Frau Vogt, zwei Wochenenden sind geschafft. Die Premiere zu den Freilichtspielen vor vollen Zuschauerreihen hat begeistert. Was geht in Ihnen vor?

Eine Premiere ist immer Erfüllung ersten Grades. Das, was man sich lange Zeit vorstellt, wird zur Realität. Die Premiere von „Zwischen den Welten“ ist für mich das Größte, was ich während meiner Theaterzeit erlebt habe.

Erzbischof Georg Gänswein ist Schirmherr. Wie kam es dazu?

Thomas Fechtig, ein Vorstandsmitglied unseres Vereins, kennt Georg Gänswein seit seiner Kindheit. Er hat ihn anfangs gefragt und er hat mit Freude zugesagt. Das ehrt uns sehr. Als Erzbischof und Ehrenbürger von Ühlingen-Birkendorf ist er die Verbindung zwischen politischer und kirchlicher Gemeinde.

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Sie haben schon bei den ersten Freilichtspielen eine große Theatergemeinschaft ins Leben gerufen. Jetzt sind wieder mehr als 120 Leute aus allen Ortsteilen dabei. Wie schafft man das?

Um so ein großes Projekt auf den Weg zu bringen, braucht man Vertrauen, dass sich alles fügen wird. Wenn man selbst für etwas brennt, springt der Funken automatisch über. Es ist schön, so eine Gemeinschaft zusammenwachsen zu sehen. Viele unterschiedliche Menschen haben mit ihren Talenten zum großen Ganzen beigetragen. Außerdem ist Magie mit im Spiel. Immer, wenn ich unser Theaterschiff anschaue, dann weiß ich, dass der Wille auch in Erfüllung gehen kann. Während ich fast alle Rollen besetzt hatte, hatte ich noch niemanden für die Hauptfigur Dorus Kromer. Ich hatte klare Vorstellungen und wusste, dass die optimale Besetzung zu mir kommt, und so war es auch.

Dorus (Lukas Böhler) nimmt Abschied von Marei (Corinna Vogt), Joseph (Michael Beck) von Schwester Liberatha (Anna Fechtig) und der kleinen Schwester Elisabetha (Mareille Vogt). Corinna Vogt spielte als Regisseurin auch selbst eine Hauptrolle.
Dorus (Lukas Böhler) nimmt Abschied von Marei (Corinna Vogt), Joseph (Michael Beck) von Schwester Liberatha (Anna Fechtig) und der kleinen Schwester Elisabetha (Mareille Vogt). Corinna Vogt spielte als Regisseurin auch selbst eine Hauptrolle. | Bild: Ursula Ortlieb

Organisatorisch liefen die Fäden bei Ihnen zusammen?

Ja, es waren viele kleine Mosaiksteine, die über drei Jahre zusammengefügt wurden. Glücklicherweise hat mein Mann Achim Verständnis. Er weiß, dass ich ein bisschen verrückt bin und was Theater für mich bedeutet. Er kümmert sich um unsere Tochter, ist der „Puffer“ wenn ich weg bin und hilft mehr im Verborgenen.

Alle Vorstellungen sind ausverkauft. Wird es einen Gewinn geben?

Wir werden uns keine „goldene Nase verdienen“, das steht fest. Allen, die unser Projekt wohlwollend begleitet haben, sind wir sehr dankbar. Dankbar sind wir dem SWR für den Film und dem SÜDKURIER für die Berichterstattung. Der springende Punkt ist, dass nichts von allein kommt und ich für Pressearbeit viel Zeit investiert habe. Was finanziell übrig bleibt, bekommt unser Theaterverein. Wir möchten auch das Kloster irgendwie unterstützen. Bei der Bewirtung wird ein Teil des Gewinns unter den Vereinen geteilt, die geholfen haben.

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Wie viel Zeit haben Sie selbst für das Projekt „Zwischen den Welten“ investiert und wie haben sie sich dabei gefühlt?

Sehr viel auf alle Fälle. Ich habe in den letzten Monaten beruflich pausiert. „Zwischen den Welten“ war es mir wert, meinem Herzen zu folgen. Ich habe erst im Recherche-Team gearbeitet, alles organisiert und geplant, dann eng mit meiner Mutter Erika Buhr beim Rollenbuchschreiben zusammengearbeitet. Seit eineinhalb Jahren proben wir, einzelne Szenen wurden nach und nach aufgebaut. Hauptfiguren in vielen Einzelproben geformt. Erwachsene und Kinder erst getrennt, dann an 14 Probenwochenenden alles zusammengefügt. Manche Szenen, zum Beispiel die Freeze-Szenen, die im Stück Sekunden dauern, mussten intensiv geprobt werden. Ich wollte, dass die Schauspieler, die Menschen von damals fühlen, damit es authentisch dramatisch wirkt. Das Publikum sollte mit uns auf die Reise gehen. Die Erstellung der Probenpläne, mit Vor- und Nacharbeit der Proben nahmen natürlich viel Raum ein. Ganz vorne dran zu stehen und für alles die Verantwortung zu tragen, ist nicht leicht. Besonders nicht, wenn man spürt, dass einzelne Personen im Dorf die Bewegung, die ein solches Projekt logischerweise mit sich bringt, nicht wünschen und das dann mit Respektlosigkeit zum Ausdruck bringen.

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Die Kulisse sehen viele als Kunstwerk. Wer hat sie geplant?

Das Kloster und der Klostergarten alleine sind ein Glückstreffer, hier ist Dorus Kromer vor circa 180 Jahren tatsächlich in die Schule gegangen. Unsere gigantische Rouenaise von Holzbau Bruno Kaiser mit ihren weißen Segeln steht da, als ob sie dahin gehört. Die vielen liebevollen Details, wie Schaukel oder Schuppen, der aus dem alten Ziegenstall von Familie Spitznagel erbaut wurde, oder der Brunnen, den Bürgermeister Thomas Kaiser aus Häusern hergeschafft hat, runden alles wunderbar ab. Viele Hände haben auch hier mitgeholfen und Liebe zum Detail bewiesen.

Wenn die Freilichtspiele zu Ende sind, was werden Sie weiter tun?

Erst mal tief durchatmen und mich riesig freuen, dass alles gut geklappt hat. Ich werde aber auch traurig sein, das weiß ich. Wir sind ein Verein mit vielen Ideen und vielen Menschen, die, wenn eine Reise beendet ist, bereit für eine neue sind... Alles andere soll noch nicht verraten werden.

Corinna Vogt, hier im Klostergarten, ist Regisseurin und spielt auch die Rolle der Marei.
Corinna Vogt, hier im Klostergarten, ist Regisseurin und spielt auch die Rolle der Marei. | Bild: Ursula Ortlieb