„Es ist in diesen Zeiten natürlich ein Vorteil, wenn man das Haus und die Region kennt und sich nicht erst einfinden muss“, erklärt Horst Eckert. Er ist seit Juni neuer Chef der Agentur für Arbeit in Lörrach und Nachfolger des bisherigen Leiters der Geschäftsführung Andreas Finke, der nach Freiburg wechselt. Seit 1978 ist Eckert, sieht man von kleineren Unterbrechungen und bundesweiten Einsätzen ab, bei der Agentur für Arbeit in Lörrach. In seiner bisherigen Position als Stellvertreter von Andreas Finke, hat er die jüngsten Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt in der Region und die Arbeit der Agentur während der Corona-Krise direkt miterlebt. Insbesondere das Thema Kurzarbeit bildet derzeit einen wichtigen Schwerpunkt.

4227 Betriebe zeigen Kurzarbeit an

Um die Zahlung von Kurzarbeitergeld und Arbeitslosengeld schnell möglich zu machen, wurde das Personal mehr als verzehnfacht. Worum sich vor der Corona-Pandemie drei Mitarbeiter kümmerten, sind nun 40 Berater und Vermittler eingesetzt.

Seit März 2020 haben 4227 Betriebe im Agenturbezirk Lörrach, der die Landkreise Lörrach und Waldshut umfasst, Kurzarbeit angezeigt. Im Vorjahreszeitraum waren es unter 10. Die Zahl der Beschäftigten, für welche seit März Kurzarbeit angezeigt wurde, beläuft sich auf 49.549 Personen. Im Vorjahreszeitraum waren es 215. „Der Höhepunkt der Kurzarbeit wurde bereits im April erreicht“, erklärt Horst Eckert. Zwar seien auch im Mai weitere 307 Anzeigen für rund 3200 Menschen eingereicht worden, „das ist aber kein Vergleich mehr zu dem Ansturm aus dem letzten Monat“.

Wie hoch die Zahl der Arbeitnehmer sein wird, die tatsächlich Kurzarbeitergeld in Anspruch nehmen werden, werde sich jedoch erst dann abzeichnen, wenn die Betriebe ihre Abrechnungen bei den Arbeitsagenturen eingereicht haben werden.

Horst Eckert ist seit Juni 2020 Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Lörrach. Der 61-Jährige lebt in Steinen, ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter.
Horst Eckert ist seit Juni 2020 Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Lörrach. Der 61-Jährige lebt in Steinen, ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter. | Bild: Foto Santos

„Immerhin zieht die Nachfrage nach Arbeitskräften etwas an, im Vergleich zum Vormonat meldeten uns regionale Unternehmen doppelt so viele Stellen, das ist ein gutes Zeichen“, so Eckert. Im Bezirk der Agentur für Arbeit Lörrach waren im Mai insgesamt 2139 Stellenangebote registriert. Im Mai wurden 513 neue Arbeitsstellen gemeldet, 270 Stellen mehr als im April.

Die Arbeitsvermittlung und Kundenbetreuung sei während der Corona-Krise bislang auch ohne persönliche Kontakte aus Sicht des Chefs zufriedenstellend verlaufen. Eckert erklärt dazu: „Der Schutz unserer Mitarbeiter hatte oberste Priorität, damit wir gewährleisten konnten, dass wir unsere Aufgaben erfüllen können.“

„Es hat sich gezeigt, dass wir sehr vieles, was bislang nur mit Präsenzterminen möglich war, auch digital regeln können.“
Horst Eckert, neuer Leiter der Agentur für Arbeit Lörrach

Ein Vorteil vor allem für die Menschen, für die die Wege zum Jobcenter nach Waldshut und zur Agentur nach Lörrach weit sind. Vor allem auch die Telefonhotlines für Arbeitgeber und Arbeitnehmer seien sehr gut angenommen worden, erklärt Eckert: „Wir können telefonische Beratungsgespräche und Vermittlungsgespräche anbieten.“

