Die Meldung erschüttert und macht sprachlos: Drei Tote wurden am Montag aus dem Rhein geborgen, darunter die Leiche eines 24-Jährigen, der seit Freitagabend bei Bad Säckingen vermisst wurde.

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Wie schwierig sich die Suche nach einer Person oder Leiche im Rhein gestaltet, erklärt der Pressesprecher der Wasserschutzpolizei, Jens Czechtizky: „Alle zehn Minuten verlagert sich unsere Einsatzstelle um einen Kilometer.“ Denn der Rhein habe eine Fließgeschwindigkeit von fünf bis sechs Kilometer pro Stunde. Dadurch werde ein Körper alle zehn Minuten um einen Kilometer abgetrieben.

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Fälle wie jene am Montag sind keine Ausnahme. Laut Felix Ihringer von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) haben ihre Einsätze in den vergangenen Jahren zugenommen. „Leider steigt auch die Zahl der Ertrinkungsfälle. 2018 hatten wir 14 Notfalleinsätze am Hochrhein, drei Menschen konnten gerettet werden“, so der am Hochrhein-Einsatzleiter der DLRG. 2017 ertranken in Ihringers Einsatzbereich drei Personen. Ein Jahr zuvor waren es elf, davon neun im Rhein.

Dass mehr Menschen ertrinken, bestätigen die landesweiten Zahlen der DLRG für Baden-Württemberg. Demnach stieg die Anzahl Todesfälle in Gewässern wie Flüssen, Seen oder Teichen von 38 im Jahr 2017 auf 62 im Jahr 2018. Das entspreche einem Anstieg von 63 Prozent, so die DLRG in einer Pressemeldung. Der Grund; Viele Menschen sehnten sich nach Abkühlung und gingen oft zu sorglos ins Wasser. Andere Gründe seien Alkoholmissbrauch oder Selbstüberschätzung.

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Doch welche Gefahren lauern konkret im Hochrhein und wie entgeht man ihnen?

Extrem gefährliche Stellen für Schwimmer seien grundsätzlich in der Nähe der Stauwehren von Wasserkraftwerken zu finden, so Ihringer: „Hier stehen auch überall Verbotsschilder. Und zwar zurecht: 400 Meter flussauf- und abwärts von Kraftwerken darf nicht geschwommen werden.“ Der relativ große Radius der Gefahrenzone rühre daher, dass die Kraftwerke ihre Wehrschützen voll automatisiert öffnen, um den Wasserpegel auszugleichen.

„Da gibt es keine Vorwarnung. Wenn man zu nahe bei den Wehren schwimmt, wird man im Idealfall nur weggeschwemmt. Aber es kann sich auch eine bodenständige Walze beziehungsweise ein ‚Strudel‘ bilden“, so Ihringer. Dieser Wasserstrudel ziehe nicht nur die Schwimmer runter, auch Retter könnten da nicht einfach hinschwimmen. Neben Wehren seien deshalb auch alle anderen Bauten im Wasser wie etwa Brückenpfeiler zu meiden, bei denen sich ebenfalls Wirbel oder Strudel bilden können.

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Keine offiziellen Badestellen in Deutschland

Neben dem Meiden von Gefahrenstellen empfiehlt Ihringer, im Rhein nicht alleine zu schwimmen, sich nicht zu weit vom Ufer zu entfernen und nicht gegen die Strömung zu schwimmen, sondern mit ihr. In den Rhein sollten nur geübte Schwimmer, die sich und die Situation vor Ort richtig einschätzen können. „Man sollte sich Badestellen suchen, wo auch andere schwimmen und das Ufer nicht abfällt.“

Bild: Schönlein, Ute

Doch gibt es dafür offiziell ausgewiesene Badestellen? „Nicht in Deutschland„, so Ihringer. Auf der Schweizer Seite gebe es solche Stellen. „In Deutschland hat das versicherungstechnische Gründe“, sagt Ihringer. Niemand wolle die Haftung übernehmen, falls etwas passiere. Es gilt: Jeder schwimmt auf eigene Gefahr.

