Die Befürworter von Bahn-Wiederauferstehungen witterten auch im äußersten Südwesten Morgenluft, als das Ministerium von Landesverkehrsminister Winfried Hermann im April 2019 ankündigte, in einer Potenzialanalyse die Reaktivierbarkeit stillgelegter Bahnstrecken untersuchen zu lassen.

Im Sinn hatte das Ministerium dabei Bahntrassen, die noch vorhanden – also nicht mit Straßen oder Gebäuden überbaut – und daher mit relativ geringem Aufwand wieder aufgebaut werden können.

Die Trasse gibt es noch

Das trifft auch auf die Wehratalbahn zwischen Schopfheim und Bad Säckingen zu, die im Personenverkehr 1971 und im Güterverkehr endgültig 1994 stillgelegt, aber nie überbaut wurde.

Die 19,7 Kilometer lange Trasse ist auch noch nicht entwidmet, das heißt, dass sie rechtlich gesehen noch eine Bahnlinie und keine grüne Wiese ist.

Die stillgelegte Trasse der Wehratalbahn.
Die stillgelegte Trasse der Wehratalbahn. | Bild: Schönlein, Ute

Vor diesem Hintergrund gründete sich 2019 in Wehr eine Interessensgemeinschaft, die den Wiederaufbau der Bahn zum Ziel hat. Die Städte Schopfheim und Wehr traten der IG im Jahr 2020 ebenfalls bei.

Weiteren Rückenwind erhielt der Plan im Juli 2020, als der Nahverkehrsexperte Ulrich Grosse im Auftrag der Stadt Wehr eine erneute Studie zum Potenzial der Strecke veröffentlichte. Bis zu 12 000 Menschen könnten die Strecke laut Grosse pro Tag nutzen, je nach Einbettung in das regionale ÖPNV-Angebot auch mehr. Die Studie übergab die CDU-Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Waldshut, Sabine Hartmann-Müller, auch Minister Hermann (Grüne).

Aufbruchstimmung 2020

Im November 2020 dann der Paukenschlag: Das Ministerium machte die Ergebnisse der Potenzialanalyse öffentlich – und löste damit Aufbruchstimmung unter den Wehratalbahn-Fans aus.

Denn der seinerzeit als Teil einer militärisch wichtigen Verbindung ins Dreiländereck gebauten Strecke wurde hohes Fahrgastpotenzial bescheinigt. Die Wehratalbahn lag damit in der Gunst der Verkehrsexperten noch weit vor der Kandertalbahn.

Trotzdem war und ist es vor allem deren Reaktivierung, die im Lörracher Landkreis und vom Kreistag vorrangig diskutiert wurde. Dabei wurde auch aus Sicht von Johann Heimlich, Vorsitzender der IG Pro Wehratalbahn, völlig unterschätzt, welche Vorteile die Wehratalbahn auch für Lörrach und das vordere Wiesental und seine Bewohner hätte.

Neue Anschlussmöglichkeiten

„Alleine beim Blick auf das neue Zentralklinikum wird das klar“, sagt Heimlich. Beschäftigte und Patienten vom Hochrhein könnten ab Bad Säckingen umsteigefrei zur Klinik fahren. Theoretisch erlaubt eine Wiederinbetriebnahme der Wehratalbahn auch Gedankenspiele wie den Anschluss des Lörracher Hauptbahnhofs an den schnellen Regionalverkehr Richtung Bodensee oder die Durchbindung von Zügen vom Hochrhein über Lörrach zum Euroairport.

Die Wehratalbahn landete folglich in der ersten Analyse in der Kategorie B unter zwölf weiteren Strecken Rang zwei – und könnte „zielgerichtet eine Reaktivierung anstreben“, so die Einschätzung.

Was würde eine Reaktivierung kosten?

Auf rund 100 Millionen Euro schätzten die Experten die Kosten für den Wiederaufbau, den Löwenanteil davon verschlänge der 3,1 Kilometer lange Fahrnauer Tunnel, der zwischen Fahrnau und Hasel den Dinkelberg unterquert.

Dem Verfahren der Potenzialanalyse folgt seitdem eine Machbarkeitsstudie. In dieser geht es ans Eingemachte, denn nun wird sich entscheiden, wie aufwendig, wie teuer und rentabel der Wiederaufbau tatsächlich werden könnte. Die Kandertalbahn schnitt diesem Verfahren dieser Tage sehr schlecht ab, die Wiederherstellung wurde in der Machbarkeitsstudie „vorerst als unwirtschaftlich“ bewertet.

Wie diese Studie zur Wehratalbahn ausfällt, wird nun gespannt erwartet.

Hürden sind hoch

Hürden gibt es trotz aller Pluspunkte genügend: an erster Stelle den Fahrnauer Tunnel. Dieses Riesenbauwerk war bei der Inbetriebnahme 1890 einer der längsten deutschen Bahntunnel. Der Stillstand hat ihn marode gemacht, inzwischen nisten Fledermäuse in der alten Röhre, was Naturschutzfragen aufwirft. Dann gibt es weitere schwierige Bauwerke: Aufwendig saniert werden müsste die Wehrabrücke in Wehr, sie steht unter Denkmalschutz.

In Wehr wurde die Bundesstraße 518 auf Höhe des Bahnhofs zwar unter die frühere Bahntrasse gelegt – neue, aufwendige Brückenbauwerke für die Bahntrasse wären aber trotzdem notwendig. Zudem müsste die Verkehrsführung der B -518-Auffahrt völlig geändert werden.

Widerstand unter Anliegern wächst

Bei Fahrnau quert seit Anfang der 90er Jahre die B 317 die alte Trasse, hier bräuchte es eine neue Brücke. Ebenso zu ersetzen wäre wohl die Brücke über die B 34 bei Wallbach. Und dann ist die Trasse zwar komplett frei und nicht überbaut – wohl aber belegt von Bauten der Anrainer, seien es Schuppen oder Schrebergärten.

Entlang der Strecke regt sich unter den Anliegern denn auch schon Widerstand gegen eine Wiederbelebung. Laut Landratsamt Waldshut wird das Ergebnis der Machbarkeitsstudie im September oder Oktober erwartet. Dann fällt eine Vorentscheidung, ob die Befürworter der Reaktivierung weiter hoffen können.

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