Zum zweiten Mal in Folge muss Waldshut auf eine gewohnte Chilbi mit Bocktaufe, Rummelplatz, Heimatabend und Trachtenumzug verzichten. „Wir waren guter Hoffnung, dass es eine einmalige Sache war“, sagt Oberschützenmeister Christoph Wassmer von der Schützengesellschaft Waldshut beim Pressegespräch rückblickend über die Corona-Einschränkungen, die 2020 das Heimatfest auf ein Minimalprogramm beschränkt hatten.

Auch in diesem August führt die Pandemie bei der 553. Chilbi Regie. Dennoch stürzen sich die Waldshuter Traditionsvereine als Träger des Heimatfests mit Eifer in die Vorbereitungen. Marc Jacobshagen, Zunftmeister der Junggesellen, kündigt an: „Wir möchten mehr machen als 2020.“

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Auftakt für das Chilbi-Wochenende ist am Samstagabend, 14. August, mit der Totenehrung beim Kriegerdenkmal in der Bismarckstraße. Die Stadtjahrzeit, bei der die Junggesellen jedes Jahr an den glücklichen Ausgang der Belagerung der Stadt durch die Schweizer Eidgenossen erinnern, findet anschließend wie im Vorjahr mit einem Freiluftgottesdienst auf dem Johannisplatz statt. Am Sonntag, 15. August, steht erneut die Chilbi-Verlosung auf dem Schulhof des Hochrhein-Gymnasiums auf dem Programm.

Statt eines Bockes erwartet den Gewinner, der traditionell durch das Abbrennen einer Schnur über einer Kerze ermittelt wird, ein Kunstwerk. Den Namen des Künstlers wollen die Junggesellen zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben. Der Erlös der Chilbi-Lose ist laut Zunftmeister Marc Jacobshagen wieder für einen karitativen Zweck bestimmt, den der Gewinner im Vorfeld festlegt.

„Die Verlosung füllt nicht den ganzen Tag“, ist sich Jacobshagen bewusst. Deshalb haben sich die Junggesellenschaft und die Vereinigung Alt Waldshut, die gemeinsam den Chilbi-Sonntag organisieren, weitere Programmpunkte ausgedacht. Auf dem Schulhof werden die Stadtmusik Waldshut und der Musikzug St. Florian auf einer Bühne kleine Konzerte geben. Zudem wird die Jugend von Alt Waldshut Tänze aufführen. „Damit kommt Chilbi-Feeling auf“, verspricht der Zunftmeister.

Freuen sich auf die kleine Chilbi-Version (von links): Simone Kuttruff, Christoph Wassmer, Henrik Dambach, Marion Maier, Marc Jacobshagen, Simone Hofmann, Kerstin Simon, Florian Schwald und Tobias Bartelmess auf dem Schulhof des Waldshuter Hochrhein-Gymnasiums, wo der Chilbi-Sonntag unter anderem gefeiert werden soll.
Freuen sich auf die kleine Chilbi-Version (von links): Simone Kuttruff, Christoph Wassmer, Henrik Dambach, Marion Maier, Marc Jacobshagen, Simone Hofmann, Kerstin Simon, Florian Schwald und Tobias Bartelmess auf dem Schulhof des Waldshuter Hochrhein-Gymnasiums, wo der Chilbi-Sonntag unter anderem gefeiert werden soll. | Bild: Juliane Schlichter

Verschiedene Vereine wollen darüber hinaus Unterhaltung für die ganze Familie im Stadtpark bei der evangelischen Versöhnungskirche bieten. „Kinder bekommen dort eine Chilbi-Tüte mit Überraschungen“, kündigt Marc Jacobshagen an. Wie viele Besucher am Chilbi-Sonntag zugelassen sind, sei noch offen. „Ein Hygienekonzept wird derzeit ausgearbeitet. Dieses müssen wir der Stadt und dem Gesundheitsamt vorlegen“, erklärt der Zunftmeister der Junggesellen. Für die Kontaktverfolgung nutzen die Organisatoren die Luca-App sowie Zettel am Eingang zum Schulhof. „Wir bitten um vorherige Anmeldung. Aber wer sich spontan entscheidet, kann auch so kommen“, erklärt Jacobshagen.

Zwar sind momentan die 3Gs (geimpft, genesen, getestet) nicht für den Außenbereich vorgeschrieben. Sollte sich die Corona-Verordnung jedoch kurzfristig ändern, wollen die Organisatoren vorbereitet sein: „Wir sind in Gesprächen mit Apotheken, ob sie einen Teststand vor Ort anbieten“, erzählt der Zunftmeister. Für den Fall, dass es an der Veranstaltung regnet, habe die Stadtverwaltung als Ausweichort die Stadthalle Waldshut angeboten. „Der Chilbi-Sonntag findet definitiv statt“, betont Marc Jacobshagen.

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Dass die Chilbi wiederholt nicht als fünftägige Großveranstaltung über die Bühne gehen kann, bezeichnet Christoph Wassmer als „großen Bruch in der Tradition“. Für seine Schützengesellschaft, aber auch alle anderen teilnehmenden Vereine bedeute die Fast-Absage finanzielle Verluste durch fehlende Einnahmen. Besonders prekär sei die Lage für die Schausteller, die normalerweise mit ihren Karussells und Buden für Unterhaltung auf dem Festplatz sorgen. „Jeder fünfte Betrieb hat inzwischen aufgegeben“, zeigt sich der Oberschützenmeister sorgenvoll.

Die Stadtmusik Waldshut hat ihrem Vorsitzenden Henrik Dambach zufolge erst vor kurzem wieder mit den Proben begonnen. „Wir haben uns dennoch entschieden, am Chilbi-Sonntag ein kleines Konzert zu geben“, erklärt Dambach. Marion Maier, Vorsitzende von Alt Waldshut, sieht in der Corona-Krise auch Positives. „Erstmals planen wir eine Chilbi-Veranstaltung gemeinsam mit den Junggesellen. Das macht viel Spaß“, freut sie sich. Als Sprecherin des Bürgertheaters bedauert sie, dass „wir das Drehbuch für den Heimatabend ein weiteres Jahr schieben müssen“.

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Kulturamtsleiterin Kerstin Simon erklärt im Pressegespräch, dass die Stadtverwaltung für die Chilbi „ermöglicht hat, was im Rahmen der Corona-Verordnung möglich ist“. Das Ordnungsamt habe viel Zeit darin investiert, die Vereine zu beraten. Um optisch für Chilbi-Stimmung zu sorgen, sollen Flaggen in der Kaiserstraße und rund um den Stadtpark aufgehängt werden.

„Es fehlt uns sehr, dass wir die Chilbi nicht auf dem Festplatz durchführen können“, sagt Jacobshagen. Auch das zweite Jahr in Folge ohne Chilbibock missfalle den Junggesellen. Nichtsdestotrotz zeigt sich der Zunftmeister zufrieden, mit anderen Vereinen etwas auf die Beine stellen zu können. „Die Vorfreude, trotz Corona Chilbi zu feiern, ist extrem“, erklärt er abschließend.

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