Tipps zum Schwimmen im Rhein

  1. Nur für geübte Schwimmer: Grundsätzlich gelte für alle Stellen am Hochrhein, dass sie nicht ohne Vorsicht durchschwommen werden können, so David Lehr, Einsatzleiter der DLRG-Ortsgruppe Waldshut. Das Schwimmen im Rhein empfiehlt sich daher nur für geübte Schwimmer. Bereiche um Hafeneinfahrten und Kraftwerke sollten gemieden werden.
  2. Schwimmhilfen für den Notfall: Wichtig ist, dass die Schwimmhilfe genug Auftrieb liefert, um den Schwimmer im Notfall über der Wasseroberfläche zu halten. Von aufblasbaren Schwimmhilfen wie Schwimmflügeln oder Luftmatratzen wird abgeraten, da sich diese in Strudeln verfangen können. Optimal sei eine Rettungsweste, die einen Schwimmer im Notfall über Wasser halten kann.
  3. Nicht gegen den Strom schwimmen: Am wichtigsten ist es, in Gefahrensituationen ruhig zu bleiben. Gerät ein Schwimmer in einen Sog ist es außerdem wichtig, nicht gegen den Strom anzuschwimmen. Die Kräfte sollten eingeteilt werden, sodass man mit der Strömung in Richtung Ufer schwimmen kann.
  4. Wenn jemand im Wasser in Gefahr gerät: Auch hier gilt es ruhig zu bleiben. Da Schwimmer in Gefahr oft in Panik geraten, klammern sie sich häufig an Helfern fest und ziehen sie ebenfalls ins Wasser, weiß Lehr. Daher sollte zuerst ein Notruf unter 112 abgesetzt und dann am Ufer auf die Rettungskräfte gewartet werden.
  5. Brückenspringen nicht zu empfehlen: Das Brückenspringen ist laut Lehr nicht zu empfehlen. Häufig ist das Wasser nicht klar und damit der Untergrund nicht erkennbar, weshalb ein Sprung ein großes Gefahrenpotenzial enthält. Selbst an tiefen Stellen sollte nicht ins Wasser gesprungen werden, da sich der Untergrund aufgrund der Fließbewegung ständig verändert.
  6. Nicht direkt ins kalte Wasser springen: Der direkte Sprung ins kalte Wasser ist vor allem an heißen Tagen eine Belastung für das Herz-Kreislauf-System, was zu einem Herzstillstand führen kann. Daher sollte der Körper, wie auch im Schwimmbad, vor dem Baden zuerst abgekühlt werden. Außerdem sollte man sich nicht zu lange im kühlen Wasser aufhalten, da es sonst zu Unterkühlung und Muskelkrämpfen kommen kann.
  7. Auf dieUmgebungachten: Es ist wichtig, das Ufer und den Flussverlauf in beide Richtungen im Blick zu haben. Schiffe, Boote, Brücke, Zuflüsse ander Flüssere und Hafeneinfahrten können die Strömung verändern und stellen daher eine Gefahr für Schwimmer dar. Und Schwimmer werden von Schiffskapitänen häufig nicht gesehen.
  8. Vorabklärungen wichtig: Grundsätzlich ist die Wasserqualität des Rheins im Sommer ausreichend, um darin schwimmen zu können. Trotzdem sollte vor dem Schwimmen der Wasserstand, die Wassertemperatur, das Wetter und ungewöhnliche Ereignisse, wie beispielsweise viel Treibholz, überprüft und berücksichtig werden.
  9. Begleitetes Rheinschwimmen: Die DLRG-Ortsgruppe Rheinfelden veranstaltet regelmäßig begleitete Rheinschwimmen in Rheinfelden und das Zwei-Brücken-Schwimmen in Bad Säckingen. Die Schwimmer werden dabei von geschulten Rettungskräften und Rettungsbooten begleitet. Weitere Infos unter www.rheinfelden.dlrg.de