Wenn sich am Samstag der Vorhang im Gloria-Theater Bad Säckingen (Kreis Waldshut) zur Premiere der neuen Musical-Produktion „Tommy Tailors Traumfabrik„ hebt und zahlreiche Fantasiewesen, Helden und Bösewichter die Bühne bevölkern, dann ist das in vielerlei Hinsicht ein Meilenstein. Denn immerhin ist das Gloria das erste Musical-Theater im Land, das seine Pforten wieder öffnen darf. Für die Akteure auf der Bühne endet somit eine halbjährige Zwangspause. Für die Besucher gibt es endlich wieder hochkarätige Unterhaltung. Und für die Gloria-Betreiber endet buchstäblich ein monatelanger Nervenkrieg, denn angesichts steigender Infektionszahlen war bis zuletzt ungewiss, ob das Theater überhaupt wie geplant in die neue Saison starten darf.

„Man kann uns schon als die unbeugsamen Alemannen im von Corona besetzten Musical-Deutschland bezeichnen. Doch statt eines Zaubertranks haben wir ein modernes Lüftungssystem und ein ausgeklügeltes Hygienekonzept.“ So humorvoll es klingt, wenn Jochen Frank Schmidt, Gloria-Intendant, Musical-Komponist und Regisseur des neuen Stücks, in Anlehnung an die bekannten Asterix-Comics auf die vergangenen Wochen und Monate zurückblickt, so sehr ging es für die Theatermacher, die Akteure und Mitarbeiter doch ans Eingemachte. Hinter ihnen liegt eine Zeit, in der Tiefen dominierten und bis zuletzt Ungewissheit herrschte, ob sich die Mühen, die hunderten Überstunden und schlaflosen Nächte am Ende doch noch auszahlen würden.

Die fantasievolle Geschichte von Tommy Tailor (Markus Oschwald, vorne) erzählt das neue Musical des Gloria-Theaters Bad Säckingen.
Die fantasievolle Geschichte von Tommy Tailor (Markus Oschwald, vorne) erzählt das neue Musical des Gloria-Theaters Bad Säckingen. | Bild: Alexander Kaemmer

Jetzt hat es geklappt, und Schmidt betont: „Es ist ein Privileg, dass wir jetzt endlich spielen dürfen. Das sollte jedem bewusst sein.“ Denn „Tommy Tailors Traumfabrik„, das die Zuschauer ins Fantasieland Immerwo entführt, werde nach Stand der Dinge das einzige professionelle Musical sein, das diesen Herbst in Deutschland seine Premiere feiern darf.

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Gelungen sei dies eben nur unter Vorlage eines rigiden Hygienekonzepts, das in den vergangenen Wochen immer wieder nachgebessert und von Behörden auf den Prüfstand gestellt und hinterfragt worden sei. „Wesentliche Bestandteile sind, dass die Besucher durchgehend einen Mund-Nasen-Schutz tragen und wir eben eine Lüftungsanlage haben, die permanent die Luft im ganzen Haus austauscht.“

Die böse Fee Gorana (Romanie Marty) bedroht das Fantasieland Immerwo.
Die böse Fee Gorana (Romanie Marty) bedroht das Fantasieland Immerwo. | Bild: Alexander Kaemmer

Auch die Abfrage der Kontaktdaten der Gäste zwecks etwaiger Nachvollziehbarkeit von Infektionsketten sei obligatorisch. Außerdem sind genaue Pläne erstellt worden, wie Besucher vom Betreten bis zum Verlassen des Hauses gelenkt werden, damit Hygienevorschriften und Abstandsregelungen eingehalten werden. Und: Die Einhaltung der Vorschriften werde strikt überwacht. Laut Schmidt werden neun Mitarbeiter nichts anderes tun, als das Publikum während der Vorstellung im Blick zu halten: „Es geht einfach nicht anders, wenn wir wollen, dass der Besuch in unserem Haus ein sicheres Erlebnis sein soll.“

Mit diesem Konzept konnte das Gloria-Theater die Behörden letztlich überzeugen. Das Haus darf zu seinen Vorstellungen immerhin 500 der 600 Plätze besetzen. Das sind Dimensionen, von denen andere Veranstalter gegenwärtig kaum zu träumen wagen. Und dennoch: „Wir haben uns entschlossen, ab Sonntag die Zahl der Zuschauer auf 300 zu reduzieren“, erklärt Schmidt. Damit trage das Haus dem aktuellen Infektionsgeschehen, aber auch möglichen Ängsten seitens der Besucher Rechnung, die sich durchaus erkennen lassen, so Schmidt weiter. Dies ermögliche den Gloria-Machern auch ein größeres Maß an Flexibilität, etwa wenn es um die Schaffung von Sicherheitsabständen gehe.

Denn tatsächlich sei auch im Vorverkauf im Gegensatz zu früheren Produktionen eine große Zurückhaltung feststellbar: „Es gibt durchaus eine Scheu, langfristig Karten zu bestellen, weil natürlich nach wie vor eine Unsicherheit herrscht, wie sich die Corona-Lage weiterentwickelt“, so Schmidt. Es sei also zu erwarten, dass der Trend dieses Mal eher zum spontanen Musical-Besuch geht.

Opulente Kostüme, ausdrucksstarke Choreografien: Das Musical „Tommy Tailors Traumfabrik“ besticht durch eine attraktive Optik.
Opulente Kostüme, ausdrucksstarke Choreografien: Das Musical „Tommy Tailors Traumfabrik“ besticht durch eine attraktive Optik. | Bild: gloria-theater bad säckingen

Doch nachdem die Formalitäten nun erfüllt sind, können sich Regisseur Schmidt und sein Team, insbesondere aber die gut 50 Akteure vor und hinter den Kulissen des Theaters voll und ganz auf die Show konzentrieren: „Ich kann dazu nur sagen, das sieht absolut großartig aus und wir freuen uns sehr.“ Nicht nur sei es gelungen, ein Ensemble zusammenzubringen, bei dem jede einzelne Besetzung „voll ins Schwarze“ trifft, sondern das auch noch glänzend harmoniert.

Dazu könnten sich die Besucher auf eine Aufführung freuen, die technisch wie inhaltlich zum Staunen, Lachen und Nachdenken anregt, betont Schmidt: „Eine derart aufwendige Optik und Bühnentechnik hatten wir bisher noch nie im Einsatz. Dass hier alles zusammenpasst und ineinander greift, ist eine ganz schöne logistische Herausforderung.“

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Die einzigen, die übrigens keine Masken tragen, sind die Musical-Darsteller, handverlesene Meister ihres Fachs, die in ganz Deutschland und in der Schweiz auf den großen Bühnen zuhause sind, wie die „König der Löwen“-Darstellerin Isata Kamara, die nur zu gern von ihrer derzeitigen Arbeitsstätte Hamburg an den Hochrhein gekommen ist, wo sie vor sechs Jahren mit der Hauptrolle im Disney-Musical „Aida“ ihren Durchbruch hatte.

Um die Sicherheit der Darsteller vor einer Ansteckung dennoch bestmöglich zu gewährleisten, gelten auch für sie strikte Richtlinien, so Schmidt. Außerdem werde es umgehend Corona-Tests geben, sofern sich Krankheitssymptome zeigen.

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