1. Wie läuft die Umsetzung des Versorgungskonzepts im Landkreis?

Die ersten Erfahrungen sind laut Caren-Denise Sigg, Leiterin des Verwaltungsstabs, positiv. Auf die medizinischen Details gingen Dr. Hans-Peter Schlaudt, Geschäftsführer des Klinikums Hochrhein, und Dr. Stefan Kortüm, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme, ein: Im Spital Hochrhein in Waldshut sei die Lage übersichtlich, die Personalversorgung und die Möglichkeiten der Patientenunterbringung derzeit noch gut. 15 Covid-19-Patienten seien isoliert auf der Normalstation untergebracht, drei Personen würden auf der Intensivstation betreut werden. Einige wenige Mitarbeiter seien positiv auf Covid-19 getestet worden und würden sich in häuslicher Quarantäne befinden, doch dies seien die einzigen Ausfälle und könnten gut kompensiert werden.

2. Wie sieht es in den anderen Kliniken im Kreis aus, die Patienten aufnehmen können?

Auf Hochdruck liefen die Vorbereitungen in den anderen Kliniken im Kreis, die in das Versorgungskonzept eingebunden seien, um Waldshut und St. Blasien zu entlasten, beispielsweise durch Aufnahme von genesenden Covid-19-Patienten. Bisher sei eine Übernahme von Patienten, beispielsweise in die Sigma Klinik Bad Säckingen oder das Haus Sonnenhof in Höchenschwand, noch nicht nötig gewesen.

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Laut Schlaudt und Dr. Stefan Kortüm, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme des Klinikums Hochrhein, sei damit aber – je nach Entwicklung der Fälle – noch im Laufe dieser Woche zu rechnen. Nach derzeitigem Stand sei der Landkreis Waldshut hinsichtlich der Beatmungskapazitäten gut versorgt, so Caren-Denise Sigg. Gleichwohl bestünden Anstrengungen, diese zu erweitern.

3. Wie sind die Pflegeheime im Kreis ausgerüstet?

Vergangene Woche wurde der erste Covid-19-Todesfall und mehrere Infektionen in Pflegeheimen bekannt. Mittlerweile seien drei Pflegeheime im Kreisgebiet von einer Infektion eines oder mehrerer Bewohner betroffen, in einem Fall sei auch ein Mitarbeiter erkrankt. Grundsätzlich sei der Umgang mit Infektionskrankheiten in den Pflegeheimen geübte Praxis, wie Petra Hall versichert. Die Leiterin des Ordnungsamts und Heimaufsicht nennt den Norovirus und weitere Infektionskrankheiten als Beispiele.

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Hier gebe es genaue Pläne, was zu tun sei. „Bisher sind die Heime alle vollständig in der Lage, die Pandemiepläne umzusetzen“, so Hall. Diese sehen unter anderem die Separierung von Patientengruppen, sowie die Betreuung dieser in festgelegten Teams vor.

4. Wie konnten sich die Bewohner mit Covid-19 infizieren?

Gesundheitsamtsleiter Jürgen Thoß gibt zu bedenken, dass zwar ein generelles Besuchsverbot besteht, die Bewohner allerdings nach wie vor die Einrichtungen selbstständig verlassen und Kontakte außerhalb haben können. Deshalb sei es sehr schwierig nachzuvollziehen, wie das Virus in die Heime gelangen konnte.

5. Wie sieht es hinsichtlich der Schutzausrüstung – Mundschutz und Schutzkleidung – in den Einrichtungen aus?

Die Beschaffung von Schutzausrüstung sei ein aktuell sehr schwieriges Feld, so Caren-Denise Sigg, Leiterin des Verwaltungsstabs. Darum sei der Landkreis eingesprungen und habe Materialien gekauft. Derzeit kümmere man sich um die Verteilung der Ausrüstung – besonders auch an die Pflegeheime. „Die Heime können bei uns ihren wöchentlichen Bedarf melden und wie versuchen, diesen zu erfüllen“, so Sigg. Eine weitere größere Materiallieferung werde Mitte April erwartet.

6. Was lässt sich über die Covid-19-Todesfälle sagen?

Derzeit sind acht Covid-19-Todesfälle im Kreis Waldshut bestätigt (Stand 6. April, 16 Uhr). Mit Informationen über die Patienten hält sich das Landratsamt mit Verweis auf das Sozialministerium und zum Schutz der betroffenen Familien allerdings zurück. Bekannt ist, dass es sich in allen Fällen um ältere Menschen gehandelt habe, zwei der Personen in Kliniken außerhalb des Landkreises verstarben und auch ein Bewohner eines Altenheims zu den Opfern zählt. Dr. Stefan Kortüm, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme, habe, wie er sagt, nur den Überblick über die vier Todesfälle im Spital in Waldshut: „Hier lag das Durchschnittalter bei 89,5 Jahren.“

7. Welche Erfahrungen wurden im Klinikum Hochrhein mit Covid-19-Erkrankten gesammelt?

Dr. Stefan Kortüm erläutert, dass der Austausch mit der Lungenklinik St. Blasien, wo derzeit drei Patienten – darunter auch Verdachtsfälle – betreut werden, sehr eng und gut sei. Auffällig sei, dass die bislang als absolut eindeutigen Symptome wie hohes Fieber und trockener Husten nicht bei allen positiv auf Covid-19 getesteten Patienten vorlägen. So seien weitere Symptome und auch fieberfreie Krankheitsbilder beobachtet worden. Es sei dabei wohl nicht unerheblich, so Kortüm, in welcher Erkrankungsphase sich der Patient befinde.

8. Wieso werden nicht mehr Menschen im Kreis Waldshut auf das Coronavirus getestet?

Jürgen Thoß, Leiter des Gesundheitsamts, hebt in diesem Zusammenhang die beschränkten Laborkapazitäten hervor, die hier die Möglichkeiten limitiere. Rund 40 Tests seien am Tag auf Veranlassung des Gesundheitsamts möglich, um gewährleisten zu können, innerhalb von drei bis fünf Tagen ein Ergebnis zu bekommen. „Generell sollte jeder Patient der der Risikogruppe angehört und Symptome zeigt auf Covid-19 getestet werden“, so Thoß, doch dies sei immer von den Laborkapazitäten abhängig. Hier hoffe Thoß auf Initiativen von Bund und Land, die Labormöglichkeiten zu verbessern.

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