In den Zügen und an Bahnhöfen in Baden-Württemberg hat die Zahl der Straftaten in den vergangenen Monaten zugenommen. So gab es in den Zügen im ersten Halbjahr 2018 insgesamt 7713 Delikte - darunter Sachbeschädigungen, Körperverletzungen und Diebstähle. Das ist im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2017, als 6716 Fälle gemeldet wurden, eine Steigerung um knapp 15 Prozent. Dies erklärte die für den Südwesten zuständige Bundespolizeidirektion Stuttgart.

Gewerkschaft beklagt niedrige Hemmschwelle

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG, die bundesweit über 195.000 Mitglieder hat, zeigt sich besorgt über diese Entwicklung – vor allem mit Blick auf Zugbegleiter und Lokführer. „Das Aggressionspotenzial hat zugenommen, die Hemmschwelle nimmt immer mehr ab.

Kommt ein Zug zu spät oder ist ein Gast mit dem Service unzufrieden, werden Zugbegleiter oder Lokführer schon mal schnell mit Bier oder Kaffee begossen. Das kommt übrigens genauso in der ersten Klasse vor“, sagt EVG-Sprecher Uwe Reitz.

Polizei: Häufige Straftaten auch an Bahnhöfen

Das Problem sei, dass die Vorgesetzten die Meldungen des Personals oft nicht ernst nehmen würden. „Sie wollen keinen Ärger haben. Daher ist davon auszugehen, dass viele Delikte nicht gemeldet werden“, so Reitz. Er verweist auf eine Hotline für Bahnmitarbeiter, die Opfer von Gewalttaten wurden. „Hier können sich Betroffene über das weitere Vorgehen beraten lassen. Das Angebot wird gut angenommen.“

Laut Bundespolizei kommt es nicht nur in Zügen, sondern auch an Bahnhöfen im Südwesten immer häufiger zu Straftaten. So gab es hier im ersten Halbjahr 2018 insgesamt 8252 Delikte. Im zweiten Halbjahr 2017 waren es noch 7594, also knapp neun Prozent weniger. Zwischen Januar und Juni 2017 gab es 7811 Fälle.

Gewerkschaft fordert mehr Sicherheitspersonal in Zügen

Unter den Delikten kommt es in den Bahnhöfen am häufigsten zu Sachbeschädigungen. Alleine für den Zeitraum von Januar bis Juni 2018 meldet die Bundespolizei 2384 Fälle – knapp 900 mehr als im zweiten Halbjahr 2017. Die Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz sind zwar rückläufig, machen aber mit zuletzt 1859 Verstößen immer noch einen erheblichen Anteil aus. Etwas zurückgegangen in Bahnhöfen ist auch die Zahl der Körperverletzungen mit 639 Fällen (zweites Halbjahr 2017: 701) und der Diebstähle mit 987 Delikten (zweites Halbjahr 2017: 1007).

Laut einer Sprecherin der Deutschen Bahn sind in den Zügen in Baden-Württemberg „200 Sicherheitskräfte von uns rund um die Uhr unterwegs“. Für Reitz reicht das nicht. Er fordert, dass auch in der Fläche „in jedem Zug ein Zugbegleiter der DB Sicherheit dabei ist“.

Hohe Belastung von Bahn-Mitarbeitern bei Großveranstaltungen

Für Thomas Dörflinger, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, sorgt die Zunahme der Straftaten in Zügen und Bahnhöfen auch dafür, „dass es immer schwieriger wird, neues Personal zu gewinnen“. Schon jetzt würden sich wegen der hohen Belastung etliche Mitarbeiter kurz vor Beginn großer Veranstaltungen wie dem Cannstatter Volksfest in Stuttgart vorsorglich krankmelden.

„Sie wissen, dass sie es wieder mit vielen alkoholisierten und gewaltbereiten Fahrgästen zu tun bekommen. Dieser Belastung wollen sie sich nicht aussetzen“, so der CDU-Politiker Dörflinger.

Insgesamt ist in Baden-Württemberg im Aufgabenbereich der Bundespolizei, zu dem neben den Zügen und Bahnhöfen unter anderem auch der Grenzschutz sowie die Flughäfen gehören, die Zahl der Straftaten relativ konstant.

Mit Material von dpa

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