Generell habe die Corona-Zwangspause nach Ansicht der Dekane Peter Berg (Katholiken) und Christiane Vogel (Protestanten) sowie des alt-katholischen Pfarrer Armin Strenzl in vielen Bereichen Spuren hinterlassen. Sie berichten über Veränderungen im Gemeindeleben durch Corona, die bevorstehende Umsetzung der Lockerungen und bleibende Herausforderungen.

Wie werden die Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen gesehen?

Vor allem herrscht bei den drei Geistlichen große Erleichterung, dass die Kirchengemeinden zumindest ein Stück weit wieder zum regulären Betrieb zurückkehren. „Natürlich genießt der Schutz der Gottesdienstbesucher und auch der Pfarrer weiterhin einen sehr hohen Stellenwert, aber angesichts sinkender Fallzahlen ist es wichtig, das gesellschaftliche Leben allmählich wieder freizugeben“, kommentiert Peter Berg.

Das sieht Armin Strenzl ganz ähnlich. Wichtig sei nun, „dass wir die Richtlinien auch zuverlässig umsetzen, um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten.“

Auch Christiane Vogel bringt große Freude zum Ausdruck, mahnt aber zu Besonnenheit. Es gelte aber, „behutsam zu lockern, um kein Risiko einzugehen.“ Ungeduld sei in der jetzigen Situation der schrittweisen Entspannung „ein schlechter Ratgeber“.

Wo werden jetzt überall Präsenzgottesdienste gefeiert?

Auch aufgrund der weiterhin strikten Vorgaben zum Schutz vor einer weiteren Corona-Ausbreitung gibt es am kommenden Wochenende nur in einigen größeren katholischen und evangelischen Kirchen in der Region Gottesdienste.

Voraussichtlich im Lauf des Mais werden etliche weitere Seelsorgeeinheiten und Pfarreien beider Konfessionen wieder Präsenzgottesdienste anbieten. Bis dahin sollen auf jeden Fall die Ersatzangebote wie Live-Streams oder Gemeindebriefe erhalten bleiben.

Die alt-katholische Pfarrei werde laut Pfarrer Strenzl erst am 17. Mai um 10 Uhr wieder eine Wort-Gottes-Feier veranstalten. Die Feiern sollen bis auf Weiteres im Freien stattfinden, je nach Witterung auf der Wiese im Au-Friedhof oder unter dem Zeltdach der Konzertmuschel im Schlosspark.

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Was sollten Gottesdienstbesucher beachten?

Für den Gottesdienstbesuch gelten die allgemeinen strikten Hygienemaßnahmen. An den Eingängen gibt es Desinfektionsmittel-Spender. Das Tragen von Mundschutz wird empfohlen, ist aber nicht vorgeschrieben. Das Singen ist verboten.

Angehörigen der einschlägigen Corona-Risikogruppen raten die Geistlichen von einem Gottesdienstbesuch am Sonntag ab und verweisen stattdessen auf Angebote unter der Woche, die erfahrungsgemäß nicht so stark frequentiert seien.

Zu beachten ist insbesondere die Abstandsregelung von zwei Metern in alle Richtungen – Ausnahmen gelten nur für Familien. Dadurch reduziert sich die Gesamtanzahl der Plätze in den Kirchen erheblich. Die Gemeinden gehen mit diesem Umstand ganz unterschiedlich um: Die evangelische Pfarrei Bad Säckingen beispielsweise erbittet vorab eine Anmeldung für die beiden geplanten Gottesdienstzeiten.

Davon möchte Dekan Berg hingegen nichts wissen: „Es geht in erster Linie auch darum, den Bedarf zu ermitteln.“ Im Fridolinsmünster gebe es nach Umsetzung der Schutzvorgaben Platz für knapp 100 Menschen, um den Andrang zu entzerren, gibt es am Sonntag drei Gottesdienste.

Generell seien die geltenden Vorschriften, zu denen auch getrennte Ein- und Ausgänge gehören, nur in den größeren Gebäuden überhaupt umsetzbar, so Berg. In allen Kirchen kontrollieren Ordner die Einhaltung der Vorschriften und die Zahl der Kirchenzutritte.

Es könne durchaus vorkommen, dass nicht alle Gläubigen in die Kirche vorgelassen werden, weil die Kapazitäten bereits ausgeschöpft seien, bedauern die Geistlichen.

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Wie haben die Gemeinden den Corona-bedingten Ausnahmezustand erlebt?

„Vieles ist sehr ruhig geworden und die direkte Begegnung mit Menschen haben drastisch abgenommen“, bilanziert Peter Berg die vergangenen Wochen. Es sei ein radikaler Einschnitt gewesen, der praktisch alle Lebensbereiche betroffen habe. „Gemeindeleben heißt Begegnung, das Erleben von Gemeinschaft. Das alles war nicht mehr möglich. Zumindest physisch gesehen“, sagt Armin Strenzl.

Alle Geistlichen hätten versucht, mit ihren Gemeindemitgliedern auf verschiedenen Kanälen in Verbindung zu bleiben, vor allem via Telefon, Post oder E-Mail. Es sei aber auch eine Zeit des Ausprobierens neuer Formate und Angebote gewesen, etwa Gottesdienste im Live-Stream oder im Autokino.

Nichtsdestotrotz haben die Einschränkungen viele Menschen hart getroffen. Das gilt laut Christiane Vogel vor allem für die Menschen in den Pflegeheimen, wo weder die Gottesdienstfeier noch Besuche durch Seelsorger erlaubt waren. Konfirmanden und Erstkommunionkinder mussten auf ihre großen Feste verzichten.

Wann und in welcher Form diese nachgeholt werden können, ist noch unklar. Taufen und Eheschließungen wurden ebenso auf die lange Bank geschoben. Die Jugend- und Gremienarbeit ist allerorts zum Erliegen gekommen. Trauerfeiern waren nur noch im engsten Familienkreis möglich.

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Und letztlich hat sich auch die Arbeit der Geistlichen grundlegend verändert. Das persönliche Gespräch wurde zunehmend durch Whatsapp, E-Mail oder Telefonate ersetzt. Insofern sei es ein wichtiges Signal, dass nun wieder Gottesdienste gefeiert werden dürfen, sind sich die Geistlichen einig. Wann und in welcher Form weitere Lockerungen hinzukommen, sei derweil momentan noch nicht absehbar.

Und wie geht es jetzt generell weiter?

Er hoffe, dass die Experimentierfreude und die Überprüfung von Althergebrachtem erhalten bleiben, sagt Dekan Berg: „Die jetzige Situation ist auch eine große Chance.“ Ein Zurück zur Zeit vor der Krise sei nur schwer vorstellbar. Der Umgang mit modernen Medien, der in fast allen Pfarrgemeinden einen enormen Aufschwung erlebt habe, sei ein gutes Beispiel hierfür, sagt auch Christiane Vogel.

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Doch zugleich bleiben Herausforderungen: Wie soll etwa die Zukunft der Kirchenchöre aussehen, wenn in Messen nicht mehr gesungen werden darf? Und: Wie sollen Feiern von großen Festtagen wie Weihnachten vonstatten gehen? Vieles beschäftige die Kirchen jetzt bereits intensiv, doch eine Antwort lasse sich jetzt noch nicht geben, denn keiner wisse, was bis dahin möglich sein wird.

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