Katzen sind beliebte Haustiere. Als Spielkamerad, für Streicheleinheiten oder als bester Freund sind die Vierbeiner gefragt. Wer die Frage „Kommt eine Katze ins Haus?“ mit Ja beantworten kann, steht schon vor der nächsten Entscheidung: Wohnungskatze oder Freigänger? Dass eine Katze grundsätzlich besser oder schlechter in der freien Natur zurechtkommt als eine andere, könne man so nicht sagen, steht für Anja Fuchs, Leiterin des Tierheims Steinatal in Tiengen fest.

Manche Rassen eignen sich eher als Hauskatzen

Es gibt jedoch Katzen, für die sich eine Haltung als Hauskatze eher empfiehlt als für andere. So würden Rassekatzen im Freigang beispielsweise häufig gestohlen. Aber auch die Wohnlage der Katzenbesitzer entscheidet: An einer viel befahrenen Straße oder in der Stadt seien Hauskatzen deutlich häufiger anzutreffen als in ländlichen Gebieten.

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Hauskatzen brauchen Abwechslung

Die Wohnlage spielt auch bei Michaela und Mario Schulz aus Wutöschingen eine Rolle: „Wir wohnen direkt an der Hauptstraße, da ist das anders gar nicht möglich“, erklärt Michaela Schulz, warum sie ihre Kater Benny (9) und Couper (1) als Wohnungskatzen hält. Als Artgenossen könnten sie sich in der Wohnung allerdings auch mal gegenseitig beschäftigen. Dass die Tiere nicht alleine sind, ist auch für das Tierheim Steinatal wichtig: Katzenbabys werden hier nur im Doppelpack in die Hauskatzenhaltung vermittelt. „Damit sie genug Sozialverhalten mitbekommen“, sagt Anja Fuchs. Denn auch wenn die Besitzer tagsüber zuhause sind, seien sie immer noch keine Artgenossen.

Kater Benny (im Bild, neun Jahre) wohnt mit Kater Couper (ein Jahr) bei Michaela und Mario Schulz in einer Wohnung in Wutöschingen. <em>Bild: Privat/Michaela Schulz</em>
Kater Benny (im Bild, neun Jahre) wohnt mit Kater Couper (ein Jahr) bei Michaela und Mario Schulz in einer Wohnung in Wutöschingen. | Bild: Michaela Schulz

Bei Hauskatzen müsse man daher darauf achten, dass sie genug Abwechslung und Bewegung haben. Während die Freigänger-Katze draußen jedem knisternden Blatt nachjagen kann, sei die Haltung im Haus reizarmer, so Fuchs. Den Katern von Michaela Schulz steht deshalb „sehr viel Spielzeug“ zur Verfügung. Auch zwei Kratzbäume gibt es. Dennoch könne man Kratzer an den Möbeln auf diese Weise nicht vermeiden. Auch wenn es darum geht, die Wohnung ausbruchssicher zu machen, finden die Katzen oft Hintertüren „Benny ist ein Ausbruchkönig“, sagt Michaela Schulz.

Auch Hauskatzen brauchen auch Katzengras

Laut Anja Fuchs ist es für die Ernährung von Hauskatzen wichtig, dass die Besitzer Katzengras bereitstellen. Die Tiere bräuchten Katzengras, um ihnen das Herauswürgen von unverdaulichen Haarballen zu erleichtern, die bei der Fellpflege entstehen. Auch auf ein Katzenfutter mit hohem Fleischanteil sollte man Wert legen, sagt die Tierheimleiterin, da Katzen auf Fleisch angewiesen sind und ansonsten Mangelerscheinungen aufweisen würden.

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Inwieweit Hauskatzen an der Leine ausgeführt werden sollten, dazu gebe es geteilte Meinungen, sagt Anja Fuchs. Während die einen den regelmäßigen Auslauf auch für Hauskatzen begrüßen, sei man auf der anderen Seite der Meinung, dass es für die Katzen schwierig werden kann, weiter als Hauskatze zurechtzukommen, wenn sie einmal das Leben draußen gesehen habe. Die Katzen würden dann zwar nicht an der Tür stehen und nach draußen wollen, aber unsauber werden und die Katzentoilette nicht mehr richtig nutzen.

