Während der Kreistag für die Reaktivieung der Bahnstrecke Stühlingen-Waldshut praktisch grünes Licht gab, stehen einem Neustart der Wehratalbahn bisher noch hohe Kosten im Weg. In konkreten Schritten soll bis 2027 ein Taktverkehr zwischen Stühlingen und Waldshut aufgebaut werden.

Für die 20 Bahnkilometer zwischen Fahrnau, Wehr und Bad Säckingen dagegen sollen Gutachter den Nutzen-Kosten-Vergleich für die Reaktivierung auf den aktuellen Stand bringen, ehe das Kreisparlament seine Entscheidung trifft.

Auf der Grundlage einer neuen Bewertung werden sich dann der Landkreis Waldshut und alle finanziell Beteiligten wieder mit den Plänen befassen. Größter Brocken auf der Strecke ist der Dinkelberg.

181 Millionen Euro für die Wehratalbahn

Auf 181 Millionen Euro beläuft sich heute, ohne Planung, die Kostenschätzung für die Strecke, davon wären rund 133 Millionen für den über drei Kilometer langen Tunnel zwischen Schopfheim-Fahrnau und Wehr-Hasel zu veranschlagen.

Die Gleise der Wehratalbahn führen heute teilweise durch dichtes Dickicht.
Die Gleise der Wehratalbahn führen heute teilweise durch dichtes Dickicht. | Bild: Obermeyer, Justus

Angesichts der harten Fakten auf der Kostenseite warnte Kreisrat Klaus Denzinger (FDP) aus Wehr davor, bei der Bevölkerung überhöhte Erwartungen zu wecken. Er sieht hier eher ein Projekt für die „fernere Zukunft“.

Michael Thater (Freie Wähler) rät, sich zunächst einmal die „dicken Bretter“ Autobahn 98 und Elektrifizierung der Hochrhein-Bahn vorzunehmen. Alexander Guhl (SPD) sieht den Punkt kommen, an dem man sehe, „wieviel Geld aufzubringen wir bereit sind“.

Paul Ehrhart (CDU) wies im Zusammenhang mit dem Thema auf den Aspekt der vielen Berufspendler aus dem Raum Wehr in den Raum Basel. Ruth Cremer-Ricken (Grüne) sieht für die Bevölkerung aus diesem Raum durch die Bahnstrecke auch eine bessere Erreichbarkeit des künftigen Kreiskrankenhauses Lörrach – das ja größer als das Klinikum des Kreises Waldshut werden solle – gegeben.

Ja zum Wutachtal

Der längst begonnenen Wiederbelebung der 1976 stillgelegten Wutachtalbahn zwischen Lauchringen und Stühlingen gab das Kreisparlament dagegen einstimmig grünes Licht und bekannte sich zur „großen“ Lösung mit durchgebundenen Zügen von Stühlingen bis Waldshut.

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Auch, so Landrat Martin Kistler, um „den vollen Nutzen mitzunehmen“. Regierungsdirektor Walter Scheifele sagt dieser Variante ein höheres Fahrgastaufkommen voraus als der Strecke Stühlingen-Waldshut. Er sieht die Chance, in Waldshut gute Anschlussmöglichkeiten zu bieten.

Die Infrastruktur der Wutachtalbahn blieb auch nach der Stilllegung erhalten und wurde teilweise erneuert. Hier eine Schienenkreuzung ...
Die Infrastruktur der Wutachtalbahn blieb auch nach der Stilllegung erhalten und wurde teilweise erneuert. Hier eine Schienenkreuzung beim Gewerbegebiet Horheim-Schwerzen. | Bild: Heinz J. Huber

Lothar Probst, der Nahverkehrsexperte des Kreises, will Tempo machen. In der letzten Stufe sollen ab Winter 2027 die Schienenfahrzeuge elektrisch statt mit Diesel fahren, auch ohne Oberleitung im Wutachtal: Auf der dann elektrifizierten Hochrhein-Schiene zwischen Lauchringen und Waldshut soll das Triebfahrzeug seine Batterien für den nördlichen Streckenteil aufladen.

Ein Nachteil der Schienenbelebung trifft die Kreiskasse. Wegen der Verlagerung des Personenverkehrs aufs Gleis rechnet Probst mit einem größeren Fehlbetrag beim Betrieb der Busse, die im Wutachtal weiter gebraucht werden, um die Fläche zu bedienen.

Über einen „wichtigen Schritt für den Osten des Landkreises“ freute sich SPD-Sprecher Volker Jungmann. Laut dem Stühlinger Kreisrat Wolfgang Löhle (FW) freuen sich die Gemeinden des oberen Wutachtals auf diese interessante Chance. Franz Brüstle (FW) forderte, zur Steigerung der Nachfrage das Auto-Parken an den Haltepunkten kostenlos anzubieten.

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