Die Parlamentarische Staatssekretärin und SPD-Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter unterstützt den angekündigten Kirchenstreik Lauchringer Katholikinnen. „Angesichts der andauernden Vertrauenskrise in die katholische Kirche finde ich die Forderungen der ehrenamtlich tätigen Frauen aus Lauchringen genauso mutig wie notwendig“, schreibt die Politikerin in einer Pressemitteilung.

„Leider ist auch die Region Südbaden von sinkenden Mitglieder- und Priesterzahlen sowie dem Abbau von Seelsorge- und Gottesdienstangeboten betroffen. Dass wir trotzdem eine lebendige Kirchengemeinde haben, verdanken wir der harten, ehrenamtlichen Arbeit dieser Frauen“, so Rita Schwarzelühr-Sutter weiter.

Mit diesen Frauen meint die Abgeordnete Gertrud Bernauer-Eckert, Karin Höhl und Ulrika Schirmaier. Die drei ehrenamtlichen Mitglieder der Gemeindeteams von Ober- und Unterlauchringen haben für die Dauer von zwei Wochen – vom 13. bis 26. Mai – zu einem Kirchenstreik aufgerufen, um auf die Ungleichbehandlung von Mann und Frau in der katholischen Kirche aufmerksam zu machen. Denn Frauen dürfen in der katholischen Kirche kein Weiheamt wie das des Diakons, Priesters und Bischofs ausüben.

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Männer und Frauen sind gleichberechtigt, heißt es im Artikel 3 (Absatz 2) des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. „Nur nicht in der Kirche. Das finde ich unverständlich“, sagt Gertrud Bernauer-Eckert. Ihre Mitstreiterin Ulrika Schirmaier, die laut eigenen Abgaben einen Großteil ihrer Freizeit für die ehrenamtliche Arbeit in der katholischen Gemeinde aufwendet, sagt: „Wir dürfen uns einbringen und viel arbeiten. Wir dürfen jedoch keine Sakramente spenden, keine Eucharistie feiern, da uns die dafür notwendige Weihe verwehrt wird, und das im 21. Jahrhundert, einer Zeit, in der Frauen alle Berufe offen stehen.“

Mädchen dürfen Ministrantinnen werden, ansonsten bleiben Frauen Ämter in der katholischen Kirche verwehrt. Im Bild Pater Bernhard Fuhrmann mit Ministrantinnen bei einer Fronleichnamsfeier in Waldshut.
Mädchen dürfen Ministrantinnen werden, ansonsten bleiben Frauen Ämter in der katholischen Kirche verwehrt. Im Bild Pater Bernhard Fuhrmann mit Ministrantinnen bei einer Fronleichnamsfeier in Waldshut. | Bild: Juliane Schlichter

Zwischen dem 13. und 26. Mai werden die drei Lauchringer Katholikinnen keine Kirche betreten und keinen ehrenamtlichen Dienst tun. „Außerdem planen wir verschiedene Aktionen vor den Gottesdiensten“, sagt Karin Höhl. Außerdem sei ein Info- und Diskussionsabend am 10. Mai in Unterlauchringen geplant (siehe Infokasten). Rückendeckung bei ihrem Kirchenstreik bekommen die Frauen von der Bundestagsabgeordneten Rita Schwarzelühr-Sutter.

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„In diesem Jahr feiern wir 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland. Frauen sind die Hälfte der Bevölkerung und keine Minderheit – trotzdem sind sie auch im Jahr 2019 noch von wichtigen Kirchenämtern ausgeschlossen. Dort, wo über wichtige Fragen des spirituellen und kirchengemeinschaftlichen Lebens entschieden wird, haben ausschließlich Männer das Sagen. Das muss sich ändern, wenn die Institution Kirche eine Zukunft haben soll – was ich mir als gläubige Katholikin ausdrücklich wünsche“, so die Abgeordnete aus Waldshut weiter.

Eine Bestreikung der Kirche vor Ort setze ein eindeutiges Zeichen gegen die Benachteiligung von Frauen. Für Rita Schwarzelühr-Sutter sei außerdem positiv, dass die Frauen nicht daran denken würden, aus der Kirche auszutreten: „Wer Institutionen verändern möchte, muss sich in ihnen engagieren und für seine Werte und Überzeugungen kämpfen. Das gilt für die Kirche genauso wie für politische Parteien.“