Was ist geschehen in dem Mehrfamilienhaus in Frick? Wie sind die beiden Menschen, die dort am Dienstagmorgen aufgefunden wurden, ums Leben gekommen? Diese Fragen beschäftigen die Kantonspolizei Aargau intensiv, doch eine Antwort darauf gibt es bislang nicht.

Bisher gestaltet sich der Sachverhalt demnach so: Um kurz vor 5 Uhr ging bei der Notrufzentrale eine Meldung ein, wonach eine Person nicht mehr reagiere. Vor Ort stellten die Ambulanz sowie eine Patrouille der Kantonspolizei in einer Wohnung den Tod zweier erwachsener Personen fest.

Wie die Polizei mitteilt, handelt es sich um einen 25-jährigen Mann und um eine 26-jährige Frau. Die beiden Personen sind Geschwister. Für sie kam jede Hilfe zu spät, wie die Kantonspolizei in einer Mitteilung schreibt.

Ermittler hüllen sich bisher in Schweigen

Zu den genauen Umständen des Vorfalls gibt es seitens der Kantonspolizei bislang noch keine Auskunft. Auch nicht zur Frage, ob die Geschwister Opfer eines Gewaltverbrechens wurden. Auch zu der Person, die den Notruf absetzte gibt es bislang keine Information

Die Kantonspolizei hat in enger Zusammenarbeit mit der zuständigen Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen. Kapo-Sprecherin Aline Rey stellt weitere Informationen für den heutigen Mittwoch (15. September) in Aussicht. Diese seien abhängig von den Erkenntnissen, die aus den Befragungen, der Spurensicherung und Obduktion gewonnen würden.

Um kurz nach 11 Uhr wurden die beiden Leichen abtransportiert. Die Polizei, die mit einem Großaufgebot vor Ort war, hatte das Areal um das betroffene Gebäude bis zum Mittag weiträumig abgesperrt.

Betroffenheit in der Nachbarschaft ist groß

Große Betroffenheit herrschte gerade auch in der Nachbarschaft. Nachbar Hans-Rudolf Kiener, der im gegenüberliegenden Mehrfamilienhaus wohnt, sagt: „Es erschreckt mich, dass so etwas in der unmittelbaren Nähe passiert.“ Vom Vorfall selbst und dem Polizeieinsatz habe er nichts mitbekommen.

Nicht einmal die beiden Toten habe er näher gekannt. Wie der langjährige Quartierbewohner sagt, kenne man sich in der Nachbarschaft untereinander kaum noch. „Es ist hier eine gewisse Anonymität eingekehrt. Früher war das anders.“

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Genauere Informationen kann dagegen ein anderer Nachbar, Robert Hartmann, beisteuern: Die verstorbenen Geschwister lebten demnach zusammen in einer Wohnung mit ihren Eltern. Er schildert, dass er etwa gegen 4 Uhr den Hund der Familie aus der Wohnung habe bellen hören. Er habe sich nichts dabei gedacht, weil der 25-Jährige, der als Koch in der Kantine eines Forschungsinstitutes arbeitete, oftmals vor fünf Uhr der Arbeit wegen aufgestanden sei. „Ich habe ihn als großen, schüchternen und sehr netten Kerl kennengelernt“, sagt Hartmann. Die ein Jahr ältere Schwester habe er kaum gesehen.

Freundschaftliches Verhältnis zu den Eltern

Vor allem mit den Eltern der beiden Verstorbenen pflege er ein freundschaftliches Verhältnis, wie Hartmann betont: „Ich habe sie sehr ins Herz geschlossen.“ Sie hätten zuweilen auf seine Wohnung und die Katze aufgepasst, manchmal sei man miteinander essen gegangen. Er sagt: “Als ich von dem Vorfall gehört habe, musste ich meinen Arbeitstag abbrechen."

Hartmann ist über den Tod zweier junger Menschen „nur wenige Meter Luftlinie von seinem Bett entfernt“, extrem betroffen: „So was kenne ich allenfalls aus Berlin, aber in dem kleinen Frick – da fehlen mir die Worte. Ich verstehe das einfach nicht“, sagt der gebürtige Deutsche.

Eine weitere Nachbarin, die namentlich nicht genannt werden möchte, die aber angibt, mit der Mutter der beiden Toten häufig zum Wochenmarkt nach Luino an den Lago Maggiore gereist zu sein, bezeichnet diese als herzensguten Menschen. „Wir haben es im Reisebus immer lustig gehabt. Sie ist immer aufgestellt und fröhlich gewesen“, sagt die Frau und schiebt nach: „Wir haben geheult, als wir von der schrecklichen Nachricht erfahren haben.“

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Der Schmerz über den Verlust ist unvorstellbar

Unvorstellbar ist für die Bekannte, wie groß der Schmerz für die Eltern sein müsse, gleichzeitig beide Kinder zu verlieren. „Sie hat sich die Kinder so gewünscht, nach ihnen geschaut, sie zur Schule gebracht und abgeholt“, sagt sie. Die Eltern seien in der Gemeinde gut integriert und beliebt. Gerade die Mutter sei mit vielen befreundet gewesen, habe etwa Spaghetti gekocht und Gäste eingeladen. Sie sagt: „Das ist alles so furchtbar.“ Ihre Gedanken seien nun bei den Eltern der beiden toten Kinder.

Auch bei einem anderen Bekannten ist die Bestürzung groß. “So eine nette Familie", sagt er am Telefon, bevor er in Tränen ausbricht.