Die Auftragslage bezeichnet Pächter und Betreiber Christian Herzog als sehr gut, dennoch hat er für das SchlosshotelBeuggen GmbH Insolvenz angemeldet. Für Oberbürgermeister, Wirtschaftsförderer und Kollegen der Gastronomie kommt diese Entwicklung überraschend. Der vorläufige Insolvenzverwalter Stephan Rüdlin teilt dazu mit, dass der Betrieb mit 22 Arbeitnehmern uneingeschränkt weiterlaufe. Gehaltszahlungen sind über das Insolvenzgeld abgesichert, heißt es.

2016: Zeichen stehen auf einer glänzenden Zukunft

Als Ende 2016 Architekt und Investor Kai Flender als neuer Besitzer das 800 Jahre alte Ensemble von der evangelischen Landeskirche Baden übernahm, standen die Zeichen auf Neuanfang und glänzende Zukunft. Im März 2017 wurde das zeitgemäß umgebaute Hotel mit 27 Zimmern, Tagungs- und Seminarräumen, Restaurant und Bar eröffnet. Mit dem zukunftsorientierten Projekt verband sich die Erwartung, dass die Schlossanlage touristisch für Rheinfelden als herausragender Veranstaltungsort punktet.

Betreiber verweist auf einen zu hohen Kostenblock

Seit dem 2. Januar stehen die Zeichen aber auf wirtschaftliche Schwierigkeiten. Betreiber Herzog sieht die Gründe in einem zu hohen Kostenblock, an dem Pacht und Wareneinsatz eine Rolle spielen. Die Umsatzspitzen von März bis Oktober haben sich in den ruhigeren Zeiten nicht mehr ausgleichen lassen. Hochzeiten tragen zu einem Drittel zum Umsatz bei, merkt Herzog an. Insolvenzverwalter Stephan Rüdlin von der Kanzlei SGP Schneider Geiwitz & Partner kündigt aber an, sich einzusetzen und eine dauerhafte Lösung zu finden.

Stephan Rüdlin verschafft sich einen Überblick

Mit seinem Team habe er sich bereits vor Ort ein Bild von der Lage verschafft. Wichtig ist Rüdlin, darauf hinzuweisen, dass der Drei-Sterne-Beherbergungsbetrieb sowie die Gastronomie weitergehen, so dass Gäste Zimmer buchen und reservieren können. Das Haus wieder auf Kurs zu bringen, hat sich Herzog fest vorgenommen. Die Voraussetzungen dafür seien gegeben, die Bücher seien voll.

OB fühlt sich ein Stück weit vor den Kopf gestoßen

Von der Entwicklung der SchlosshotelBeuggen GmbH überrascht zeigte sich am Montag auf Anfrage Oberbürgermeister Klaus Eberhardt, der sich ein Stück weit vor den Kopf gestoßen gefühlt habe. Er verwies darauf, dass Christian Herzog als Mitglied des runden Tisches der Wirtschaftsförderung den Austausch gepflegt habe und die Stadt mit Veranstaltungen wie der Tagung der Fachkräfte-Allianz aus den Landkreisen Lörrach und Waldshut im vergangenen Herbst gute Erfahrungen gemacht habe. Die Stadt habe alles unternommen, um Schloss Beuggen als Tagungsort zu protegieren.

Eberhardt vermutet betriebliche Gründe

Die Anlage habe auch bei der Teilnahme der Wirtschafts- und Tourismusförderung an einer Tourismusmesse in Erfurt eine wichtige Rolle gespielt, um das Hotel zu integrieren, erklärt der OB. Der Stadt sei es wichtig, Schloss Beuggen wegen seines Alleinstellungsmerkmals in der Lage und der geschichtlichen und baulichen Substanz, auch herauszustellen. Dass diese wirtschaftlich bedauerliche Entwicklung trotz der guten Form der Zusammenarbeit eingetreten sei, müsse nach Eberhardts Einschätzung mit betrieblichen Gründen zu tun haben.

Insolvenzgericht bestätigt Zahlungsunfähigkeit

Die vom Insolvenzgericht bestätigte Zahlungsunfähigkeit der GmbH hat Wirtschaftsförderer Elmar Wendland unerwartet getroffen: „Ich wusste von nichts.“ Für ihn erscheint es jetzt wichtig, der Sache auf den Grund zu gehen, das Gespräch zu suchen und Möglichkeiten zu prüfen. Die Erfahrungen mit dem Betrieb sieht er aufgrund der vielen positiven Reaktionen von Gästen als positiv. Auch Alexandra Mußler als erfahrene Kennerin der Gastro- und Hotelszene hat die Nachricht überrascht.

Umsätze sind in der Branche rückläufig

Die Dehoga-Kreisvorsitzende und Inhaberin des Storchen in Riedmatt gibt aber zu bedenken, dass in der Branche die Umsätze rückläufig seien. „Die Kosten fressen uns auf“, betont Mußler, "aber der Kuchen wird nicht größer." Dabei spielt sie auf die Rahmenbedingungen insgesamt an. Neue Hotels, die sich gegenseitig Konkurrenz machen, weniger Messegäste und der Preis- und Erfolgsdruck, der über die Buchungsportale entstehe. Die Preise gingen nach unten, dabei werde alles im Betrieb teurer. Und ein „Riesenbetrieb“, wie sie Schlosshotel und Restaurant nennt, müsse da schon gute Umsätze machen, um Gewinn zu erwirtschaften. Pacht zu zahlen, erweise sich da als Belastung.