Seit Wochen ist es unerträglich heiß. Also bestelle ich im Internet ein Schlauchboot für knapp 100 Euro und trommle ein paar Freunde zusammen. Der Plan: Eine gemütliche Sonntags-Schlauchboottour von Hohentengen nach Waldshut, mit Vesper-Mittagspause am Ufer. Die Realität: Niedrigwasser!

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Am Freitag vor der Schlauchtour telefoniere ich sicherheitshalber mit David Lehr, dem stellvertretenden Bezirksleiter der DLRG-Hochrhein. „Durch die Hitze ist der Pegelstand mindestens einen Meter zu niedrig“, warnt er, „mit ihren Discounter-Booten kommen Sie auf keinen Fall über den Ettikoner Lauffen – die Steine zerfetzen ihnen die Gummiboote“.

Der Lauffen ist ein Naturschutzgebiet mit Stromschnellen im Rhein, an dem Baden strengstens verboten ist. Steinerne Ausläufer des Juramassivs machen das Wasser an dieser Stelle flach und unberechenbar.

Das Rheinkraftwerk in Reckingen. Bild: Sira Huwiler
Das Rheinkraftwerk in Reckingen. Bild: Sira Huwiler

Er empfiehlt stattdessen oberhalb des Kraftwerks von Reckingen anzufangen. „Dort ist genügend Wasser“, sagt er. Also: Planänderung! „Ziehen Sie Schwimmwesten an, cremen Sie sich gut ein und fahren Sie beim Kraftwerk rechtzeitig auf die richtige Seite zum Auswassern“, rät Lehr und wünscht uns „einen schönen Ausflug auf dem Bach“.

Die Boote sind aufgeblasen und stehen auf dem kleinen Kiesstrand in Hohentengen-Herdern zur Abfahrt bereit. Bild: Sira Huwiler
Die Boote sind aufgeblasen und stehen auf dem kleinen Kiesstrand in Hohentengen-Herdern zur Abfahrt bereit. Bild: Sira Huwiler

Am Sonntag treffe ich mich mit acht Freunden am Campinglatz in Hohentengen-Herdern. Hier ist der Rhein ein smaragdgrünes Naturidyll. Alte Eichen und rund gewaschene Kieselsteine säumen den Strand. Wir haben zwei Dreimann-Boote, ein Zweimann-Boot und ein Beiboot für eine Person. Und die müssen erst mal aufgeblasen werden.

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Bei 28 Grad machen wir uns mit manuellen und einer elektrischen Pumpe, die am Zigarettenanzünder im Auto angeschlossen werden kann, an die Vorbereitungen. Der nette Herr vom Camping-Kiosk hilft gerne, präsentiert uns stolz seine superschnelle elektrische Pumpe.

Reporterin Sira Huwiler schützt sich auf dem Schlauchboot mit Sonnenbrille und Mütze vor der Sonne. Bild: Sira Huwiler
Reporterin Sira Huwiler schützt sich auf dem Schlauchboot mit Sonnenbrille und Mütze vor der Sonne. Bild: Sira Huwiler

Wir schmieren uns dick mit Sonnencreme ein, Hüte und kühle Getränke sollen zusätzlich vor der Sonne schützen. Elektrogeräte und Autoschlüssel verstauen wir in Wasserdichten Taschen, außerdem packen wir ein Paar Ersatz-Ruder und eine Luftpumpe für den Notfall auf ein Boot. Dann paddeln wir los.

Eine Luftpumpe für den Notfall sollten Schlauchboot-Fahrer immer mit dabei haben. Bild: Sira Huwiler
Eine Luftpumpe für den Notfall sollten Schlauchboot-Fahrer immer mit dabei haben. Bild: Sira Huwiler

„Man ist das schön“, sagt einer und positioniert seinen Kopf gemütlich auf dem riesigen Außenschlauch. Das finde ich auch. Auch wenn man unsere gemütliche Tour bisher nicht als Wassersport bezeichnen kann. Wir ziehen ohne Anstrengung am Ufer mit ausgelassen badenden Menschen vorbei, begegnen Stand-Up-Paddlern, Motorbooten und anderen Schlauchbooten. Auch wir springen immer mal wieder ins kühle Wasser, um uns zu erfrischen.

Nur noch ein paar Paddelstöße, dann haben wir das Kraftwerk Reckingen erreicht und können durchatmen. Bild: Sira Huwiler
Nur noch ein paar Paddelstöße, dann haben wir das Kraftwerk Reckingen erreicht und können durchatmen. Bild: Sira Huwiler

Doch dann wieder schnell aufs Boot. Die erste kleine Herausforderung erwartet uns, die Zollbrücke zwischen Hohentengen und Kaiserstuhl. Jetzt bloß keinen Pfeiler rammen! Ein paar sanfte Paddelstöße genügen, um uns daran vorbei zu manövrieren. Nach rund vier Stunden auf dem Wasser merken wir: „Nichts geht mehr.“