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Auch in der Wohnung sind solche Rückzugsorte wichtig. Auf ihren Kratzbäumen haben Benny und Couper ihrer Ruhe. Abends liegen die Katzen aber auch wieder gerne mit ihren Besitzern und den zwei Hunden zusammen auf dem Sofa. Besonders durch den Kontakt mit Hunden sind Impfungen laut Michaela Schulz auch bei Hauskatzen zu empfehlen. Neben der Grundimmunisierung und den Folgeimpfungen sind ihre Katzen auch gegen Würmer und Flöhe geimpft. Eine Kastration der Katzen müsse zudem sein, „sonst pinkeln sie einem die Wohnung voll.“

Freigänger hat eigenes Leben

Bei Ursula und Anton Ohnmacht aus Dangstetten lebt seit 2016 der zugelaufene Freigänger Füchsy. Dass dem Ehepaar Ohnmacht Katzen zulaufen, passiert nicht selten. Von den sieben Katzen, die sie in 40 Jahren bei sich aufgenommen haben, sind ihnen fünf Katzen zugelaufen, zwei weitere haben sie sich bewusst ausgesucht. Für Anton Ohnmacht ist daher klar: „Wenn man sich nicht um das Tier kümmern kann, dann lieber kein Tier.“ Auf der anderen Seite steht für ihn allerdings fest: „Das Leben mit einer Katze ist immer interessant, ich möchte es nicht missen.“

Kater Füchsy genießt die Streicheleinheit von Katzenbesitzerin Ursula Ohnmacht und sein Plätzchen im Grünen.
Kater Füchsy genießt die Streicheleinheit von Katzenbesitzerin Ursula Ohnmacht und sein Plätzchen im Grünen. | Bild: Privat / Ohnmacht

Wie spannend die Erfahrungen mit einer Katze sein können, zeigte sich schon bei ihrer ersten gemeinsamen Katze, Mephisto. Damals noch als Studenten mit einer Wohnung in der Freiburger Innenstadt war Mephisto zwar eine Hauskatze, aber so zutraulich, dass man mit ihr sogar auf dem Münsterplatz sitzen oder mit ihr im Anorak zum Weinfest gehen konnte, festgehalten lediglich durch einen kleinen Ring am Halsband der Katze. Als das Ehepaar aufs Land zog, war klar, dass aus Mephisto ein Freigänger werden soll.

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Dass ein solcher Wechsel gut möglich ist, bestätigt auch Anja Fuchs vom Tierheim Steinatal: „Hauskatzen haben kein Problem, sich draußen zurecht zu finden“, erklärt sie und verweist auf die natürlichen Instinkte einer Katze, aber auch eine entsprechende Eingewöhnungszeit. Nach einer dreiwöchigen Frist im neuen Haus hat Ursula Ohnmacht Mephisto langsam an das Leben draußen herangeführt. Draußen gebe es zwar mehr Risiken, aber das müsse man als Katzenbesitzer akzeptieren, sagt Anton Ohnmacht. Neben dem Straßenverkehr könnte auch der Winter gefährlich für die Tiere werden, nämlich dann wenn sie von vereisten Flächen wie Hausdächern abrutschten und stürzten. Auch Revierkämpfe gehörten zum Leben eines Freigängers dazu. Tierarztbesuche sind bei Freigängern daher zusätzlich nach Kampfverletzungen notwendig.

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Was es bei Freigängern sonst noch zu beachten gibt? „Katzen kastrieren ist keine Frage, sondern ich halte dies für eine Pflicht“, sagt Anton Ohnmacht. Auch dass man der Katze ihr eigenes Leben zugestehe, sei sehr wichtig. Junge Katzen seien noch süß und verschmust, aber spätestens nach einem Jahr gehe die Katze ihre eigenen Wege. Dazu gehöre auch, dass die Katze zwei oder drei Tage mal nicht nach Hause komme.

Kurz und bündig: Kennzeichnung, Impfung und Risiken

Was müssen Halter von Wohnungs- und Freigängerkatzen beachten? Das Veterinäramt des Landkreises Waldshut und die Tierärztin Lioba Hoggenmüller aus Ühlingen-Birkendorf geben einen Überblick.

