Wie steht es aktuell mit dem Tourismus?

Hier gibt es nichts schön zu reden: Der Fremdenverkehr infolge der massiven Corona-Beschränkungen seit Monaten brach. Wie Bürgermeister Guhl darstellte, habe die Stadt aus diesem Grunde die Erhebung der Kurtaxe ausgesetzt – ganz bewusst, wie er sagt: „Wir haben ja auch keine Gegenleistung geboten.“

Schließlich sind Hotels, Gastronomie, Attraktionen und Ferienwohnungen seit Monaten geschlossen. Und zumindest bei Einrichtungen wie dem Gloria-Theater und der Aqualon-Therme sei noch nicht absehbar, wann diese wieder öffnen dürfen. Die Folge: Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet Bad Säckingen in diesem Bereich satte 80.000 Euro Mindereinnahmen.

Wie schätzt die Stadt die Perspektiven ein?

„Wir hoffen, dass wir als Ferienwelt Südschwarzwald und vor allem als Marke Trompeterstadt Bad Säckingen davon profitieren können, dass Urlaubsreisen ins Ausland aktuell noch erschwert sind“, sagt Guhl.

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Die Chancen stünden nicht schlecht, denn das Tourismus- und Kulturamt habe einerseits eigenständig, aber auch im Verbund mit den anderen Ferienwelt-Gemeinden in den vergangenen Monaten ordentlich die Werbetrommel gerührt.

Gerade auch den sozialen Medien habe man dabei ein besonderes Augenmerk gewidmet, so Ays. Auf Basis von Anfragen und Resonanz schätzt Ays die Chancen als gut ein, dass die Erwartungen aufgehen.

Wie geht es konkret weiter?

„Das Schwierige in der jetzigen Situation ist, dass man keine Prognosen geben kann, weil sich die Faktoren permanent ändern“, schildert Thomas Ays. Nachdem etliche Pläne wieder kassiert werden mussten, habe sich die Stadt dazu entschlossen, generell auf Sicht zu fahren und gegebenenfalls spontan zu reagieren, so Ays weiter.

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Stand jetzt sollte sich die Situation in den nächsten Tagen und Wochen aber ganz allmählich wieder normalisieren. Ab Montag werden Restaurants, der Reisemobilstellplatz und die Ferienwohnungen wieder eröffnet. Ende Mai sollen auch die Hotels folgen. Die Zahl der Anfragen von Interessenten stimmen die Verantwortlichen durchaus zuversichtlich, so Ays.

Noch völlig offen ist derweil, was aus dem Kulturprogramm wird. Für September sind neue Spielzeiten der Kammermusikabende und der Kultur im Kursaal geplant, auch Nachholtermine für die Stadtgeschichten und den Poetry-Slam soll es dann geben. „Wir wollen an dieser Planung bis auf Weiteres festhalten und hoffen, dass wir es mit entsprechenden Hygienekonzepten umsetzen können.“

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Tourismusbilanz: Rückblick und Ausblick

  • Übernachtungen und Ankünfte: Leichte Rückgänge verzeichnet die Stadt in beiden Bereichen, wobei die Hotels dabei am stärksten betroffen waren, so Thomas Ays: „Hier gab es in einzelnen Häusern Rückgänge von bis zu 30 Prozent.“ Dies sei nicht zuletzt auf das schwächelnde Messe-Wesen in Basel zurückzuführen. Dagegen sieht es bei den Kliniken durchaus positiv aus. Diese legten bei den Übernachtungen insgesamt etwa 0,9 Prozent zu. Deutlich angestiegen ist auch die Nachfrage bei privaten Ferienwohnungen: Hier gab es mit 3369 Ankünften ein Plus von 16,6 Prozent zu verzeichnen. Die Zahl der Übernachtungen stieg auf mehr als 24600.
  • Führungen: Duchaus zufriedenstellend fällt auch hier die Bilanz aus. Die Zahl der öffentlichen Führungen blieb konstant hoch, die Nachfrage nach privaten Führungen ging dagegen erheblich zurück. Eine Ausnahme stellen dabei die musikalischen Führungen von Melanie Bächle als Trompeterin dar. Aktuell suche das Tourismus- und Kulturamt nach neuen Formen von Stadtführungen und auch neuen Stadtführern, so Ays.
  • Ferienwelt Südschwarzwald: Die Kooperation im Verbund, an dem die meisten Gemeinden des Landkreises Waldshut beteiligt sind, zahle sich aus und nehme immer mehr Fahrt auf, sagen Thomas Ays und Bürgermeister Guhl. Kein Wunder: „Eine derart facettenreiche Urlaubsregion, die die Höhenlagen des Schwarzwalds und das malerische Rheintal umfasst, ist deutschlandweit einmalig.“ Mit diesem Pfund hätten die Ferienwelt-Gemeinden viel zu lange nicht genügend gewuchert. Doch es gehe zwischenzeitlich in die richtige Richtung: Nach Erstellung eines gemeinsamen Logos sei ein gemeinsamer Imagefilm in Vorbereitung, der im Sommer realisiert wird. Auch gemeinsame Messeauftritte erfreuen sich großer Erfolge, so Ays. Beim gemeinsamen Auftritt der Ferienwelt bei der CMT, der letzten Messe vor der Corona-Pandemie, seien den Mitarbeitern am Stand die Werbebroschüren förmlich aus den Händen gerissen worden, so Ays.
  • Die Marke Trompeterstadt: Der Blick auf den eigenen Erfolg soll bei aller Zusammenarbeit nicht vernachlässigt werden. Hier ist das Tourismus- und Kulturamt auf verschiedenen Kanälen in Print und Online unterwegs und verzeichnet wachsende Follower-Zahlen. Die Corona-Flaute wurde genutzt, um die Tourist-Information attraktiver zu gestalten. Die aktuelle Lage sehen die Verantwortlichen durchaus auch als Chance, denn es sei damit zu rechnen, dass noch mehr Menschen ihren Urlaub um eigenen Land verbringen, so Guhl. Auch mit einer Zunahme von Auto- und Wohnmobilreisen sei zu rechnen. Hier könne Bad Säckingen mit seinem Angebot durchaus profitieren. Gleichwohl seien verschiedene Faktoren noch nicht kalkulierbar, etwa wann Busreisen wieder erlaubt werden.
Markus Baier

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