In der Corona-Zeit haben viele Menschen den Wassersport neu für sich entdeckt. Bewegung im Freien steht hoch im Kurs. Welche Freizeitmöglichkeiten „unser“ Rhein bietet, was erlaubt ist und, welche Gefahren lauern – hier ein Überblick.

Ist das Rheinschwimmen erlaubt?

„Gesetzlich besteht grundsätzlich kein Badeverbot“, sagt Jens Czechtizky, Pressesprecher der deutschen Wasserschutzpolizei. Allerdings sei es durch Badeverbotsschilder an vielen Stellen des Rheins – auf Deutscher als auch auf Schweizer Seite – verboten.

In der Schweiz gilt fürs Rheinschwimmen: „Wo nicht explizit Naturschutzgebiete oder Verbotszonen sind, darf man schwimmen. Ob man soll, ist wieder etwas anderes“, so Philipp Binaghi, Leiter Kommunikation der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG).

Die offiziellen und inoffiziellen Badestellen am Rhein.
Die offiziellen und inoffiziellen Badestellen am Rhein. | Bild: Südkurier-Grafik/Schönlein

Schwimmen im Rhein – DLRG mahnt zur Vorsicht

Das Schwimmen im offenen Gewässer ist nur an Stellen erlaubt, an denen keine Badeverbotsschilder stehen. Das Problem beim Rheinschwimmen während der Corona-Pandemie erläutert Helmut Weber, Vorsitzender des DLRG-Bezirks Hochrhein: „Wenn jemand Hilfe braucht, bringen wir uns selbst in die Gefahr einer Ansteckung, wir können ja bei der Rettung keinen Abstand einhalten.“

Deshalb appelliert er: „Leute seid vorsichtig, achtet auf die Gegebenheiten im Gewässer wie etwa Rückströme.“ Die DLRG könne nur appellieren, dass die Leute sich nicht übermäßig in Gefahr bringen. Es sei nicht auszuschließen, dass in diesem Sommer mehr Menschen im Rhein schwimmen gehen, Weber möchte aber auch nicht spekulieren. „Wir sind aber darauf vorbereitet“, sagt er.

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Schweizer rechnen mit mehr Ertrinkungsfällen

Während auf deutscher Seite nicht spekuliert werden will, ob es mehr Unfälle im Rhein geben wird, gehen die Schweizer klar davon aus, dass das Ertrinkungsrisiko in offenen Gewässern dieses Jahr steigen werde.

Die Gründe nennt Philipp Binaghi, Leiter Kommunikation der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG). Zum einen buchen laut Binaghi die Schweizer normalerweise im Sommer Übersee-Flüge und verbringen nun mit Corona im Hinterkopf den Urlaub eher zuhause. Zum anderen seien auch die Schweizer Freibäder nur eingeschränkt geöffnet. Außerdem: In der Schweiz gelten die Abstandsregeln nur noch als Empfehlung, aber nicht mehr als Vorschrift.

Außerdem gebe es in der Schweiz eine zunehmende Beliebtheit des Schwimmens in Seen und Flüssen, wie eine jüngst durchgeführte Bevölkerungsumfrage der gfs-Zürich im Auftrag der SLRG zeigt. Mit all diesen Faktoren steige also das Risiko an Badeunfällen.

An Pfingsten wurden laut Binaghi in der Innerschweiz „die Strände geflutet“ und somit einige Unfälle registriert.

Rheinschwimmen in Basel. Das Bild entstand vor Corona-Zeiten.
Rheinschwimmen in Basel. Das Bild entstand vor Corona-Zeiten. | Bild: Jonas Hirt

Präventionsprojekt Corona-Sommer 2020

Doch die SLRG bereitet sich auf ein erhöhtes Risiko vor und hat ein Präventionsprojekt Corona Sommer 2020 aufgestellt. Unter anderem sollen dabei die Wasser-Anrainer-Gemeinden und Behörden zur Wassersicherheit beraten werden, es werden Crashkurse zur Ertrinkungsprävention gegeben, aber auch eine Präventionspatrouille soll Badeplätze aufsuchen und dort mit den Badenden das Gespräch suchen.

„Wir wollen informieren, aber nicht mit erhobenem Zeigefinger“, so Binaghi. „Wir wollen das Verhalten positiv beeinflussen, so dass den Menschen die Gefahren und Risiken bewusst werden und eben erst gar nichts passiert“, so der Pressesprecher der SLRG. Weitere Informationen zur Aktion unter: www.coronasummer2020.ch

Was macht das Baden im Rhein so gefährlich?

„Auch ein augenscheinlich noch so friedlich fließender Fluss weist in der Regel eine so hohe Strömungsgeschwindigkeit auf, dass selbst ein geübter Schwimmer nicht dauerhaft gegen diese anschwimmen kann“, erklärt Jens Czechtizky, Pressesprecher der Wasserpolizei die Gefahr.

