Sie organisieren Suppensonntage und Kirchencafés, kümmern sich um die Kommunionkinder, bereiten Messen vor und halten selbst Wortgottesdienste, wenn der Pfarrer keine Zeit hat. Die Liste der Aufgaben, die Ehrenamtliche in der katholischen Kirche ausüben, ließe sich noch lange fortsetzen. In Lauchringen treten jetzt drei von ihnen in den Streik.

"Einen Großteil unserer Freizeit opfern wir der Kirchenarbeit", sagt Karin Höhl vom Oberlauchringer Gemeindeteam. "Manchmal sitzen wir zwei Stunden vor dem Wortgottesdienst zusammen, um diesen vorzubereiten und Lieder herauszusuchen", fügt sie hinzu. "Das reicht nicht mal", ergänzt Gertrud Bernauer-Eckert, die sich ebenfalls im Gemeindeteam von Oberlauchringen engagiert.

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Es sind überwiegend Frauen, die sich ehrenamtlich für die katholische Kirche engagieren. Im Gemeindeteam Oberlauchringen ist unter den acht Mitgliedern ein Mann, im Unterlauchringer Team arbeiten acht Frauen und ein Mann. "Ohne das Ehrenamt von Frauen würde ein Großteil der Kirchenarbeit gar nicht stattfinden", sagt Ulrika Schirmaier, die Mitglied des Gemeindeteams Unterlauchringen und des Pfarrgemeinderats der Seelsorgeeinheit Mittlerer Hochrhein St. Verena ist.

"Männerriege verwehrt uns Frauen den Zugang zu Weiheämtern"

Die Verwaltungsangestellte und Religionslehrerin kritisiert, dass seit rund 2000 Jahren eine Männerriege die Geschicke aller Gläubigen bestimme. "Sie verwehrt uns Frauen den Zugang zu den Weiheämtern in der katholischen Kirche – mit Argumenten aus uralten Zeiten, die heute nicht mehr haltbar sind", sagt Schirmaier. "Wie kann man einer modernen, selbstbewussten Frau verklickern, dass sie sich in der katholischen Kirche engagieren soll?", fragt sich Karin Höhl.

Sie treten für die Gleichberichtung von Mann und Frau in der katholischen Kirche in den Streik (von links): die Lauchringerinnen Gertrud Bernauer-Eckert, Karin Höhl und Ulrika Schirmaier.
Sie treten für die Gleichberichtung von Mann und Frau in der katholischen Kirche in den Streik (von links): die Lauchringerinnen Gertrud Bernauer-Eckert, Karin Höhl und Ulrika Schirmaier. | Bild: Juliane Schlichter

Um auf die von ihnen beanstandete Ungleichbehandlung von Mann und Frau in der katholischen Kirche aufmerksam zu machen, rufen Ulrika Schirmaier und ihre Mitstreiterinnen, die Geschäftsfrau Karin Höhl und die Sozialarbeiterin Gertrud Bernauer-Eckert, für die Dauer von zwei Wochen – vom 13. bis 26. Mai – zu einem Kirchenstreik auf. "Wir betreten in dieser Zeit keine Kirche", betont Schirmaier.

Stattdessen wollen die drei Frauen mit weißen Tüchern als Symbol für einen Neuanfang in der Kirche vor den Gotteshäusern während der Gottesdienste auf ihre Aktion aufmerksam machen. Außerdem planen sie unter anderem einen Informations- und einen Filmabend sowie eine Aktion mit Unterschriften. "Diese wollen wir dann Erzbischof Stephan Burger in Freiburg übergeben", erzählt Schirmaier, die auf zahlreiche Mitstreiter, auch aus den umliegenden Seelsorgeeinheiten, hofft.

Weniger Seelsorgeeinheiten

Mit ausschlaggebend für ihren Protest ist das Projekt "Pastoral 2030" der Erzdiözese Freiburg. Dieses sieht unter anderem vor, die Zahl der bislang 224 Seelsorgeeinheiten der Erzdiözese auf 40 sehr viel größere Pfarreien schrumpfen zu lassen. Grund sind akuter Priestermangel und sinkende Mitgliederzahlen. Gerade vor diesem Hintergrund ist es für die Lauchringer Frauen unverständlich, dass die katholische Kirche keine Ämter für Frauen öffnet. "Männer können zum Diakon geweiht werden, aber Frauen nicht", sagt Höhl. Dabei stehe "nirgends in der Bibel, dass Frauen keine Ämter ausüben dürfen", fügt sie hinzu und fürchtet, das im Zuge der Neustrukturierung noch mehr Aufgaben auf den Schultern der ehrenamtlichen Frauen lasten werden.

