"Danke, dass Sie sich in die Höhle der Löwen getraut haben", sagte Schreiner an die Vertreter der Deutschen Bahn gewandt, die die Möglichkeit nutzten, die Pannen auf der Bahnstrecke zu erklären. Der Bundestagsabgeordnete hatte seine Begrüßungsworte nicht unbedacht gewählt, schließlich erreichen ihn täglich Anrufe, E-Mails und Briefe von verärgerten Fahrgästen.

Welche konkreten Beschwerden wurden beim Schienengipfel laut?

"Das sind Viehtransporte", beschrieb Bettina Schöttle, die seit sechs Jahren regelmäßig an Wochenenden mit dem IRE Basel-Ulm unterwegs ist, die Züge. Sie forderte neben dem Einsatz von einem zweiten Wagen am Wochenende einen Ansprechpartner im Zug. "Es sind keine Kontrolleure da", sagte sie. Silke Vetter, Mitarbeiterin bei einem großen Pharma-Unternehmen in Grenzach-Wyhlen, pendelte sieben Jahren mit der Bahn, bevor sie vor vier Wochen aufs Auto umstieg. "Das ist alles nicht mehr hinnehmbar", machte sie ihrem Ärger Luft. Hans Peter Seibold, Niederlassungsleiter der Südbadenbus GmbH in Waldshut, pendelt seit 22 Jahren von Radolfzell nach Waldshut. "Die Fahrgastinformation ist mangelhaft und die App ist total überlastet", kritisierte er.

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Wie reagiert die Deutsche Bahn auf die Kritik?

"Wir sind ganz und gar nicht zufrieden, wie das hier gelaufen ist", räumte David Weltzien, Vorsitzender der Regionalleitung der DB Regio, ein. "Das Fahrzeug ist eine Herausforderung", sagte er über den Triebwagen VT 612 und zählte die Schäden daran auf. Unter anderem sprach er von Asbest in den Seitenwänden und maroden Kabeln. "Das ist wie bei einer Altbausanierung. Wenn man ein Loch gräbt, stößt man aufs nächste Problem", sagte Weltzien. Weil die Störanfälligkeit an den Zügen behoben werden muss, "fehlen uns an guten Tagen vier Fahrzeuge und an schlechten zehn", so der DB-Regionalleiter.

Welche Verbesserungen verspricht die Deutsche Bahn?

Um die Situation auf der Hochrheinstrecke zu entschärfen, soll bis zum Ende der Sommerferien ein Fahrzeug aus dem Raum Stuttgart abgezogen und am Hochrhein eingesetzt werden. Ein Fahrzeug vom Typ VT 641 wird morgens um 6.39 Uhr Waldshut verlassen und um 7.12 Uhr in Schaffhausen ankommen. Ab 10. September kündigt die Bahn außerdem den Einsatz von drei bis vier zusätzlichen Triebwagen VT 612 auf der IRE-Linie Ulm-Basel an. Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember sollen laut Weltzien weitere Fahrzeuge fahren.

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Was sagt das Verkehrsministerium in Stuttgart?

"Die Situation ist so betrüblich, dass ich als Vertreter des Landes Geld in die Hand nehmen würde, wenn es eine Alternative zu den Triebwagen VT 612 gäbe", sagte Uwe Lahl, Ministerialdirektor im Ministerium für Verkehr in Stuttgart, und fragte die Vertreter der Bahn nach einer anderen Option. "Ich glaube nicht an eine Alternative. Die VT 612 werden am Hochrhein noch mehrere Jahre fahren", erteilte Sven Hantel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn in Baden-Württemberg, Lahls Angebot eine Absage.

Was sagen die Politiker vor Ort?

"Wenn wir kommunal so arbeiten würden wie die Bahn, würden das die Bürger nicht mitmachen", ist der Bad Säckinger Bürgermeister Alexander Guhl überzeugt. Paul Renz, CDU-Kreisrat in Lörrach, merkte an, dass er Klagen wie von der Hochrheinstrecke von der Wiesentalstrecke Basel-Zell, die von der Schweizer Gesellschaft SBB betrieben wird, nicht hören würde.

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Konkrete Vorschläge

Lothar Probst vom Landratsamt Waldshut, zuständig für den Nahverkehr im Landkreis, brachte ganz konkrete Vorschläge beim Schienengipfel auf den Tisch:

  • Die Bahn sollte einen persönlichen Ansprechpartner mit Namen und Kontaktdaten benennen. "Weil die Leute dort niemanden erreichen, wenden sie sich mit Beschwerden an den WTV und das Landratsamt", so Probst.
  • Die Bahn sollte bei Ausfällen und Verspätungen den Fahrgästen eine großzügige Entschädigung zahlen. Probst wandte sich mit einem Vergleich an die Bahn-Vertreter: "Gehen Sie mal in ein Geschäft und bringen Sie ein löchriges Hemd zurück."
  • Lothar Probst forderte ein weiteres Reservefahrzeug von der Bahn, das beispielsweise in Singen stehen könnte. "Wir sind das Ende der Bahnlinie und sind immer die Gebeutelten", so Probst.
  • Ein Zugeständnis machte Sven Hantel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn in Baden-Württemberg: Er schlug vor, dass die Teilnehmer des Schienengipfels sich Mitte Oktober wieder zu einem Nachfolgetermin treffen.

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