Vor Kurzem ist Ihr Kirchenstreik zu Ende gegangen. War er aus Ihrer Sicht erfolgreich?

Ulrika Schirmaier: Wir sind mehr als zufrieden. Wir wussten ja nicht, was auf uns zukommt und hatten uns kein Ziel gesetzt. Uns war wichtig, dass wir die Menschen für die Gleichstellung von Frau und Mann in der katholischen Kirche sensibilisieren. Das konnten wir erreichen, es wurde in der Bevölkerung breit diskutiert.

Gertrud Bernauer-Eckert: Großartig ist, dass wir Menschen aller Altersklassen erreicht haben: von der zehnjährigen Ministrantin bis zum über 80-jährigen Rentner. Dieser hat angeboten, für unser Anliegen Unterschriften in seiner Seniorenwohnanlage zu sammeln. Außerdem war er bei fast allen unseren Aktionen dabei. Das hat uns sehr beeindruckt.

Von welchen Seiten haben Sie Unterstützung erfahren?

Karin Höhl:Wir hatten große Resonanz von auswärts. Wir haben unter anderem Rückmeldungen bekommen aus umliegenden Seelsorgeeinheiten, aus Allensbach am Bodensee, aus Schwörstadt im Kreis Lörrach und aus dem Ortenaukreis.

Ulrika Schirmaier: Bei unserer Infoveranstaltung in Unterlauchringen war eine Frau aus Allensbach, die erzählt hat, dass der Pfarrer ihrer Gemeinde während des Ostergottesdiensts auf unseren Streik aufmerksam gemacht hat.

Gertrud Bernauer-Eckert: Toll dabei war auch, dass sich evangelische Christen zu Wort gemeldet haben. Außerdem haben sich Leute geäußert, die aus der Kirche ausgetreten sind. Bei vielen Wortmeldungen hat man gespürt, dass ganz viele Menschen sich Sorgen machen, wie es mit der Kirche weitergeht. Die Kirche kann nur eine Zukunft haben, wenn sie sich reformiert.

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Wie haben die Pfarrer Ihrer Gemeinden auf den Streik reagiert?

Karin Höhl: Während wir vor der Kirche streikten, haben andere unsere Arbeiten während der Gottesdienste erledigt. Die Pfarrer haben dadurch nichts vermisst. Sie sind uns zwar nicht in den Rücken gefallen, aber haben unseren Kirchenstreik weitgehend ignoriert. Abschließend kann man sagen, dass wir von außen große Zustimmung erfahren haben, aber innerhalb unserer Seelsorgeeinheit hatten wir uns mehr erhofft.

Gertrud Bernauer-Eckert: Pfarrer Ulrich Sickinger, der Leiter unserer Seelsorgeeinheit, war zu einem Diskussionsabend bereit, er informierte über den Standpunkt der Kirche und es erfolgte ein reger Austausch.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Gemeindeteams von Ober- und Unterlauchringen, Gertrud Bernauer-Eckert, Ulrika Schirmaier und Karin Höhl (von links), sind mit der Resonanz auf ihren Kirchenstreik zufrieden.
Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Gemeindeteams von Ober- und Unterlauchringen, Gertrud Bernauer-Eckert, Ulrika Schirmaier und Karin Höhl (von links), sind mit der Resonanz auf ihren Kirchenstreik zufrieden. | Bild: Juliane Schlichter

Wie war die Reaktion innerhalb der Seelsorgeeinheit?

Ulrika Schirmaier: Leider haben sich unsere Erwartungen, dass ein Großteil der Ehrenamtlichen die Arbeit ruhen lässt, nicht erfüllt. Wir haben uns auch mehr Unterstützung innerhalb der Seelsorgeeinheit erwartet.

Sie haben stattdessen viel prominente Unterstützung erfahren.

Karin Höhl: Ja, die SPD-Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter ist auf uns zugekommen und war bei einem unserer Wortgottesdienste dabei. Auch ihr CDU-Kollege Felix Schreiner und die CDU-Landtagsabgeordnete Sabine Hartmann-Müller unterstützten uns. Ebenso der Sänger Max Mutzke. Wir haben inzwischen ein Schreiben an die Politikerinnen Annegret Kramp-Karrenbauer und Andrea Nahles geschickt, die beide Mitglieder im Zentralkomitee der deutschen Katholiken sind.

