Es duftet nach Heu und Pferden auf dem Behringer Hof in Murg-Hänner. Ein Hahn kräht, hoch oben auf dem Misthaufen hält die kleine Mischlingshündin Ranita (4) Ausschau nach den Gästen, die heute zur Planwagenfahrt kommen.

Reporterin Sira Huwiler darf an der Seite von Kutscherin Heidi Behringer mitfahren. Bild: Sira Huwiler
Reporterin Sira Huwiler darf an der Seite von Kutscherin Heidi Behringer mitfahren. Bild: Sira Huwiler

Kutscherin und Hof-Chefin Heidi Behringer (60) begrüßt mich mit festem Händedruck und herzlichem Lächeln: „Jetzt müssen wir die Rösser vorbereiten, Sie dürfen gerne zuschauen“, sagt sie und klatscht in die Hände. Vier Kutschen sollen heute für den Sommer-Betriebsausflug des Orthopädischen Zentrums Bad Säckingen mit 40 Arzthelferinnen und ihren Ärzten übers Murgtal rollen.

Zwei 800 Kilo-Pferde ziehen 800-Kilo-Planwagen

Ich darf mitfahren. Wuchtig wirken die rund 800 Kilo schweren Kaltblüter, die je zu zweit einen ebenfalls rund 800 Kilo schweren Planwagen mit je zehn Personen ziehen werden. Heidi und Ehemann Joachim (64) packen gemeinsam mit Helfern aus dem Dorf an, legen den frisch gestriegelten Norikern und Schwarzwäldern Fahrer-Zaumzeug, Bremsenschutz-Netze und ein Kumt-Geschirr an.

Haben sich mit dem Behringerhof ihren Traum erfüllt: Heidi und Joachim Behringer. <em>Bild: Sira Huwiler</em>
Haben sich mit dem Behringerhof ihren Traum erfüllt: Heidi und Joachim Behringer. Bild: Sira Huwiler

„Der Kumt ist wie eine Art Rucksack fürs Pferd, an dem der ganze Planwagen hängt“, erklärt Heidi Behringer. "Mit dem Zaumzeug lenke ich nach rechts oder links.“ Zwei Stunden dauern die Vorbereitungen. Kalte Getränke, Liederbücher und handgepflückte Wiesensträußchen verteilt Heidi noch in jedem Planwagen, dann bringen sich die Wagen hintereinander in Startposition und die Passagiere steigen ein.

Handgepflückte Blumensträuße schmücken jeden einzelnen Planwagen. Bild: Sira Huwiler
Handgepflückte Blumensträuße schmücken jeden einzelnen Planwagen. Bild: Sira Huwiler

Vor meine Kutsche sind die Schwarzwälder Wastl und Morice (beide 8) gespannt. Mit Heidi Behringer an meiner Seite und Hündin Ranita auf meinem Schoß, rollen wir hufeklappernd los. „Bis wir aus dem Dorf draußen sind, halten wir immer so viel Abstand zueinander, dass Autos in die Lücken springen und überholen können“, erklärt meine Kutscherin. Die Planwagen sind straßentauglich mit Licht, Blinker und Bremse ausgestattet. „Wenn es bergab geht, muss ich mit bremsen, damit der Wagen nicht auf die Rösser rollt“, sagt Heidi Behringer.

Mischlingshündin Ranita kuschelt sich während der Planwagenfahrt an Reporterin Sira Huwiler. Bild: Sira Huwiler
Mischlingshündin Ranita kuschelt sich während der Planwagenfahrt an Reporterin Sira Huwiler. Bild: Sira Huwiler

Rhythmisch klappern die Pferdehufe auf dem Asphalt, bis wir abbiegen und schließlich einen Waldweg erreichen. Die Arzthelferinnen hinten drin sind gut gelaunt und haben die Liederbücher entdeckt. Nach „Hoch auf dem gelben Wagen“ beweisen die Mädels Humor und grölen bei 30 Grad im Schatten freudig „O Tannenbaum“. Heidi lacht und erklärt grinsend: „Das Lied ist eigentlich für unsere Schlitten- und Käsfonduefahrten im Winter gedacht.“ Was soll’s! Was Spaß macht, ist erlaubt.

Video: Huwiler, Sira

Der Wald ist saftig grün, die Luft klar. Auf der Lichtung an der kleinen privaten Bildstöcklekapelle machen wir Rast. „Bei der Hitze ist das wichtig für die Tiere“, sagt Behringer, „aber zu lange können wir nicht bleiben, die Rossbremsen quälen unsere Tiere in den heißen Monaten zu sehr“. Je ein Helfer bleibt deshalb bei den Pferden stehen und wedelt mit Stöcken die stechenden Plagegeister weg.

Rossbremsen machen den Pferden in den heißen Monaten das Leben schwer. Ein Hof-Helfer wedelt die Plagegeister mit einem Stock fort. Bild: Sira Huwiler
Rossbremsen machen den Pferden in den heißen Monaten das Leben schwer. Ein Hof-Helfer wedelt die Plagegeister mit einem Stock fort. Bild: Sira Huwiler

Es geht weiter, vorbei an einem Barfußpfad, geschnitzten Eulen, Eichhörnchen-Skulpturen und dem bunten Traumfänger-Pfad, der ein bisschen surreal inmitten des so ruhigen, ursprünglichen Waldes wirkt. „Den Himmelsweg hat die KJG Landjugend aus Hänner angelegt“, sagt Heidi Behringer stolz.

