Einen „Regelbetrieb„ erleben die Grundschüler laut Corona-Verordnung seit dem 29. Juni wieder. Doch ist es wirklich schon ein „Regelbetrieb„ oder eher ein Betrieb mit „neuen Regeln“? Wir besuchten die Weihermatten-Grundschule in Bad Säckingen und wollten wissen, wie dort nun der Unterricht abläuft. Auch über die Herausforderungen im Corona-Lockdown sprachen wir mit Rektorin Sonja Birkle.

Die Fahrradständer vor den Schulen – hier vor der Weihermatten-Grundschule – sind nun wieder voll. Die Grundschüler haben alle wieder Unterricht.
Die Fahrradständer vor den Schulen – hier vor der Weihermatten-Grundschule – sind nun wieder voll. Die Grundschüler haben alle wieder Unterricht. | Bild: Verena Wehrle

Morgens an der Weihermatten-Grundschule in Bad Säckingen: Die Klassenlehrerin der 1 b steht mit ihren Schülern in der einen Ecke des Schulhofs, die Klasse 4 a in einer ganz anderen Ecke. Jedem Schüler werden die Hände desinfiziert. Regelbetrieb? Zwar gehen hier nun wieder alle 320 Schüler an jedem Wochentag in den Unterricht, doch so wie gewohnt ist es nicht. Denn auf dem Schulgelände sieht und spürt man noch viel von Corona. Immerhin ist die Pandemie noch nicht vorbei.

Noch keine Normalität

Es ist ein „neuer“ Regelbetrieb mit klaren Regeln, aber ohne „Normalität“: Vor dem Unterricht trifft sich jede Klasse auf ihrem Treffpunkt auf dem Schulhof. Nach der Desinfektion betritt jede Klasse einzeln das Schulgebäude. Der Vorteil: Die Schule hat einen sehr großen Schulhof und drei Eingänge.

Vor dem Eingang der Weihermattenschule ist klar gekennzeichnet, wo es rein und raus geht.
Vor dem Eingang der Weihermattenschule ist klar gekennzeichnet, wo es rein und raus geht. | Bild: Verena Wehrle

Dann mischen sich die Klassen für den Rest des Schultages nicht mehr. „Jede Klasse hat zu einem anderen Zeitpunkt Pause“, erklärt Schulleiterin Sonja Birkle. Seit dem 29. Juni neu ist, dass die Schüler selbst keinen Abstand mehr zueinander halten müssen. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist ihnen selbst überlassen. „Bei uns wird jede Klasse von maximal zwei Lehrkräften betreut“, erklärt Birkle das neue Konzept. Den nun mittlerweile dritten Stundenplan in diesem Schuljahr zu organisieren, sei eine „Riesenplanung“ gewesen. Für den „Schulstart“ nach dem rollierenden System habe der Hausmeister wieder alle Klassenzimmer bestuhlen und die Abstands-Markierungen entfernen müssen.

Pfeile auf dem Boden zeigen die Laufrichtung an, damit sich Schüler auf dem Flur nicht anrempeln.
Pfeile auf dem Boden zeigen die Laufrichtung an, damit sich Schüler auf dem Flur nicht anrempeln. | Bild: Verena Wehrle

Ein neues Wegesystem mit Pfeilen wurde im gesamten Schulhaus auf die Böden geklebt. Die Kinder dürfen nur in eine Richtung laufen. Manche Bereiche, wie etwa der im Eingang, sind abgesperrt, denn die Schüler dürfen sich nicht sammeln. Die Kernzeit- und die Hort-Betreuung werden klassenweise getrennt.

Wie läuft der Unterricht ab?

Die Stundenanzahl entspreche nahezu derer vor der Corona-Zeit, erklärt Birkle. „Wir haben noch Klassenlehrer-Stunden dazu gepackt“, so die Rektorin. Viele Schulen dürften aktuell kein Religionsunterricht geben, die Weihermatten-Grundschule schon. Denn: „Wir haben kirchliche Religionslehrer, die nur an unserer Schule unterrichten“, sagt Birkle. Der Unterricht von Lehrkräften an mehreren Schulen sei derzeit nicht erlaubt. Sport und Musik steht aktuell nicht auf dem Stundenplan, denn diese Fächer sind laut Corona-Verordnung untersagt. „Wahrscheinlich verbreiten sich beim Singen und Bewegen die Aerosole stärker“, vermutet Birkle. Benotet werden die Schüler übrigens dennoch, die Zeit des Unterrichts zuhause fließe jedoch nicht in die Bewertung mit ein, informiert die Rektorin. Jedoch würden die Lehrer daraus Rückschlüsse für die weitere Förderung der Schüler ziehen.

Wie steht es um das Lehrpersonal?

An der Weihermattenschule fehle aktuell tatsächlich nur eine Lehrkraft. Auch im Corona-Lockdown wollten alle 22 Lehrer – auch diejenigen über 60 – unterrichten, sagt Birkle. „Wir sind alle froh, dass wir unsere Schüler wieder sehen“, erzählt sie.

Was passiert bei einem Corona-Fall?

„Wir als Schule können sagten, dass wenn ein Kind sich mit dem Corona-Virus ansteckt, wir die Ansteckung mit unserem Konzept ganz gut nachverfolgen können“, so Birkle.

Wie war die Schul-Schließung für Schüler und Lehrer?

„Für die Erstklässler war die Zeit besonders hart“, erzählt die Schulleiterin. Mit einer intensiven Betreuung habe man frühzeitig versucht anzufangen, gerade bei jenen Kindern, die zuhause keine Unterstützung erfuhren oder es auch schon zuvor schwierig hatten. Teilweise kamen diese in die Notbetreuung, teilweise hielten die Lehrer täglich Kontakt zu ihnen. Dabei handle es sich um Einzelfälle, so Birkle. „Bei einem Großteil lief es gut, da muss ich die Eltern auch bewundern“, so Birkle.

„Wir ziehen alle an einem Strang“ – dieses Motto der Weihermatten-Grundschule hat vor allem in der Corona-Zeit an Bedeutung gewonnen.
„Wir ziehen alle an einem Strang“ – dieses Motto der Weihermatten-Grundschule hat vor allem in der Corona-Zeit an Bedeutung gewonnen. | Bild: Verena Wehrle

„Für alle Beteiligten Hut ab, das war eine besondere Situation, auf die uns keiner vorbereitet hat“, lobt die Schulleiterin. Und sie erzählt auch von einer nie da gewesenen Motivation der Schüler, die nun da ist: „Sie haben eine große Freude in der Schule zu sein und ihre Freunde wieder zu sehen und dieser Halt in der Schule ist für viele Kinder wichtig.“

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