Ursula Freudig

Wenn ein junger Mensch übermäßig Alkohol konsumiert, kann es sein, dass er eines Tages mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden muss. Wenn gleichzeitig zusätzlich Drogen eingenommen werden, ist die Gefahr noch größer. Auch das Klinikum Hochrhein kennt solche Fälle zu Genüge.

Betroffene Jugendliche und junge Erwachsene bis 21 Jahren und ihre Eltern können jetzt ein neues, freiwilliges und kostenloses Angebot nutzen. Möglichst frühzeitig riskanten Konsum-Gewohnheiten entgegenzuwirken, ist das Ziel.

Dies ermöglicht eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Landkreis Waldshut, der Waldshuter Fachstelle Sucht (Baden-Württembergischer Landesverband für Prävention und Rehabilitation) und dem Klinikum Hochrhein.

Im Landratsamt Waldshut unterzeichnen Michael Schindler (von links sitzend, Kommunaler Suchtbeauftragter Landkreis Waldshut), Jonas ...
Im Landratsamt Waldshut unterzeichnen Michael Schindler (von links sitzend, Kommunaler Suchtbeauftragter Landkreis Waldshut), Jonas Firnkes (Leiter Fachstelle Sucht in Waldshut) und Hans-Peter Schlaudt (Geschäftsführer Klinikum Hochrhein) eine Kooperationsvereinbarung als weiterer Baustein des HaLT-Präventionsprogramms, hinten Sozialdezernent Ulrich Friedlmeier (links) und Landrat Martin Kistler. Bild: Ursula Freudig | Bild: Ursula Freudig

Kürzlich wurde sie von den Verantwortlichen im Landratsamt unterzeichnet. Mit ihr wird das Präventionsprogramm HaLT (Hart am Limit), das der Landkreis seit 2009 umsetzt, ausgebaut und vertieft. Noch früher und effektiver als bisher, sollen junge Menschen, die einen riskanten Alkohol- oder Mischkonsum haben, erreicht und aufgefangen werden.

Dies passiert im Kern auf diese Weise: Da jetzt das Klinikum mit im Boot ist, kann bei Aufnahme eines Jugendlichen aufgrund massiven Alkohol- oder Mischkonsums schnell reagiert werden. „Wir bitten die Angehörigen, uns von der Schweigepflicht zu befreien und das Einverständnis zu geben, dass wir die Daten an die Fachstelle für Sucht weitergeben“, erklärt Hans-Peter Schlaudt, Geschäftsführer des Klinikums, den Ablauf.

Im Notfall gleich ein Beratungsgespräch

Wird einer Übermittlung der Daten zugestimmt, nimmt die Fachstelle Sucht nach deren Erhalt Kontakt mit dem betroffenen Jugendlichen und dessen Eltern auf und bietet ein Beratungsgespräch innerhalb von drei Werktagen an. „Wenn die Möglichkeit besteht, kann ein erstes Gespräch sogar bereits im Klinikum stattfinden“, ergänzt Jonas Firnkes, Leiter der Fachstelle Sucht.

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In regelmäßigen Abständen wird die Fachstelle Sucht zukünftig ins Klinikum gehen und dort Schulungen für das ärztliche Personal und die Auszubildenden der klinikeigenen Pflegeschule anbieten, damit diese aufmerksam sind und bei Aufnahme von jungen Menschen mit Alkohol-Vergiftungserscheinungen im Sinne der genannten Abläufe reagieren.

Schnell aktiv werden

Landrat Martin Kistler wertet die Kooperationsvereinbarung als großen Fortschritt für das HaLT-Programm und die Präventionsarbeit des Landkreises, weil die Einbeziehung des Klinikums als Kooperationspartner, einen niederschwelligen Zugang zur Fachstelle Sucht ermögliche. „Es ist einfacher, das Einverständnis zur Weitergabe der Daten zu geben als selbst aktiv zu werden“, ist der Landrat überzeugt.

Beim Landratsamt Waldshut liegt das HaLT Programm maßgeblich in den Händen des kommunalen Suchtbeauftragten Michael Schindler. Er hebt hervor, dass Alkoholintoxikationen lebensbedrohlich sein können und eine zeitnahe Beratung wie sie die Kooperationsvereinbarung ermögliche, deshalb sehr wichtig sei.

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