Immer wieder kommt es zu Unfällen an Bahnhöfen und -übergängen. Erst Ende Juli ereignete sich in Schopfheim solch ein tragischer Unfall: Ein 17-Jähriger fuhr mit seinem Motorroller über die Gleise und wurde von der Wiesentalbahn erfasst. Er starb am Unfallort, seine Mitfahrerin (18) wurde lebensgefährlich verletzt – mittlerweile soll ihr Gesundheitszustand stabil sein. Die Polizei geht davon aus, dass die Schranke geschlossen war, als der 17-Jährige losfuhr.

Doch es sind nicht nur fahrende Züge in Verbindung mit Fehlverhalten an Bahnübergängen, die Bahnanlagen so gefährlich machen. „Bahnanlagen üben auf junge Menschen oft eine große Faszination aus und wecken die Neugierde. Es ist uns daher ein wichtiges Anliegen, jetzt zum Ferienbeginn noch einmal auf das richtige Verhalten aufmerksam zu machen“, erklärt Thomas Schlageter, Beauftragter für Prävention bei der Bundespolizeiinspektion Weil am Rhein. „Jeder Unfall ist einer zu viel – und durch das Befolgen einiger einfacher Regeln zu vermeiden.“ Vor allem um die Warnung junger Menschen geht es den Sicherheitsexperten.

Denn viele Familien bleiben während der Sommerferien in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie zu Hause oder verbringen ihren Urlaub in Deutschland. Darum weisen Deutsche Bahn und Bundespolizei auf die Gefahren in Bereichen von Bahnhöfen und Gleisanlagen hin und bitten alle Menschen eindringlich darum, Gleisen und Oberleitungen fern zu bleiben.

Bahnunfälle im Süden von Baden-Württemberg 2020 (Auswahl, Quelle: Polizeiberichte)

Um Risiken zu vermeiden lautet der wichtigste Grundsatz: „Es ist verboten, Bahnanlagen zu betreten! Wo Züge fahren, ist kein Platz für Abenteuer.“
Auch wenn Fotos im Gleis oder die Abkürzung über die Schienen verlockend und berechenbar erscheinen – hier droht ernste Gefahr, so der Präventionsbeauftragte.

Das müssen Sie wissen

  • Züge fahren zu jeder Tages- und Nachtzeit und können, anders als Straßenfahrzeuge, nicht ausweichen.
  • Bis zu 1000 Metern dauert es, bis ein Zug nach einer Vollbremsung steht. Außerdem werden die Fahrzeuge immer leiser und sind somit erst spät zu hören.
  • Ein elektrisch betriebener Zug – selbst mit über 200 Stundenkilometern – ist für das menschliche Ohr erst wahrnehmbar, wenn er bereits vorbeifährt.
  • Züge durchfahren Bahnhöfe mit Geschwindigkeiten von bis zu 160 Stundenkilometern. Durch den entstehenden Luftsog können unmittelbar an der Bahnsteigkante befindliche Gegenstände in Bewegung geraten.

Strom: Die unsichtbare Gefahr

„Das Klettern auf abgestellte Züge ist ebenfalls lebensgefährlich“, warnt Thomas Schlageter von der Bundespolizei. Immer wieder passieren Bahnstromunfälle, bei denen Kinder oder Jugendliche beteiligt sind. Die meisten enden mit schwersten Verletzungen oder tödlich.

Hier kann das Klettern tödlich enden: Schilder weisen an einer Stromanlage auf dem Singener Bahnareal auf Gefahren hin.
Hier kann das Klettern tödlich enden: Schilder weisen an einer Stromanlage auf dem Singener Bahnareal auf Gefahren hin. | Bild: Sabine Tesche

So auch bei einem Stromunfall in Konstanz im Juni 2014. Damals war nachts im Konstanzer Bahnhof ein 21-Jähriger auf einen Seehas-Zug geklettert. Der junge Mann wollte noch drei Begleiter animieren, ihm zu folgen. Wenig später traf ihn ein Lichtbogen aus der 15.000-Volt-Leitung. Der 21-Jährige starb auf dem Dach des Zuges.

Oft ist den jungen Menschen gar nicht bewusst, dass die Bahn-Oberleitung eine Spannung von 15.000 Volt führt. Das ist etwa 65-mal mehr als in der Steckdose zu Hause. Und man muss die Oberleitung nicht einmal berühren. Schon bei bloßer Annäherung kann es zu einem lebensbedrohlichen Stromüberschlag kommen. „Daher unser Appell: Bleibt bitte den technischen Bahn- und Abstellanlagen fern!“

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