Nach dem tödlichen Unfall am späten Samstagabend, bei dem ein 17-jähriger Rollerfahrer am Bahnübergang in der Hohe-Flum-Straße unter eine S-Bahn geriet und ums Leben kam, ist die 18-jährige Mitfahrerin offenbar außer Lebensgefahr. Wie die Polizei mitteilt, ist der Zustand der jungen Frau stabil. Sie war mit schwersten Beinverletzungen ins Krankenhaus gekommen.

An der Unfallstelle haben Freunde und Bekannte Blumen niedergelegt, eine Kerze brennt im trockenen Gras direkt neben den Bahngleisen. Markierungen der Polizei deuten noch an, was sich hier in der Nacht zum Sonntag kurz vor Mitternacht abgespielt hat. Und obwohl inzwischen mehr Licht ins Dunkel um den furchtbaren Unfall gekommen ist, weiß noch immer niemand, warum der 17 Jahre junge Schopfheimer seinen Roller auf die Gleise gelenkt hat, direkt vor eine in die Haltestelle Schopfheim West einfahrende S-Bahn.

Zwischen den Markierungen der Unfallermittler brennt eine Kerze. Freunde und Bekannte haben am Unfallort in der Hohe-Flum-Straße Blumen niedergelegt.
Zwischen den Markierungen der Unfallermittler brennt eine Kerze. Freunde und Bekannte haben am Unfallort in der Hohe-Flum-Straße Blumen niedergelegt. | Bild: Nicolai Kapitz

Denn wie genau sich der tragische Unfall abgespielt hat und welche Hintergründe er hat, ist laut Polizeipressesprecher Jörg Kiefer noch unklar. Fest steht, dass der junge Mann seinen Roller aus Richtung Wiechs kommend um die geschlossene Halbschranke herummanövrierte, um die Gleise zu überqueren. Wann und ob überhaupt er die aus Richtung Zell herankommende S-Bahn sah – es ist schwer zu rekonstruieren. Die harten Fakten: Der 17-Jährige war mit seinem Roller gegen 23.45 Uhr unter den Zug nach Basel gekommen und einige Meter mitgeschleift worden. Dabei erlitt er tödliche Verletzungen. Zeugen, die an der unmittelbar benachbarten S-Bahn-Haltestelle Schopfheim West auf den Zug nach Basel warteten, wollen noch gehört haben, wie jemand – mutmaßlich die Beifahrerin – mehrfach laut „halt an“ und „stop“ gerufen hat. Daraufhin soll der Teenager das Zweirad sogar noch einmal beschleunigt haben, womöglich, um noch knapp vor der Bahn über die Gleise zu kommen.

Doch obwohl die Bahn bei der Einfahrt in den Haltepunkt bremste und nicht mit hoher Geschwindigkeit fuhr, wurde der Roller von dem mehr als Hundert Tonnen schweren Zug erfasst und der Rollerfahrer geriet darunter. „Die junge Frau hatte großes Glück im Unglück“, so Kiefer. Sie sei beim Zusammenstoß nicht unter den Zug geraten, sondern gegen den Aufbau der S-Bahn geprallt und schwer verletzt auf Höhe des Bahnübergangs neben den Gleisen liegen geblieben.

Die S-Bahn kam nach einer Notbremsung im Haltepunkt Schopfheim West zum Stehen, nur wenige Meter vor ihrem eigentlichen planmäßigen Bremspunkt. Daher konnten die drei Fahrgäste und vier Bahnmitarbeiter im Zug auch sofort aussteigen. Unmittelbar nach dem Unfall rückten Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei zum Unfallort an. Zur Betreuung von geschockten Zeugen und auch von Angehörigen direkt an der Unfallstelle war das Kriseninterventionsteam im Einsatz. Offenbar waren auch Bekannte der beiden Teenager unter den Augenzeugen. „Wir können zu den Hintergründen noch nichts abschließend sagen“, sagt Jörg Kiefer. Die 18-jährige Beifahrerin konnte bisher wegen der Schwere der Verletzungen noch nicht vernommen werden. Voraussichtlich werde die Staatsanwaltschaft eine Blutuntersuchung veranlassen um herauszufinden, ob der 17-Jährige betrunken war oder anderweitig unter Einfluss von Drogen stand. Mit einem Ergebnis sei aber nicht innerhalb der nächsten Tage zu rechnen.

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