Das geplante Zentralkrankenhaus für den Landkreis Waldshut wird in Albbruck gebaut. Das hat der Waldshuter Kreistag entschieden. Und zwar auf einem mehr als 90.000 Quadratmeter großen Grundstück zwischen B34 und Rheinufer, westlich des dortigen Rheinkraftwerks. Das Votum erfolgte mit überwältigender Mehrheit.

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Fast ausnahmslos wurde die Vorarbeit der Grundstücks-Kommission gelobt und betont, dass der Standort Albbruck kein Kompromiss, sondern alternativlos sei. Er habe sich als klarer Favorit herauskristalisiert. FDP-Kreisrat Erhard Graunke (Wutach) sprach am Ende der Diskussion von einer Geburtsstunde.

Das sagt die Kommission

Kreisverwaltungsdirektor Michael Hayden und Caren-Denis Sigg (Amt für Umweltschutz) erläuterten den Kreisräten sowie den wenigen Zuhörern das Zustandekommen des Ergebnisses. Danach erklärten die Mitglieder der Grundstückskommission ihre Arbeit und die damit verbundenen Herausforderungen, einen Standort zur das Zentralspital zu finden.

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Denn, darin war man sich einig, den perfekten Standort gibt es nicht. Das sei in einem Landkreis wie dem hiesigen nahezu unmöglich. Insbesondere wegen seiner Größe (Längenausdehnung) und der Topografie (viele Höhenlagen). Gleichwohl, und das unterstrichen alle Kommissions-Mitglieder, sei der Standort Albbruck am Ende als klarer Sieger hervorgegangen.

Das sagen die Fraktionschefs

Rolf Schmidt, Vorsitzender der CDU-Fraktion, lobte das Ergebnis der Kommission als "gute Grundlage" und sagte: "Der Standort ist wichtig", die Qualität des neuen Hauses sei jedoch entscheidender. "Wir haben in der Vergangenheit nicht alles richtig gemacht", erklärte Michael Thater, Sprecher der Freien Wähler. Aber: "In der Standort-Frage haben wir bislang alles richtig gemacht." Albbruck sei unter objektiven Gesichtspunkten der beste Standort.

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Es sei, so erklärte SPD-Sprecherin Karin Rehbock-Zureich, "keine Entscheidung aus dem Bauch heraus gewesen. Und: "Albbruck ist für die Kreisbevölkerung der beste Standort." Für die Grünen bedauerte deren Sprecher Peter Schanz aus seiner persönlichen Sicht, dass es nicht gelungen sei, ein Grundstück in Waldshut zu finden. Von Hohentengen aus sei Albbruck faktisch nicht in 30 Minuten erreichbar (eine Vorgabe in der Matrix). Für Klaus Denzinger, Vorsitzender der FDP-Fraktion, habe der Beschluss für den Standort Albbruck "eine positive Signalwirkung in den Landkreis".

Das sagen die Kritiker

Martin Benz, Bürgermeister von Hohentengen, kritisierte den Standort Albbruck inbesondere wegen der Erreichbarkeit. In den vergangenen Wochen habe er im Durchschnitt 41,5 Minuten mit dem Auto für die Strecke Hohentengen-Waldshut gebraucht. Deshalb seien die Ergebnisse der Matrix "schlicht und einfach falsch".

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Kritik übte Benz auch an der Messung der Patientenströme. Sein Fazit: Für 59 Prozent der Kreisbevölkerung bedeute Albbruck eine Verschlechterung. Deshalb werde es künftig eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im Landkreis geben. Benz stimmte als einziger Kreisrat gegen Albbruck, sein Fraktionskollege Thomas Schäuble (Lauchringen) enthielt sich der Stimme.

Zu viele Staus auf der B 34

Stefan Ruppaner (Freie Wähler) bemängelte die schlechte Verkehrssituation entlang des Hochrhein. "Die müssen wir schnell in den Griff bekommen."

Sein Fraktionskollege Harald Würtenberger (Waldshut-Tiengen) hätte sich einen Krankenhaus in Küssaberg-Ettikon gewünscht. "Dort wäre für mich der optimale Standort gewesen." Gleichwohl könne er mit Albbruck gut leben. Und wichtiger als der Ort sei ein gutes Angebot für die Patienten.

SPD-Kreisrätin Sylvia Döbele (Waldshut-Tiengen) hielt Albbruck zwar für den richtigen Standort, nahm aber nicht an der Abstimmung teil. Döbele: "Ich werde nicht dazu beitragen, dass Waldshut nach 600 Jahren den Spitalstandort verliert."

Lob aus Bad Säckingen

Zwar sei in der Vergangenheit in Sachen Gesundheitsvorgung einiges nicht gut gelaufen, die Suche nach einem Standort für ein Zentralkrankenhaus hingegen schon. Deshalb sagte Bad Säckingens Bürgermeister Alexander Guhl (SPD): "Ein großes Lob an Verwaltung und Kommission."

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Dass Albbruck 194 von 230 möglichen Punkten erzielt habe spreche für den Standort am Rheinufer. Guhl: "Das ist ein überzeugendes Ergebnis." Und: "Ein Ergebnis, das den Landkreis nach vorne bringt."

Das sagt der Landrat

Landrat Martin Kistler nahm die Kritik, insbesondere was die Erreichbarkeit betrifft auf, und erklärte: "Wir müssen das Rettungswesen so organisieren, dass jeder Patient in der vorgegebenen Zeit ins Krankenhaus kommt."

Für den Waldshuter Landrat steht unabhängig davon fest: "Wenn wir durch Leistung und Qualität überzeugen, wird der Standort auch angenommen."

So wurde Albbruck zum Klinik-Standort

  • Wer gehörte der Grundstückskommission an und wie ist sie vorgegangen? Landrat Martin Kistler sowie die Kreisräte Klaus Denzinger (Wehr), Ruth Cremer-Ricken, Rainer Kaskel (beide Bad Säckingen), Manfred Weber (Küssaberg), Volker Jungmann (Klettgau) sowie Karin Rehbock-Zureich und Ira Sattler (beide Jestetten). Die Gruppe entwickelte Entscheidungskriterien, die die Kreisverwaltung in eine Matrix einpflegte und die Daten dafür ermittelte.
  • Was stand in der Matrix, was waren die Bewertungskriterien? Die Matrix enthielt 16 Faktoren, die für einen Klinik-Standort von Bedeutung sind. Danach wurden die Faktoren von 1 (weniger wichtig) bis 5 (sehr wichtig) gewichtet. Die 16 Faktoren wurden in vier Hauptkriterien zusammengefasst: 1. Grundstück, 2. Lage, 3. Umweltfaktoren, 4. Kosten. Zu den wichtigsten Faktoren zählen die Erreichbarkeit, die Patientenströme, die Fläche und die Verfügbarkeit des Grundstückes.
  • Was sprach am Ende für den Standort an der B 34 in Albbruck? Das Grundstück, das früher Erweiterungsfläche der ehemaligen Papierfabrik war, punktete vor allem in Sachen Erreichbarkeit, Patientenströme und Erweiterungsfähigkeit. Gefordert war eine Fläche mit einer Größe von mindestens 60.000 Quadratmetern, der Standort Albbruck ist 93.000 Quadratmeter groß.
  • Wie war das Endergebnis? Albbruck erhielt 194 Punkte. Auf den weiteren Plätzen folgten Dogern (166), Waldshut-Oberalpfen (139), Weilheim (137) und Wutöschingen (114).

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