  1. Müssen Katzen in Deutschland registriert und gekennzeichnet werden? Eine gesetzliche Registrier- und Kennzeichnungspflicht bestehe laut Auskunft des Veterinäramts Waldshut nicht. Innerhalb von einzelnen Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg könne jedoch eine Registrier- und Kennzeichnungspflicht für freilaufende Katzen in der Kommunalverordnung beschlossen werden. Und zwar dann „wenn aufgrund einer Vielzahl freilebender Katzen eine flächendeckende Kastration notwendig wird, um die Bestandszahlen an freilebenden Katzen zu reduzieren“, so das Veterinäramt. Bisher habe im Landkreis Waldshut allerdings noch keine Gemeinde eine entsprechende Satzung erlassen.
  2. Welche Registrier- und Kennzeichnungsvorschriften gelten im Ausland? Wer seine Katze mit ins Ausland nehmen möchte, für den gelten weitere Regelungen, denn dann sei laut Auskunft des Veterinäramts eine Kennzeichnungspflicht und Registrierung im Heimtierausweis notwendig: „Hier ist eine Kennzeichnung mit einem Mikrochip durch EU-Recht vorgeschrieben.“ Die Mikrochipnummer müsse im Heimtierausweis der Katze eingetragen werden, sodass zwischen Kennzeichnung und Tier abgeglichen werden könne. „Dies hat aber nur tierseuchenrechtliche Gründe, da beim Verbringen von Katzen ins Ausland eine gültige Tollwutimpfung nach EU-Recht vorgeschrieben ist“, so das Veterinäramt. In einem nationalen Register werde diese Kennzeichnung jedoch nicht vermerkt. Katzenbesitzer könnten ihr Tier mit dieser Mikrochipnummer aber auch bei einem privaten allgemeinen Haustierregister registrieren lassen.
  3. Tut das Chippen der Katze weh? Nach Auskunft von Lioba Hoggenmüller, Tierärztin in Ühlingen-Birkendorf, bereite die Kennzeichnung mit einem Chip den Katzen nicht mehr Schmerzen als bei einer üblichen Impfung. Für die Tierärztin gilt jedoch: „Jede Katze sollte gechippt werden und dieser Chip sollte öfters durch Ablesen kontrolliert werden. Die Kennzeichnung und die Katze sollten bei einem Haustierregister gemeldet sein.“
  4. Welche Impfungen braucht eine Katze? „Die Grundimpfung für alle Katzen (nach den Leitlinien zur Impfung von Kleintieren StlKo Vet am FLI vom 03.03.2017) umfasst die Grundimmunisierung in den ersten beiden Lebensjahren“, sagt Tierärztin Lioba Hoggenmüller. Dazu zählt der sogenannte RCP-Impfstoff, eine Dreifachimpfung gegen die Erreger der Katzenseuche sowie des Katzenschnupfens. „Freigänger sollten zusätzlich gegen Tollwut geimpft werden und bei hohem Expositionsrisiko gegen Feline Leukämie“, empfiehlt Lioba Hoggenmüller, da es sich bei Katzenleukämie um eine Kontaktinfektion handelt.
  5. Was sind Risiken und wie hoch ist die Lebenserwartung bei Hauskatzen und Freigängern? Gerade im ländlichen Raum seien die meisten Katzen Freigänger, sagt Lioba Hoggenmüller. „Die haben das erhöhte Risiko der Umwelt, das ist der Verkehr, direkt übertragbare Infektionskrankheiten, Unfälle anderer Art und Feinde.“ Risiken für Hauskatzen sieht die Tierärztin durch „Unfälle im Haus, Adipositas, Bewegungsmangel, Stress bedingte Erkrankungen, Verdauungsprobleme und Blasenprobleme, Fremdkörper, Vergiftungen durch Zimmerpflanzen, unerkannte Herzprobleme, die zu plötzlichem Herztod führen können". Allerdings könnten Hauskatzen besser kontrolliert und medikamentös versorgt werden, weshalb es in der Wohnungshaltung mehr alte Katzen gebe. „Es gibt aber auch viele Freigängerkatzen, die im hohen Alter lieber in der Wohnung bleiben und zu Indoor-Katzen werden“, so die Tierärztin.
  6. Ist es strafbar, Katzen auszusetzen? „Das Aussetzen einer Katze stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einem Bußgeld geahndet wird“, sagt das Veterinäramt Waldshut. Das Tierschutzgesetz verbietet es nach Paragraf 3 ein in Obhut des Menschen gehaltenes Tier auszusetzen oder zurückzulassen, um sich dadurch seinen Pflichten als Halter zu entziehen. „Eine Strafbarkeit und damit eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft hat der Gesetzgeber aber nicht vorgesehen“, so das Veterinäramt.
  7. Dürfen Jäger freilaufende Katzen abschießen? „Streunende Hauskatzen dürfen nach Paragraf 49, Absatz 2 Jagd- und Wildtiermanagement generell nicht mehr erlegt werden“, sagt das Veterinäramt. Es können jedoch im Einzelfall Ausnahmen genehmigt werden. Diese werden von der unteren Jagdbehörde oder der zuständigen Naturschutzbehörde für entsprechende Schutzgebiete vergeben.