Alle Fenster des Gebäudes sind sperrangelweit geöffnet, teilweise wehen die Vorhänge im frühlingshaften Wind. Der Anblick des Ringhotels Denn der Gestank nach verschmorten Kabeln hängt auch noch Stunden nach dem Brand im Innern des Traditionshauses schwer in der Luft – und er wird umso drückender, je näher der Besucher kommt.

Bild: Peter Umstetter

Gedrückt ist derweil auch die Stimmung im Innern des Hauses. Doch bei den Mitarbeiter, die einzeln oder in kleinen Gruppen im Haus unterwegs sind, herrscht auch Tatendrang. Die Aufräumarbeiten im Erdgeschoss und in den oberen Stockwerken beginnen allmählich. Sie behelfen sich mit tragbaren Lampen. Noch immer ist der "Knopf" von der Stromversorgung abgeschnitten.

Nach der Insolvenz in Beuggen der zweite Rückschlag

Auch beim Hotel-Chef Christian Herzog schwankt die Stimmung zwischen Niedergeschlagenheit und Entschlossenheit. "Nachdem wir im Schlosshotel Beuggen derzeit eine Insolvenz abzuwickeln haben, ist das der zweite Tiefschlag innerhalb weniger Wochen. Das belastet natürlich extrem", sagt Herzog im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

Dabei war eigentlich geplant, dass Herzog zum 1. März nach zweijähriger Unterverpachtung wieder das operative Geschäft des renommierten "Goldenen Knopfs" übernimmt – gewissermaßen ein "glücklicher Neuanfang" nach all den Rückschlägen der vergangenen Wochen. Das sollte es auch für die Mitarbeiter sein, die er von Beuggen nach Bad Säckingen mitgebracht hat.

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Jetzt komme es anders. Doch entmutigen lasse sich das "Knopf"-Team davon nicht, sagt Christian Herzog. Es hätte ja alles auch noch viel schlimmer kommen können, hätten nicht die Mitarbeiter so vorbildlich reagiert und hätten die Einsatzkräfte von Feuerwehr, DRK und Polizei derart beispielhaft zusammengearbeitet: "Unterm Strich sind wir mit einem angekokelten blauen Auge davon gekommen. Jetzt versuchen wir, dass die Show so schnell wie möglich weitergehen kann."

Bild: Baier, Markus

Brandursache: technischer Defekt

Nach Ende der Löscharbeiten hat Herzog zunächst mit der Kripo und mit Handwerkern den Gebäudekomplex inspiziert: "Die guten Nachrichten sind, dass Brandstiftung ausgeschlossen werden kann und niemand verletzt worden ist", so Herzog.

Als Brandursache sei ein technischer Defekt festgestellt worden. Das Feuer sei demnach in einem Verteilerkasten im Keller ausgebrochen, schildert Herzog. "Eine Mitarbeiterin am Empfang hat Rauch bemerkt, der aus der Steckdose kam, und Alarm geschlagen."

Das Feuer zog über einen stillgelegten Kaminschacht nach oben und schoss mit großer Wucht aus einem Sicherungskasten im ersten Obergeschoss. Dort sind auch die schwersten direkten Schäden entstanden. Hitze und Wucht des Feuers haben hier förmlich den Putz von den Wänden platzen lassen.

Schwere Schäden sind insbesondere im ersten Stock entstanden. Hier brachen die Flammen aus einem Sicherungskasten heraus. Der Gesamtschaden liegt wohl bei 250000 Euro, schätzt Christian Herzog. Bild: Markus Baier
Schwere Schäden sind insbesondere im ersten Stock entstanden. Hier brachen die Flammen aus einem Sicherungskasten heraus. Der Gesamtschaden liegt wohl bei 250000 Euro, schätzt Christian Herzog. Bild: Markus Baier | Bild: Peter Umstetter

Sachschaden ist immens, Sanierung unumgänglich

Den Sachschaden beziffert Herzog auf rund 250.000 Euro. Umfangreiche Aufräum- und Reinigungsarbeiten gebe es, denn Ruß habe sich gerade in den Fluren auf Böden und an Wänden abgelagert. Die Zimmer und die Einrichtung seien aber weitgehend verschont geblieben, so Herzog.

Zahlreiche grundlegende Renovierungsarbeiten. "Vor allem muss die komplette Elektrik und EDV erneuert werden." An der Giebelseite muss zudem die Fassade saniert werden. Mehrere Monate könne es dauern, bis alle Arbeiten abgeschlossen sind, kalkuliert Herzog. Denn die Renovierung soll im laufenden Betrieb erfolgen.

"Wir werden zügig den Betrieb wieder aufnehmen", betont der Hotelchef. Das Restaurant soll bereits am Dienstag wieder regulär geöffnet sein. Das Hotel soll "mit gewissen Einschränkungen" dann wiedereröffnen, wenn wieder im gesamten Gebäudekomplex Strom verfügbar ist, so Herzog weiter. Es sei zum Glück nur eines der Gebäude betroffen.

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