Schülervorspiele, Instrumentenvorstellungen, Frühjahrs- und Adventskonzerte, Ausscheide für den Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“, Dozentenkonzerte, Big-Band-Auftritte beim Jazzfest „Tiengener Sommer“ und vieles mehr: Normalerweise ist der Kalender der Musikschule Südschwarzwald mit ihrem Hauptsitz in der Tiengener Breitestraße prall gefüllt. „Zuletzt hatten wir vor Corona bis zu 220 Veranstaltungen pro Jahr – 2021 noch keine einzige“, erzählt der stellvertretende Schulleiter und Trompetenlehrer Eckhard Kopetzki.

Die Pandemie hat auch an der öffentlichen Einrichtung, die 1978 vom Landkreis Waldshut und der Stadt Waldshut-Tiengen als Zweckverband gegründet wurde, den Ablauf auf den Kopf gestellt. Nach einer Phase des Präsenzunterrichts ab dem Beginn des Schuljahres im September bis kurz vor Weihnachten findet der Instrumental- und Gesangsunterricht wieder online statt. Dies klappe bis auf gelegentliche Internet-Aussetzer im Großen und Ganzen gut, wie Schulleiter und Klavierlehrer Werner Hilpert im Gespräch mit dieser Zeitung berichtet. „Aber manchen Schülern und Lehrern fehlt schon der persönliche Kontakt“, fügt er hinzu.

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Als Herausforderung in Corona-Zeiten nennt Hilpert die Kommunikation zwischen Lehrern, Sekretariat, Schülern und Eltern. „Unsere Musikschul-App hat vieles erleichtert“, sagt der Schulleiter über die digitale Anwendung, die inzwischen bereits mehr als 1400 Nutzer zähle. „Die App ist eine ganz tolle Sache“, zeigt sich auch Kopetzki begeistert. So können die Nutzer nicht nur ihre Unterrichtstermine in einem Kalender übersichtlich verwalten, sondern innerhalb der App einen virtuellen Unterrichtsraum betreten. Ein zusätzliches Programm für Videokonferenzen entfalle damit. „Und wir können in der App alle Eltern zielgerichtet und schnell über aktuelle Änderungen der Corona-Verordnung informieren“, nennt Hilpert einen weiteren Vorteil.

Beim Pressegespräch sieht sich Schulleiter Werner Hilpert selbst auf dem Computerbildschirm. Sobald sein Klavierunterricht beginnt, kann er über das Internet seinen Schülern Anweisungen geben.
Beim Pressegespräch sieht sich Schulleiter Werner Hilpert selbst auf dem Computerbildschirm. Sobald sein Klavierunterricht beginnt, kann er über das Internet seinen Schülern Anweisungen geben. | Bild: Juliane Schlichter

Derzeit sei es so, berichten die beiden Musikpädagogen, dass die Musikschule bei einem Corona-Inzidenzwert von unter 100 Präsenzunterricht anbieten dürfte. Auch könnten dafür wieder Räume in den Schulen des Landkreises genutzt werden. Im vergangenen Sommer war dies den Musikschulen laut einer Landesverordnung untersagt. Da der Inzidenzwert seit einiger Zeit alle paar Tage mal über, mal unter der kritischen Marke liegt, setze die Einrichtung vorerst dauerhaft auf Online-Unterricht.

„Aber nicht alles kann als Online-Unterricht stattfinden“, betont Werner Hilpert und nennt als Beispiel die sogenannten Kooperationsklassen, bei denen die Musikschule mit Schulen und Kindergärten zusammenarbeitet. Diese finden zum Teil in Präsenz statt. „Die einen machen es, die anderen nicht“, fügt Eckhard Kopetzki hinzu.

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Nicht nur der Unterricht an der Musikschule, auch musikalische Auftritte sind ins Internet gewandert. „In den Sommerferien hatten wir unser letztes Vorspiel – eine Freiluftveranstaltung mit Hygienekonzept. Und dann sind wir umgestiegen auf die erste Online-Veranstaltung – ein Konzert für die Bewohner eines Seniorenheims in Bonndorf“, erinnert sich Kopetzki.

Für das Video, das zeitlich begrenzt auf dem YouTube-Kanal der Musikschule zu sehen und zu hören war, wurden einzelne Aufnahmen von Schülern beim Musizieren zusammengeschnitten. Zu den weiteren Online-Formaten, die die Schule auf ihrer Webseite sowie auf ihren YouTube- und Facebook-Kanälen präsentiert beziehungsweise veröffentlicht hat, zählen ein musikalischer Adventskalender und zuletzt die Aktion „Mein Lieblingslied“, bei der Schüler ihre Favoriten spielen.

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Aktuell produziert die Einrichtung ein Video, „das den Querschnitt der ganzen Musikschule darstellen soll“, erklärt der Schulleiter. Der Posaunenlehrer Christian Steinlein hat dafür den Jazzstandard „C Jam Blues“ von Duke Ellington aus dem Jahr 1942 so arrangiert, dass das Stück mit sämtlichen Instrumenten, die die Musikschule anbietet, interpretiert werden kann.

„Wir haben schon 208 Einsendungen von Schülern und Lehrern“, freut sich Eckhard Kopetzki auf das fertige Video, bei dessen Produktion die Musikschule von der früheren Schülerin Eve Lelonek unterstützt wird, die derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr an der Einrichtung macht. Der Beitrag soll rechtzeitig zum Infotag der Musikschule am 8. Mai fertig sein, der wegen Corona ebenfalls digital stattfindet. Bei der Veranstaltung können sich Kinder, Jugendliche und Eltern über das Angebot informieren und sich bei Interesse anschließend für das neue Schuljahr anmelden.

Einen leichten Rückgang der Schülerzahlen habe die Schulleitung zu Beginn des aktuellen Schuljahres zwar verzeichnet, doch „ich hatte den Eindruck, dass die Eltern froh waren, dass es während des Lockdowns den Musikunterricht gab und die Kinder eine sinnvolle Beschäftigung hatten“, erklärt Werner Hilpert. Derzeit werden rund 1500 Schüler von 60 Lehrkräften unterrichtet.

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