Den Himmelsweg im Murgtal hat die KJG Landjugend aus Hänner gestaltet. Bunte Kunstwerke kann man überall im Wald entdecken. Bild: Sira Huwiler
Den Himmelsweg im Murgtal hat die KJG Landjugend aus Hänner gestaltet. Bunte Kunstwerke kann man überall im Wald entdecken. Bild: Sira Huwiler

Nach rund zwei Stunden sind wir total entschleunigt zurück auf dem Hof. Kalte Getränke und Snacks stehen für die Ausflugsgäste bereit und vor allem die Chefs der Arzthelferinnen, Jens Bayer, Tobias Noll, Michael Mohr und Oleg Mironov sind sich einig: „Das war ein toller Sommer-Ausflug. Solche Begegnungen mit Tier und Natur stärken das Teamgefühl.“

Die Schwarzwälder Wastl und Morice sind nach der Pause froh, dass es weiter geht und sie die fiesen Rossbremsen hinter sich lassen können. Bild: Sira Huwiler
Die Schwarzwälder Wastl und Morice sind nach der Pause froh, dass es weiter geht und sie die fiesen Rossbremsen hinter sich lassen können. Bild: Sira Huwiler

Nachdem Behringer mit ihren Helfern die Planwagen aufgeräumt, die Tiere von Zaumzeug befreit und die Pferde abgeduscht hat, sitzt sie zufrieden in geselliger Runde: „Das Besondere an unserem Hof ist, dass jeder einfach kommen darf“, sagt Heidi. "Bei uns können auch Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer mitfahren oder selbst den Kutscherschein machen.“ 2008 hat sie den Verein Rollikutscher gegründet und bietet seit 2016 die in Deutschland einzigartige Ausbildung für Rollstuhlfahrer an.

Nach der Kutschfahrt gibt es eine Wellness-Dusche fürs Pferd. Bild: Sira Huwiler
Nach der Kutschfahrt gibt es eine Wellness-Dusche fürs Pferd. Bild: Sira Huwiler

„Gutes tun, Menschen die Natur- und Tierwelt näher bringen – das macht glücklich“, sagt sie mit seligem Gesichtsausdruck, „mit dem Behringer Hof habe ich mir meinen Lebenstraum erfüllt“. Bis in den November sind die Fahrten an Wochenenden ausgebucht. Unter der Woche sind noch einzelne Plätze frei. „Einfach anrufen oder bei einem Streichelbesuch auf dem Hof persönlich fragen“, sagt Heidi, „wir finden meistens eine Lösung.“

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Tierische Ausflugsziele

  • Aktiv-Touren mit tierischem Begleiter gibt es in der Region vielerorts: Kutschfahrten (Behringer Hof, Murg-Hänner (https://murgtal-fahrten.de); Birkenhof Kiefer, Schluchsee (www.birkenhof-kiefer.de); Hof Waldeck, Grafenhausen (www.hof-waldeck.de); Pferdepension Zimmermann, Todtmoos (www.kutschfahrten-todtmoos.de). Mit Huskys durch den Schwarzwald wandern kann man in Löffingen (www.huskytouren-hochschwarzwald.de), ohne Wolf aber dafür auf den Spuren des sagenumwobenen Tieres wandern kann man auf dem Wolfsweg Schwarzwald (www.landkreis-waldshut.de).
  • Heimische Tiere kann man ganztags in den zahlreichen Wildgehegen der Region streicheln, füttern und bestaunen: Waldshut (zahlreiche Gehege und Waldspielplatz, Eintritt frei, Spende erwünscht, www.wildgehege-waldshut.de); Bad Säckingen (Tiergehege mit Wildschweinen, Rot-, Sika- und Damwild am Bergsee, Eintritt frei); Tierpark Bad ZurzachZurzach (heimische und exotische Tiere wie Affen und Papageien, Eintritt frei, Spende erwünscht, www.tierpark-badzurzach.ch); Menzenschwand (Gehege mit Spielplatz und Gartenschach); St. Blasien (Wildgehege mit Kinderspielplatz).
  • Vögel beobachten kann man im Vogelpark Steinen (Falknerei, Vogelshows, Berberaffen-Fütterung, Kängurus, Täglich 10 bis 17 Uhr, Eintritt 19 Euro, ermäßigt ab 10 Euro (www.vogelpark-steinen.de). Außerdem lockt eine Storchenstation nach Möhlin/Ch (Storchen, Eulen und weitere Vögel, Eintritt frei, Spende erwünscht (www.moehlin-natur.ch/storchenstation).
  • Exotischere Vierbeiner bieten die Zoos in Basel (546 Tierarten, täglich 8 bis 18.30 Uhr, Eintritt 21 Franken, ermäßigt ab 10 Franken (www.zoobasel.ch ) und Zürich (über 370 Tierarten, täglich 9 bis 18 Uhr, Eintritt 26 Franken, ermäßigt ab 13 Franken (www.zoo.ch) sowie der Mundenhof in Freiburg (30 Tierarten, jederzeit zugänglich, Eintritt frei, Spende erwünscht (www.mundenhof.de). Am Bodensee liegt der Affenberg Salem mit über 200 Berberaffen, täglich 9 bis 18 Uhr, Eintritt 9 Euro, ermäßigt ab 6 Euro (www.affenberg-salem.de). Außergewöhnlich nah kommt man außergewöhnlichen Tieren in Knies Kinderzoo in Rapperswil (45 Tierarten, Elefantenreiten, Kamelreiten, Seelöwenvorführungen und Rösslitram, täglich 9 bis 18 Uhr, Eintritt 19 Franken, ermäßigt ab 6 Franken (www.knieskinderzoo.ch). (sih)