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"Wir streiken nicht gegen Gott oder Christus, auch nicht gegen unsere Priester, sondern für eine Erneuerung zu einer glaubwürdigen, zeitgemäßen Kirche", betont Schirmaier. Unter einer zeitgemäßen Kirche stellt sie sich eine Institution vor, die Frauen den Zugang zu sämtlichen Ämtern in der katholischen Kirche gewährt – bis hin zum Priesteramt. "Mein Traumberuf wäre Pfarrerin gewesen, aber in der katholischen Kirche blieb mir das verwehrt", sagt Ulrika Schirmaier. Dass sie mit ihrem Kirchenstreik eine schnelle Änderung des Kirchenrechts bewirken, glauben die drei Frauen zwar nicht. "Aber wir hoffen auf unsere Bischöfe, dass diese den Druck nach Rom weitergeben", sagt Karin Höhl.

Eines kommt für die drei trotz ihrer Kritik an der katholischen Kirche nicht in Frage: "Ein Austritt ist keine Option", betont Höhl. "Unser Glaube ist uns wichtig. Das ist Heimat", sagt Schirmaier, die lieber kämpfen als die Flinte ins Korn werfen will.

Das sagt Pfarrer Ulrich Sickinger

Pfarrer Ulrich Sickinger ist Leiter der Seelsorgeeinheit Mittlerer Hochrhein St. Verena, zu denen die Pfarrgemeinden Herz-Jesu (Unterlauchringen) und St. Andreas (Oberlauchringen) gehören. "Bei aller Kritik an der katholischen Kirche, die ich teilweise nachvollziehe, kann ich den Streik nicht unterstützen", sagt der katholische Geistliche auf Nachfrage dieser Zeitung und verweist auf die Loyalität gegenüber seiner Arbeitgeberin, der Erzdiözese Freiburg. "Ablehnen tue ich die Aktion aber nicht", fügt er hinzu.

Pfarrer Ulrich Sickinger.
Pfarrer Ulrich Sickinger. | Bild: Juliane Schlichter

"Selbstverständlich schätze ich das ehrenamtliche Engagement. Ich brauche diese Frauen", sagt Sickinger, der sich einen Gottesdienst ohne die Beteiligung von Frauen nicht vorstellen kann. Der Pfarrer vertritt die Meinung, dass sich die Kirche verändern müsse. "Der Zugang zum Priestertum muss aktualisiert werden. Dabei schließe ich Frauen nicht aus", sagt er.

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Termin: Ein Info- und Diskussionsabend zum geplanten Kirchenstreik findet am Freitag, 10. Mai, um 19.30 Uhr im katholischen Pfarrzentrum in Unterlauchringen statt.

Das dürfen Frauen in der katholischen Kirche

  • Weiheämter: Im Gegensatz zu Männern und im Gegensatz zu protestantischen Glaubensgemeinschaften dürfen Frauen in der katholischen Kirche kein Weiheamt (Diakon, Priester, Bischof) ausüben. Verheiratete Männer, die zum Diakon geweiht werden, legen kein Zölibatsversprechen ab. Wenn ihre Frau stirbt, dürfen sie allerdings nicht wieder heiraten.
  • Hauptamtliche Berufe: Frauen können als Katholikinnen die Berufe der Pastoral- und der Gemeindereferentin ausüben. Außerdem werden Frauen unter anderem als Religionslehrerin, Organistin und Kirchenmusikerin, Hauswirtschafterin, Köchin, Altenpflegerin, Krankenschwester und Ärztin sowie Juristin oder Verwaltungs- und Finanzexpertin beschäftigt.
  • Ehrenamtliche Aufgaben: In vielen Pfarreien gibt es Ministrantinnen, Kantorinnen, Lektorinnen oder Kommunionhelferinnen. In den Gemeindeteams engagieren sich überwiegend Frauen, die unter anderem Kirchenfeste organisieren, Gottesdienste vorbereiten, Wortgottesdienste feiern oder Kinder zur Erstkommunion begleiten.
  • Frauendiakonat: Zur Klärung der Frage, ob es im frühen Christentum Frauen als Diakoninnen gab, richtete Papst Franziskus im August 2016 eine Studienkommission aus zwölf Theologen – Frauen und Männern – ein. Zwei US-amerikanische Mitglieder der Kommission sagten nach Abschluss des Projekts vor der Öffentlichkeit, es gebe zahlreiche Beweise dafür, dass Frauen in der Kirche eine lange Geschichte hätten, womit die Ausübung von Aufgaben und Ämtern gemeint ist. „Die Geschichte allein“ reiche aber nicht aus, um in der Sache Entscheidungen zu treffen. (Quelle: www.katholisches.info)
  • Die Seelsorgeeinheit: Seit 1. Januar 2015 bilden die Pfarrgemeinden von Dogern, Krenkingen, Oberlauchringen, Tiengen, Unterlauchringen und Waldshut mit den Filialgemeinden Breitenfeld, Detzeln und Eschbach die Seelsorgeeinheit Mittlerer Hochrhein St. Verena. Sie hat einen gemeinsamen Pfarrgemeinderat als verbindendes Gremium. Gleichzeitig finden sich in den einzelnen Gemeinden noch Gemeindeteams, die das spirituelle Leben vor Ort organisieren und gestalten. (jsc)