Timm Lechler und Esteban Waid

Die Zeit der Tankpreise unter zwei Euro geht bald zu Ende – der sogenannte Tankrabatt läuft aus und damit die steuerliche Unterstützung der Bundesregierung an der Zapfsäule. Das bedeutet auch, dass sich die Spritpreise am Hochrhein wieder auf Schweizer Niveau bewegen werden. Gerade während des Tankrabatts lagen die deutschen Preise für Diesel und Benzin deutlich unter denen der Schweiz. Mit Folgen für die Schweizer Tankstellen.

Vor dem Tankrabatt war es in der Schweiz manchmal günstiger

Noch vor dem Tankrabatt konnte es sich auch für deutsche Autofahrer lohnen, fürs Tanken in die Schweiz zu fahren. Ab September könnte dies am Hochrhein wieder ein Thema werden. Aber was sagen die Schweizer Tankstellen dazu?

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Mineralölkonzern: Auswirkungen in der ganzen Schweiz

„Die Stationen in den Grenzregionen haben die Auswirkungen des Tankrabattes in Deutschland aber auch die Preissenkungen in Italien und Frankreich zu spüren bekommen“, teilt beispielsweise Jane Nüssli von der Shell AG in der Schweiz mit.

Die Auswirkungen seien aber auch in der gesamten Schweiz an den Zapfsäulen zu spüren gewesen, denn auch der Transitverkehr durchs Land habe weniger die dortigen Tankstellen angefahren. Wie sich die Situation in Zukunft, beispielsweise durch das Ende des Tankrabatts am 1. September, verändere, könne sie nicht prognostizieren.

Weniger Sprit in der Grenzregion

Auch bei der in der Schweiz ansässigen Coop Mineralöl AG, die unter anderem Tankstellen in Frick oder Rheinfelden (CH) beliefert, floss weniger Sprit. „In den grenznahen Standorten stellten wir eine Reduktion der Frequenz und damit des Absatzes fest“, gibt Mediensprecherin Sandra Jann an. Ihre Prognose für die kommende Zeit fällt durchaus positiv aus: Sofern die Steuersenkung nicht verlängert würde, gehe man davon aus, dass sich die Situation wieder normalisieren werde.

An der Shell-Tankstelle im Schweizer Stein (AG) ist der Preis gleich wie an Tamoil nur wenige Meter weiter.
An der Shell-Tankstelle im Schweizer Stein (AG) ist der Preis gleich wie an Tamoil nur wenige Meter weiter. | Bild: Esteban Waid

Roland Bilang, Geschäftsführer von Avenergy Schweiz, einer Interessenvertretung der Importeure von flüssigen Brenn- und Treibstoffen, gibt übergeordnet an, dass landesweit der Absatz von Treibstoffen in der Schweiz seit Mai/Juni 2022 gleichbleibend sei. Dafür verantwortlich macht er, ebenso wie die Mineralölkonzerne, die Preisdifferenzen im direkten Ausland.

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Der Verbauch sank in den vergangenen Monaten

So wurden laut einer statistischen Erhebung zum Treibstoffverbrauch von Avenergy Schweiz im April 2022 in der Schweiz 175.000 Tonnen Benzin und 212.000 Tonnen Dieselöl verbraucht. Im Mai stieg der Verbrauch leicht auf 185.000 Tonnen Benzin und 236.000 Tonnen Dieselöl, bevor er im Juni wieder leicht sank: Auf 181.000 Tonnen Benzin und 234.000 Tonnen Dieselöl. Die Daten für den Juli liegen noch nicht vor, laut Bilang stagnierten diese.

Bei einer Zukunftsprognose tut sich der Geschäftsführer der Interessenvertretung schwer. Allerdings sagt er: „Was den Ausblick in die Zukunft anbelangt, sind wir gespannt, wie die deutsche Regierung (...) das Ende des Tankrabatts umsetzen und welche Konsequenzen dies haben wird.“

Der Euro-Franken-Kurs ist auch ein Faktor

Sandra Wahlen, Mediensprecherin des Touring Club Schweiz (TCS), bringt neben den Steuersenkungen noch einen weiteren Faktor an: Das Verhältnis von Euro zu Franken. So verändere sich der Preisunterschied zwischen der Schweiz und den Nachbarländern auch, weil sich der Wechselkurs des Franken zum Euro verändere.

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„Ein günstigerer Euro wirkt sich auf den ganzen Preis, inklusive Mineralölsteuer und Mehrwertsteuer, aus“, sagt sie auf SÜDKURIER-Nachfrage. „Fällt der Kurs des Euro zum Schweizer Franken, wie dies aktuell der Fall ist, wird aus Schweizer Sicht nicht nur der Treibstoff, sondern auch die deutsche Mineralölsteuer und die Mehrwertsteuer günstiger.“ Auch dies scheint also für den Absatzabfall in der Schweiz ein Teil der Erklärung zu sein.

Wird es sich ab September lohnen, in der Schweiz zu tanken?

Durch den Tankrabatt wurde die Energiesteuer bei Benzin rund 35 Cent je Liter (30 Cent Senkung der Energiesteuer plus 5 Cent Ersparnis bei der Mehrwertsteuer) gesenkt. Bei Diesel sind es rund 17 Cent je Liter (14 Cent Senkung der Energiesteuer plus 3 Cent Ersparnis bei der Mehrwertsteuer). Im Schnitt kostet der Liter Benzin (E5) am Dienstagabend gegen 20.30 Uhr rund um Waldshut, 30. August, um 1,90 Euro. Im schweizerischen Koblenz 2,09 Schweizer Franken, Diesel kostet in der Schweiz 2,32 Schweizer Franken, in Deutschland rund 2,16 Euro. Mit Wegfall des Tankrabatts könnte sich demnach bei einem Kurs von fast 1:1 das Tanken von Benzin auf der anderen Rheinseite wieder lohnen.

Am Dienstagabend kostet der Liter Diesel in der Schweiz 2,32 Schweizer Franken, der Liter Benzin 2,09 CHF.
Am Dienstagabend kostet der Liter Diesel in der Schweiz 2,32 Schweizer Franken, der Liter Benzin 2,09 CHF. | Bild: Duygu-D'Souza, Susann
In Waldshut kostete am Dienstagabend der Liter Diesel 2,16 Euro und der Liter Benzin 1,91 Euro. Noch sind beide Kraftstoffe in ...
In Waldshut kostete am Dienstagabend der Liter Diesel 2,16 Euro und der Liter Benzin 1,91 Euro. Noch sind beide Kraftstoffe in Deutschland günstiger als in der Schweiz, doch mit dem Wegfall des Tankrabatts könnte sich das ändern. | Bild: Duygu-D'Souza, Susann

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