Auf Höhe Lienheim-Rümikon herrscht bereits Stillstand. Je näher wir dem Kraftwerk kommen, desto weniger Strömung. Bild: Sira Huwiler
Auf Höhe Lienheim-Rümikon herrscht bereits Stillstand. Je näher wir dem Kraftwerk kommen, desto weniger Strömung. Bild: Sira Huwiler

Je näher wir dem Kraftwerk in Reckingen kommen, desto mehr gleicht der Rhein einem See – ohne Strömung. Aus der üblichen Geschwindigkeit von zwei bis drei Kilometern pro Stunde wird Stillstand. Also müssen wir paddeln. Google-Maps sagt noch rund fünf Kilometer bis Reckingen. Die Arme ziehen von den schweren Wassermassen, wir schwitzen, werden doch noch zu echten Wassersportlern. Als wir um eine Kurve biegen, ist das Kraftwerk endlich in Sicht.

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Anstrengende Minuten später sehen wir den großen rot-schwarz-weißen Pfeil am Ufer, der uns sagt, dass wir hier an der Schweizer Uferseite auswassern müssen. Wir steuern nach links, schieben unser Boot eine Betonrampe hinauf, tragen es die letzten Meter an Land und atmen durch.

Geschafft! Das Schild zum Auswassern am Kraftwerk Reckingen weist uns den Weg an Land. Bild: Sira Huwiler
Geschafft! Das Schild zum Auswassern am Kraftwerk Reckingen weist uns den Weg an Land. Bild: Sira Huwiler

Den Höhenunterschied von rund neun Meter am Kraftwerk kann man über die verlängerte Betonrampe zurücklegen. Bootstransportwagen aus Aluminium stehen gegen einen Euro oder einen Franken Pfand bereit.

Mobile Transportwagen stehen gegen Pfand am Rheinkraftwerk in Reckingen bereit. Bild: Sira Huwiler
Mobile Transportwagen stehen gegen Pfand am Rheinkraftwerk in Reckingen bereit. Bild: Sira Huwiler

Ein Teil von uns fährt weiter bis Kadelburg. Wieder rasanter, mit der Strömung von der geöffneten Schleuse am Kraftwerk, geht es zügiger voran. Rund eine Stunde später ist der rund fünf Kilometer entfernte Campingplatz in Kadelburg erreicht.

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Zum Vergleich: Für die rund elf Kilometer hatten wir beim ersten Teilstück beinahe vier Stunden gebraucht. Alle sind erschöpft und sich einig: „Das war zu ambitioniert. Das nächste Mal, planen wir eine kürzere Strecke und nehmen mehr Proviant mit.“ Schön war es trotzdem.

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Ausflugsziele auf dem Wasser

  • Schlauchboottouren auf eigene Faust sind zwischen den zehn über den Hochrhein verteilten Wasserkraftwerken möglich. Ab Rheinfelden ist der Hochrhein für die Binnenschifffahrt ausgebaut. Weniger Verkehr und nur kurze Unterbrechungen durch Wehre gibt es zwischen Lottstetten-Nack und Waldshut oder zwischen Murg und Schwörstadt. Kraftwerke, die Unterbrechungen erfordern, gibt es (von Ost nach West) in Eglisau, Reckingen, Albbruck-Dogern, Laufenburg, Bad Säckingen, Schwörstadt und Rheinfelden. Auch die Brücke in Laufenburg birgt Gefahren und muss ggf. durch Auswassern umgangen werden.
  • Geführte Bootstouren und Leihboote bietet die Tourist-Info Küssaburg (www.kuessaberg.info/touristinfo) oder Hochrhein Kanu in Murg (www.hochrhein-kanu.de) sowie Rheinraft in Rheinfelden und Weil am Rhein (https://rheinraft.com)
  • Tretboot fahren kann man in der Region etwa am Bergsee in Bad Säckingen (www.cafe-restaurant-bergsee.de). Bootsverleihe, die Tret-, Ruder- und Elektro-Boote vermieten gibt es etwa am Schluchsee (www.seerundfahrten.de) oder am Titisee (www.boote-titisee.de).
  • Stand-Up-Paddeling und Yoga auf dem Surfbrett gibt es in Wehr und Wallbach (www.sup-hochrhein.de). Surf- und Stand-Up-Paddeling-Kurse bietet Stonesurf in Stein/Säckingen an (www.stonesurf.ch).
  • Rheinfähren sind die gemächlichere Alternative zur Fortbewegung auf dem Wasser. Und am Hochrhein gibt es einige: Die kleine Rüedifaar bietet zwischen Ellikon und Lottstetten ein einmalig traditionelles Erlebnis. Rund- und Linienfahrten bietet die Rheinfähre Full-Waldshut (www.stadtwerke-wt.de). Ausflüge bieten das Fahrgastschiff Laufenburg (www.fahrgastschifffahrt-laufenburg.de) und der "Trompeter" in Bad Säckingen (www.trompeter-schiff.de ). Linien- und Sonderfahrten bietet die Fähre zwischen Kaiseraugst und Rheinfelden-Herten (www.kaiseraugst.ch).