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Ab 15. Juni will die Agentur für Arbeit teilweise wieder öffnen, allerdings beschränkt auf einzelne Termine in Lörrach und im Jobcenter in Waldshut-Tiengen. Lange Schlangen und viele Besucher soll es in der nächsten Zeit aber nicht geben. Die geltenden Abstands- und Hygieneregeln und das Tragen einer Maske sollen die Risiken einer Infektion für Kunde und Berater verringern. Für den neuen Chef steht fest: „Wir wollen nicht in den alten Modus zurück, sondern die Veränderungen als Chance begreifen. Denn sie bringen Vorteile für alle.“

Fachkräftemangel bleibt Thema

„Man muss sich vorstellen: Noch vor drei Monaten war der Fachkräftemangel das wohl größte Problem der Unternehmen in der Region“, sagt Eckert. Zuletzt war auch die Arbeitsagentur weltweit orientiert Fachkräfte, vor allem in den Bereichen Pflege und Ingenieurswesen, zu finden. Nun sei die Nachfrage eingebrochen und es sind vor allem Unsicherheiten hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung, die Arbeitgeber umtreibt. Um so wichtiger sei aus Eckerts Sicht darum das Thema Ausbildung. Viele Betriebe würden sich fragen: „Kann ich es mir überhaupt leisten einen Auszubildenden einzustellen?“ Dazu sagt Eckert: „Ich kann das wirklich nur empfehlen, es ist eine Investition in die Zukunft des eigenen Unternehmens.“

Darum soll ein Schwerpunkt der Arbeitsagentur in den kommenden Monaten das Thema Ausbildung sein. Zwar gebe es nur wenige stornierte Ausbildungsangebote im Agenturbezirk, aber aufgrund des Shutdowns seien vor allem Schulen nicht mehr erreichbar gewesen. Eckert kann aber beruhigen: „Wir haben auf dem Ausbildungsmarkt noch immer mehr Stellen als Bewerber.“ Die Arbeitsagentur hat eine spezielle Hotline eingerichtet für Jugendliche, die einen Ausbildungsplatz suchen oder sich beraten lassen möchten. Unter der Nummer 07621/178888 können Jugendliche von Montag bis Donnerstag von 10 bis 16 Uhr können Jugendliche direkt einen Berater erreichen.

Ausbildung und Kurzarbeit

Gelegentliche Unsicherheiten gebe es vor allem auch in der Frage, wie es hinsichtlich der Ausbildungsmöglichkeiten für die Unternehmen und Betriebe steht, die Kurzarbeit angemeldet haben.

Antworten der Arbeitsagentur zu Ausbildung und Kurzarbeit

Steht ein Auszubildender kurz vor dem Ende seiner Ausbildung, darf er auch übernommen werden. „Dann erfolgt die Übernahme in Kurzarbeit„, erklärt Eckert. Unternehmen, denen das Risiko zu groß ist, könnten mit den fertigen Auszubildenden auch andere Regelungen finden – beispielsweise eine Anstellung ein paar Monate später.

Weiterbildung als wichtiges Zukunftsthema

Welches Thema Horst Eckert für die Zukunft besonders am Herzen liegt? „Das ist wohl das lebenslange Lernen“, sagt der neue Chef der Arbeitsagentur. Menschen dazu motivieren, sich weiterzuentwickeln, weiterzuqualifizieren, vielleicht sogar im Erwachsenenalter noch einen Berufsabschluss nachzuholen: Beispiele, die die Arbeitnehmer nicht nur persönlich weiterbringen, sondern auch dazu dienen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, und damit den Unternehmen zugute kommen. Für Eckert steht außer Frage: „Beide Seiten können nur gewinnen, wenn sie sich für die Zukunft rüsten.“

Dies gilt auch für einen Bereich, dessen Bedeutung Eckert hervorhebt: „Ich möchte außerdem jedem raten, sich digitale Grundkompetenzen anzueignen, auch wenn das bislang vielleicht nicht nötig war.“ Für Kunden der Arbeitsagentur gibt es spezielle Seminare, in denen die Grundlagen vermittelt werden.

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