Trotz der großen Zustimmung gibt es auch Kritik an Ihrem Streik. In einem Leserbrief wirft die Schreiberin Ihnen Machtstreben vor. Wie reagieren Sie darauf?

Ulrika Schirmaier: Ich glaube, die Frau hat unser Anliegen nicht verstanden.

Karin Höhl: Es geht uns nicht um Macht, sondern um ein Grundrecht. Nicht für uns persönlich, sondern für die kommende Generation. Für Frauen, die sich für das Priesteramt berufen fühlen, sollte es zukünftig möglich sein, diesen Beruf ergreifen zu können.

Gertrud Bernauer-Eckert: Das Machtstreben muss man woanders in der Kirche suchen, nämlich bei den Männern. Wir wollen vollwertiges Mitglied der Kirche sein und über die Belange der Kirche mitreden und mitentscheiden. Außerdem soll jede Frau, die sich berufen fühlt, die Möglichkeit haben, ihrer Berufung zu folgen.

Ulrika Schirmaier: Wir haben auch ein paar sehr negative anonyme Briefe von Menschen, die sich als Christen bezeichnen, bekommen, die persönlich sehr verletzend waren. Aber die breite Resonanz war zum Glück positiv.

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Sie sammeln Unterschriften und haben eine Online-Petition ins Leben gerufen, die bis Ende Juni läuft. Wie viele Stimmen sind bereits zusammengekommen?

Ulrika Schirmaier: Bis jetzt insgesamt 2500 Stimmen, darunter 400 bei der Online-Petition.

Karin Höhl: Es sind aber noch viele Unterschriftenlisten im Umlauf.

Wo haben Sie beispielsweise Unterschriften gesammelt?

Gertrud Bernauer-Eckert: Wir haben uns Mitte Mai an der Protestaktion einer Freiburger Initiative anlässlich der Weihe von sechs Neupriestern beteiligt. Es waren etwa 700 Menschen auf dem Münsterplatz versammelt. Innerhalb von zwei Stunden haben wir rund 400 Unterschriften für unsere Aktion gesammelt.

Karin Höhl: Die Leute haben uns die Listen aus den Händen gerissen.

Gertrud Bernauer-Eckert: Als der Zug der Priester und Bischöfe über den Münsterplatz zog, sangen die Menschen das Lied „Wenn einer alleine träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, ist es der Beginn einer neuen Wirklichkeit.“ Der Gesang ging wellenartig über den Münsterplatz, und es war toll, dass auch einige Priester mitgesungen haben. Das hat mir Hoffnung gemacht. Wenn viele das denken, was sie gesungen haben, dann kann man nur hoffnungsvoll nach vorne schauen und annehmen, dass sich in der Kirche etwas bewegt.

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Was passiert anschließend mit den Stimmen?

Karin Höhl: Diese möchten wir dem Freiburger Erzbischof Stephan Burger in Freiburg übergeben und haben ihn um eine Audienz vor den Sommerferien gebeten.

Ulrika Schirmaier: Bis jetzt haben wir aber noch keine Rückmeldung.

Ihr Kirchenstreik ist beendet, aber Sie schmieden bestimmt weitere Pläne.

Ulrika Schirmaier: Natürlich haben wir weitere Pläne. Wir können nicht zwei Wochen lang Feuer und Flamme für unser Anliegen sein, und dann ist alles vorbei. Wir werden in regelmäßigen Abständen auf unsere Forderungen aufmerksam machen.

Was konkret planen Sie?

Gertrud Bernauer-Eckert: Wir möchten regelmäßige Andachten oder Wort-Gottes-Feiern an verschiedenen Orten der Seelsorgeeinheit organisieren und für unser Anliegen beten. Außerdem planen wir, an den Frauenaktionswochen des Landkreises Waldshut teilzunehmen, zu denen wir Referenten und Referentinnen zu diesem Thema einladen möchten.

Karin Höhl: Außerdem möchten wir den Tag der Diakonin, den der Katholische Deutsche Frauenbund am 29. April begeht, auch bei uns etablieren.