Was das Thema Auto betrifft, könnten ihre Erfahrungen und Einstellungen nicht unterschiedlicher sein: Auf der einen Seite Jan-Lukas Schmitt, Kandidat der Grünen im Wahlkreis Waldshut für die kommenden Bundestagswahl. Er hat laut eigener Aussage aus Prinzip keinen Führerschein hat. Wie auch seine Partei für eine Verkehrspolitik steht, die sich wegbewegt vom Individualverkehr und Verbrennungsmotoren langfristig den Zapfhahn abdrehen will. Und auf der anderen Seite Oliver Schauenburg, Mitglied der Tuning-Szene am Hochrhein. Er schraubt gerne am eigenen Fahrzeug herum und schätzt vor allem den Spaßfaktor am Autofahren.

SÜDKURIER-Volontär Nico Talenta filmt das „Blind Date mit dem Kandidaten“ zwischen Grünen-Kandidatin Jan-Lukas Schmitt (rechts) und Autotuner Oliver Schauenburg aus Ühlingen-Birkendorf.
SÜDKURIER-Volontär Nico Talenta filmt das „Blind Date mit dem Kandidaten“ zwischen Grünen-Kandidatin Jan-Lukas Schmitt (rechts) und Autotuner Oliver Schauenburg aus Ühlingen-Birkendorf. | Bild: Juliane Schlichter

Für die SÜDKURIER-Diskussionsrunde „Blind Date mit dem Kandidaten“ hat diese Zeitung die beiden Gegenspieler miteinander konfrontiert. Schauplatz des Gesprächs ist ein Parkplatz in einem Waldshut-Tiengener Gewerbegebiet, der mitunter von der Tuning-Szene genutzt wird. Jan-Lukas Schmitt verzichte bewusst auf den Führerschein. „Man kommt eigentlich gut voran ohne Auto – auch am Hochrhein“, erklärte der 26-jährige Wirtschaftsjournalist aus Waldshut. Oliver Schauenburg, der in Ühlingen wohnt, hat mit dem öffentlichen Nahverkehr andere Erfahrungen gemacht: „Unten in der Rheinschiene in Städten wie Waldshut-Tiengen geht‘s, aber oben auf dem Dorf kann man es eigentlich vergessen.“

Der Grünen-Kandidat räumte ein, dass es im Nahverkehr im ländlichen Raum noch große Defizite gibt. „Ich verstehe, dass die Leute hier im Schnitt mehr als ein Auto pro Familie haben.“ Schmitt weiter: „Wir wollen den Leuten das Auto ja auch nicht wegnehmen, aber ich finde, wir sollten ihnen Alternativen geben.“ Er verwies auf die Pläne seiner Partei, überall im Land ein Nahverkehrs-Grundangebot und damit eine Art Mobilitätsgarantie zu schaffen.

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SÜDKURIER-Redakteur und Moderator David Rutschmann wollte von Oliver Schauenburg wissen, wie er zur Verkehrspolitik der Grünen stehe. Der 18-jährige gelernte Altenpfleger äußerte seine Zweifel, ob jedes Dorf regelmäßig von Linienbussen angefahren werden könne. Jan-Lukas Schmitt skizzierte daraufhin das Konzept sogenannter Bürgerbusse.

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SÜDKURIER-Serie zur Bundestagswahl

Ob er sich vorstellen könne, ein Elektroauto zu fahren, wollte David Rutschmann von Oliver Schauenburg wissen. Der begeisterte Tuner verneinte dies: „Allein schon von der Optik her nicht.“ Auch der Klang des Motors würde ihm fehlen, fügte er zufällig genau in jenem Moment hinzu, als ein Fahrzeug mit dem für getunte Autos typischen Röhren auf den Parkplatz fährt.

„Für Sie als Tuner wäre es auch eine Gelegenheit, das Elektroauto cooler aussehen zu lassen“, schlug Jan-Lukas Schmitt zu. „Man kann schon was daraus machen“, entgegnete Schauenburg. Allerdings seien Autos mit alternativem Antrieb weitaus teurer als Benziner oder Dieselfahrzeuge, und elektrische Gebrauchtwagen gebe es kaum, merkte der 18-Jährige an. Der Grünen-Kandidat äußerte sich zuversichtlich, dass die Preise für Elektroautos innerhalb der kommenden Jahre sinken.