Im Bereich von Wasserbauwerken wie zum Beispiel Brücken werde die Gefahr sogar noch verstärkt. An vielen Stellen (Brückenpfeiler, Buhnen, Wehranlagen, Hafenein- und Hafenausfahrten) könnten zudem auch nicht sichtbare Wirbel und Strudel entstehen. „Dies sind dann quasi Stromschnellen – oft mit darunter liegenden Felsen – die ein Schwimmer erst erkennt, wenn es schon zu spät ist“, so Czechtizky.

Zuflüsse, Abwasserrohre, örtliche Kraftwerke und Wehre könnten die Strömung noch zusätzlich beschleunigen. „Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist auch der Sog- und Wellenschlag der auf dem Rhein fahrenden Schiffe„, so Czechtizky.

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Die Wasserschutzpolizei rät daher, aus Sicherheitsgründen nicht im Bereich von anderen Flussmündungen, Wehren, Kraftwerken, Fähren oder Sportbooten und niemals im Kurs oder in der Nähe von in Fahrt befindlichen Wasserfahrzeugen und fahrenden Schiffen zu schwimmen.

Weitere nicht zu unterschätzende Gefahren sind Verletzungen bei Sprüngen in flaches Wasser, die Kollisionen mit Treibgut, Steganlagen oder ein mögliches Verfangen in starkem Pflanzenbewuchs.

„Immer wieder gibt es bei Badenden und Schwimmern auch Fälle von Muskelkrämpfen und Schockreaktionen durch die unterschiedlichen Wassertemperaturen in einem Gewässer“, erklärz Czechtizky. „Jeder Wassersportler sollte sich den Gefahren bewusst sein und den Rhein mit Bedacht nutzen“, so der Pressesprecher der Wasserschutzpolizei.

Diese ist im Rahmen der Streife vor Ort und suche auch immer wieder das Gespräch mit den Bürgern, gerade auch um auf die Gefahren hinzuweisen.

Wie sieht die Arbeit der DLRG aktuell aus?

Die Arbeit der DLRG-Ortsgruppen am Hochrhein sei bedingt durch Abstandsregeln gerade in der Ausbildung eingeschränkt, so Helmut Weber, der Vorsitzende des DLRG-Bezirks Hochrhein. „Doch wir sind einsatzbereit – der Wasserrettungsdienst läuft nach wie vor“, so Weber.

In den Bädern leiste man aktuell keine Wachdienste, da sie noch geschlossen sind. Neuschwimmerkurse können aktuell nicht gegeben werden, da hier die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können. „Wir müssen ja dem Schwimmanfänger helfen“, so Weber.

Mit der Schwimmausbildung wie etwa dem Konditionstraining, wobei es vom Beckenrand Anweisungen gibt, fängt die DLRG so langsam wieder an – immer unter Einhaltung der Hygieneregeln.

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Welche weiteren Freizeitaktivitäten auf dem Rhein sind aktuell möglich?

Laut Jens Czechtizky von der Wasserschutzpolizei sind aktuell auch alle Wassersport-Aktivitäten auf dem Rhein erlaubt. Hier gilt dann die Hochrheinverordnung für die Schifffahrt.

Auch die Wassersportvereine am Hochrhein nehmen ihren Betrieb wieder auf. „Auf dem Wasser ist alles erlaubt bis auf Mannschaftssport“, sagt Matthias Eschbach, der Vorsitzende der Hochrheinpaddler. Normalerweise sind diese mit ihrem Drachenboot auf dem Rhein unterwegs und damit bei Wettbewerben sehr erfolgreich. Nun muss dieses aber weiter in der Garage stehen bleiben.

Denn hier kann keinesfalls der Mindestabstand eingehalten werden. Aber die Hochrheinpaddler haben dennoch ihren Sportbetrieb wieder aufgenommen und trainieren in Kleingruppen in Einer und als Familien auch in Zweierbooten, wie Eschbach erzählt.

Die Hochrheinpaddler – wie hier Robin Eschbach – sind aktuell nur in Einer- oder Zweierbooten auf dem Rhein unterwegs.
Die Hochrheinpaddler – wie hier Robin Eschbach – sind aktuell nur in Einer- oder Zweierbooten auf dem Rhein unterwegs. | Bild: Matthias Eschbach

Auch Standuppaddling macht ihnen Spaß. „Wir sind eher noch aktiver als die Jahre zuvor“, so Eschbach. „Und weil viele in diesem Jahr Wassersport für sich neu entdecken, konnten wir sogar fünf Neumitglieder gewinnen“, freut sich der Vorsitzende der Hochrheinpaddler.

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Auch die Hochrheinsegler dürfen seit dem 11. Mai ihrem Hobby wieder nachgehen, wie Vorsitzender Phillipp Heimann sagt. Das Segeln selbst sei nie verboten gewesen, jedoch seien die Stege gesperrt gewesen und somit sei der Sport nicht möglich gewesen. Den Platz dürften die Vereinsmitglieder aktuell nur betreten, um ihrem Hobby nachzugehen. Gemeinsame Abende oder Sonnenbaden bleiben vorerst aus.

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