Nach dem Fund eines Geschwisterpaars in einer Wohnung in Frick ermittelt die Kantonspolizei nun wegen des Verdachts der vorsätzlichen Tötung. Das erklärte Fiona Strebel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, gegenüber Schweizer Medien. Bisher befände sich aber niemand in Haft. Die Staatsanwaltschaft hat eine Obduktion angeordnet.

Bei den beiden Toten, die am Dienstag gegen fünf Uhr in einer Wohnung aufgefunden worden waren, handelt es sich um einen 25-jährigen Mann und um eine 26-jährige Frau. Die beiden sind Geschwister und lebten mit ihren Eltern zusammen in einer Wohnung.

Die Bestürzung über den Vorfall ist groß. Bekannte und Nachbarn zeigen sich betroffen. Mittlerweile brennen Kerzen vor dem Eingang des Mehrfamilienhauses, Blumen wurden aufgestellt. Zwischen Blumen und Kerzen steht eine Karte, auf der geschrieben steht: „Schockiert, fassungslos, sprachlos – und mit tiefstem nachbarschaftlichem Mitgefühl.“

Eltern befinden sich in psychologischer Betreuung

Weitere polizeiliche Ermittlungen zum Tatgeschehen seien am Laufen. Mit den Ergebnissen könne man frühestens in den nächsten Tagen rechnen. Die Eltern der Verstorbenen wurden nach der Tat aus der Wohnung weggebracht. Gemäß Strebel erhalten sie psychologische Betreuung von einem Care-Team.

Der ehemalige Kriminalkommissar Markus Melzl sagt, dass unmittelbar nach einem derartigen Vorfall, sofern ein Unfall oder Suizid ausgeschlossen wird, man immer von einem Tötungsdelikt spreche. Dies, weil man zunächst aufgrund der fehlenden Ermittlungsergebnisse einen spezifischeren Strafgesetzartikel – etwa fahrlässige oder vorsätzliche Tötung, Totschlag oder Mord – noch nicht rechtlich qualifizieren könne. „Sie weisen alle unterschiedliche Tatbestandsmerkmale auf“, sagt er.

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Nach der Lagebesprechung von Dienstagabend im Fall der toten Geschwister ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen vorsätzlicher Tötung. Damit geht einher, dass die Tötung absichtlich oder mit Eventualvorsatz herbeigeführt wurde. „Der Täter hat zumindest in Kauf genommen, dass die Wahrscheinlichkeit des Todes überwiegt und die Tat trotzdem begangen“, lautet die juristische Einordnung.

Bildung einer Sonderkommission wahrscheinlich

Melzl, der in seiner Karriere in so manchem Tötungsdelikt ermittelt hat, sagt, dass in solchen Fällen Sonderkommissionen gebildet würden. „Wenn wir ein ungeklärtes Tötungsdelikt hatten, haben wir auch Kräfte aus anderen Gruppen, die etwa für Rauschgift oder Einbrüche zuständig waren, losgeeist.“

Denn es sei wichtig, dass man zu Beginn der Ermittlungen „genügend Manpower“ aufbringe. Dort, wo viele Zeugen zu Befragen und Abklärungen zu machen seien, sei es immer ein Rennen gegen die Zeit. Melzl sagt: „Wenn ein Ermittler jemanden Fragen kann, was er gestern gehört hat, ist das besser, als wenn er ihn drei Tage später fragen muss, was er vor vier Tagen gehört hat.“

Schnelligkeit und enger Austausch der Ermittlungsergebnisse

Wichtig sei es, dass es in der Sonderkommission einen Leiter gebe, der den Ermittlern klare Instruktionen gebe. „Es ist nicht wie im Fernsehkrimi, wo jeder das ermittelt, was ihm in den Sinn kommt“, sagt Melzl. Unabdingbar sei, dass sich die Mitglieder der Sonderkommission treffen und ihre Erkenntnisse teilen. Ziel sei es, dass alle über alles Bescheid wissen. „Das kann entscheidend sein, weil so Widersprüche in den Ermittlungen zum Vorschein kommen können, an denen angeknüpft werden kann.“

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Bei den Ermittlungen gehöre es oft dazu, dass man vor Ort auf trauernde und schockierte Angehörige treffe. Es würde diesen ein Netz an psychologischer Hilfe angeboten, sagt Melzl. „Dennoch haben die Ermittlungen bei derartigen Vorfällen Vorrang vor der Behandlung.“

Bei der Befragung, die ins Protokoll aufgenommen wird, versuche man, eine möglichst neutrale Situation zu schaffen. Diese Befragung geschehe nicht etwa am Tatort oder den eigenen vier Wänden, wo man sich emotional verfangen könne. „Man trinkt einen Kaffee und der Ermittler tippt die Aussagen am PC mit“, so Melzl.