Der Grünen-Kandidatin für die Bundestagswahl Jan-Lukas Schmitt (rechts) traf beim SÜDKURIER-Format „Blind Date mit dem Kandidaten“ auf den Autotuner Oliver Schauenburg (links) aus Ühlingen-Birkendorf. Redakteur David Rutschmann moderierte das Gespräch.
Der Grünen-Kandidatin für die Bundestagswahl Jan-Lukas Schmitt (rechts) traf beim SÜDKURIER-Format „Blind Date mit dem Kandidaten“ auf den Autotuner Oliver Schauenburg (links) aus Ühlingen-Birkendorf. Redakteur David Rutschmann moderierte das Gespräch. | Bild: Nico Talenta

Auch hinsichtlich der weiter steigenden Kraftstoffpreise sieht Schmitt Elektroautos klar im Vorteil. „Den Strom gibt es subventioniert. Unterm Strich ist das günstiger als Benzin“, erklärte er. „Das ist auch wieder so eine Sache“, hielt ihm Schauenburg entgegen. In seinem Heimatdorf gebe es gerade einmal eine Ladesäule. „Wenn jeder ein Elektroauto fahren würde, wo lädt man dann die Autos?“ Jan-Lukas Schmitt sagte darauf: „Da sind wir auf jeden Fall dran.“ Ohne entsprechende Infrastruktur können man nicht Elektroauto fahren. Der Kandidat erläuterte zudem, welche Subventionsmöglichkeiten es in diesem Bereich gebe.

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Die Grünen drängen auf ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen. Zum Missfallen von Autoliebhabern wie Oliver Schauenburg, die – dort, wo es erlaubt ist – gerne mal das Gaspedal durchtreten. „Es gibt rationale und emotionale Argumente“ für und gegen das Tempolimit, erklärte Schmitt. Die emotionale Seite – der Spaßfaktor beim schnellen Fahren – könne er nachvollziehen, auch wenn er selber nicht hinterm Steuer sitzt. Doch sprechen aus seiner Sicht rationale Gründe für eine Begrenzung: „Ich denke, man ist nicht wirklich früher am Ziel, wenn man auf längeren Strecken schneller als 130 fährt.“ Auch steige die Gefahr von Staus und Unfällen bei höherem Tempo.

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Schmitt ist überzeugt, dass das Tempolimit auch ohne Bundestagsbeschluss kommt. „Weil die Mobilitätswende Richtung Elektroauto geht. Wenn man schneller fährt als 130, schmilzt die Reichweite der Fahrzeuge sofort zusammen.“ Den PS-Fans schlägt er als Alternative für deutsche Autobahnen vor, auf Rennstrecken wie dem Hockenheimring auszuweichen.

Ganz aktuell im Fokus stehen die hohen Spritpreise. Der Kandidat der Grünen verteidigte den Vorstoß seiner Partei, das Benzin schrittweise um 16 Cent zu verteuern. „Wir können es uns nicht erlauben, es nicht teurer zu machen“, erklärte der 26-Jährige mit Blick auf das weltweite Klimaabkommen.

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Da die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland gerade in der Pandemie immer weiter auseinandergehe, sei es wichtig, dass solche Preisteigerungen „nicht die Leute trifft, die eh schon wenig Geld haben“, betonte Schmitt. Ihrem Wahlprogramm zufolge planen die Grünen ein sogenanntes Energiegeld. „Vereinfacht gesagt, funktioniert das so: Pro Kopf bekommt man 80 Euro pro Jahr geschenkt. Das soll die höheren Benzinpreise ausgleichen“, erklärte der Kandidat das Konzept.

„Diese 80 Euro werden nicht viel ausmachen, wenn man im Durchschnitt zwischen 15.000 und 30.000 Kilometer fährt“, hielt ihm Oliver Schauenburg entgegen. „Kommt darauf an, was für ein Auto man fährt“, erwiderte Schmitt. „Man merkt es auch bei einem Auto, das nur vier Liter pro Kilometer verbraucht“, fügte Schauenburg hinzu.

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Die gesamte Diskussion können Sie hier sehen:

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Alle Folgen des SÜDKURIER-Formats „Blind-Date“