Die Vision einer Hochrhein-Autobahn ist gefühlt schon immer da. In den 1960er-Jahren gab es die ersten Pläne für eine Ost-West-Fernstraße entlang der deutsch-Schweizer-Grenze. Doch in vielerlei Hinsicht ist die Hochrhein-Autobahn auch mehr als 50 Jahre später nicht konkret geworden.

So wurden bereits Teilabschnitte gebaut, die auch rege befahren werden. Doch bisher sind die einzelnen Schnellstraßen-Abschnitte mehr ein Flickenteppich als eine vollwertige Autobahn. Nadelöhre wie Schwörstadt, Bad Säckingen und Waldshut warten derweil noch immer auf eine Umfahrung, die ihre Innenstädte vom Durchgangsverkehr entlastet.

„Wir brauchen eine Entlastung dieser Städte. Gegen eine Verkehrsverbesserung wehren wir uns gar nicht. Aber eine Fernstraße ist der falsche Weg“, findet Josef Burghardt-Bergér. Der Kreisvorsitzende des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) steht an diesem sonnigen Vormittag auf einer grünen Ackerfläche unterhalb des Albbrucker Ortsteils Birkingen dem CDU-Abgeordneten Felix Schreiner gegenüber.

Josef Burghardt-Bergér (rechts) hält die Autobahn für den falschen Weg, um den Verkehr am Hochrhein zu entlasten.
Josef Burghardt-Bergér (rechts) hält die Autobahn für den falschen Weg, um den Verkehr am Hochrhein zu entlasten. | Bild: Nico Talenta

Der Verkehrspolitiker will beim Ausbau der Autobahn Tempo machen. Das Thema der Diskussion des SÜDKURIER-“Blind Dates“ kam für ihn anscheinend wenig überraschend, denn er hat einen Archivdokument dabei: „Bereits 1985 hat der Albbrucker Bürgermeister geschrieben, dass wir endlich eine Lösung brauchen. Wenn wir ehrlich miteinander umgehen, ist die letzten Jahre nichts passiert.“

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Er erinnert daran, dass 2018 die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und bau GmbH (Deges) mit der Planung der Autobahn am Hochrhein betraut wurde. „Wir sollten das Verfahren mit der Deges gut begleiten. Aber wir dürfen nicht mehr weiter darüber diskutieren, ob es diese Autobahn braucht, denn das wirft uns zurück“, sagt der CDU-Politiker.

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Genau über das „Ob“ will allerdings Burghard-Bergér reden, denn er glaubt, dass das Hauptproblem damit nicht gelöst werden würde: Dass die Städte vom Ziel- und Quellverkehr befreit werden. Er stellt in Frage, ob denn wirklich die Bewohner der Region auf einer Autobahn fahren würden und nicht schlichtweg der Fernverkehr. Eine Autobahn ziehe hingegen noch mehr Verkehr an.

Der BUND-Vorsitzende wohnt seit 1979 in der Region und hat vom ersten Tag an die Diskussion um die Autobahn miterlebt. Er sieht die Autobahn-Planung als Fehler an, der Ausbau der Bundesstraße mit einer Umfahrung von Waldshut würde einer Entlastung der Region viel mehr dienen. Zudem könnte der Auftrag der Deges geändert werden, so dass sie nicht mehr eine Autobahn plant, sondern eine erweiterte B 34.

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Solche Änderungen lehnt Schreiner ab. Er erinnert daran, dass die A 98 seit 2016 im Bundesverkehrswegeplan stehe – „nur für eine Autobahn erhalten wir Geld. Wenn wir uns jetzt umentscheiden, müssen wir uns wieder hinten anstellen“. Die Bürger müssten also noch länger auf eine Entlastung warten.

Felix Schreiner (links) will, dass die Planung der Autobahn endlich voranschreitet.
Felix Schreiner (links) will, dass die Planung der Autobahn endlich voranschreitet. | Bild: Nico Talenta

Schreiner ist darüber hinaus überzeugt, dass es eine breite Akzeptanz in der Region für das Projekt A 98 gebe – wobei es vielen, wie ihm, nicht schnell genug gehe. „Mein Job als Politiker ist es, Mobilität zu ermöglichen und nicht, sie zu verhindern. Damit das funktioniert, brauchen wir alle – auch die Naturschutzverbände.“

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Bei dem Herzensprojekt scheut sich der Politiker auch nicht, scharf zu schießen: „Ich finde es schwierig, wenn von außen immer wieder Störfeuer kommen.“ Er rechnet fest damit, dass vonseiten der Naturschutzverbände gegen den möglichen Bau einer A 98 geklagt wird. „Es wäre illusorisch zu glauben, dass so ein Projekt realisiert wird, ohne dass ein Gericht am Ende darüber entscheidet.“

„Unser Ziel ist nicht, zu klagen, sondern wir suchen eine gute Lösung“, entgegnet Josef Burghard-Bergér. Er lobt auch die Konsenstrasse, welche die Deges im Bereich zwischen Schwörstadt und Murg vorgestellt hat. „Dort werden Brücken über Naturschutzgebiete gebaut“, sagt er und hält lobend fest, dass für die Planer der Deges das Thema Geld keine Rolle spielt. Letztlich sei es auch in Ordnung, wenn Landschaft für den Straßenbau verloren gehe – „aber dazu müssen die Leute in der Region die Straße auch benutzen“.

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Das Thema Umweltschutz wird auch von SÜDKURIER-Moderatorin Juliane Schlichter zum Ende der Diskussion aufgegriffen. Denn der Ort für das Blind Date, die Obstwiese bei Birkingen, wurde bewusst gewählt: Maisfelder und Obstplantagen müssten dem Straßenbau weichen, wenn die Autobahn in Zukunft in Form einer Bergtrasse entstehen soll.

Hinter den Kulissen des SÜDKURIER Blind Dates: Redakteurin Juliane Schlichter moderierte das Streitgespräch zum Thema A 98.
Hinter den Kulissen des SÜDKURIER Blind Dates: Redakteurin Juliane Schlichter moderierte das Streitgespräch zum Thema A 98. | Bild: David Rutschmann

Schreiner erinnert daran, dass für den Straßenbau auch Ausgleichsflächen geschaffen werden würden, allerdings müsste eine etwaige Trasse auf alle Fälle mit dem Umweltschutz in Einklang gebracht werden. „Für den Umweltschutz ist es allerdings auch nicht gut, wenn man jeden Tag mit laufendem Motor in Waldshut am Ochsenbuckel im Stau steht“, sagt er. Dahingehend sind sich der Politiker und der Naturschützer am Ende auch einig.

Das Video in ganzer Länge

Der CDU-Bundestagesabgeordnete Felix Schreiner und der BUND-Kreisvorsitzende Josef Burghard-Bergér haben in ihrem Gespräch auch über den Schienenverkehr, einen neuen Vorstauraum beim Waldshuter Zollhof, Grenzschließungen und ihr Verständnis der Mobilitätswende gesprochen. Das gesamte Gespräch zwischen den beiden können Sie hier sehen:

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Alle Folgen des SÜDKURIER-Formats „Blind-Date“