Das Areal rund um den Gesundheitscampus Bad Säckingen samt angrenzendem Kurgebiet wird im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs großflächig neu strukturiert – und zwar noch umfangreicher als es die Stadtverwaltung eigentlich geplant hat. In seiner jüngsten Sitzung hat der Gemeinderat nämlich mehrheitlich dafür gestimmt, auch den geplanten Kindergarten auf dem Campus-Gelände in den Wettbewerb einzubinden, um eine „Planung aus einem Guss“ zu erhalten. Und das, obwohl die Leiterin des städtischen Referats Kindergärten, Claudia Götz, regelrecht Alarm schlug. Der Bedarf an zusätzlichen Betreuungsplätzen ist nämlich immens. Längst kann die Stadt die Nachfrage zum nächsten Kindergartenjahr nicht abdecken.

Immenser Platzbedarf

„Es pressiert. Wir brauchen schnellstmöglich einen weiteren Kindergarten mit drei Gruppen.“ So lautete der Appell von Claudia Götz an den Gemeinderat. Zum nächsten Kindergartenjahr gibt es demnach für die U-3-Betreuung elf Anmeldungen mehr als die Stadt Plätze anbieten kann. 15 weitere Eltern haben Interesse an einem Betreuungsplatz bekundet, so Götz. In Sachen Regelkindergarten-Plätzen für Drei- bis Sechsjährige sieht die Sache noch dramatischer aus. Hier fehlen 31 Plätze.

Der auf dem Campus-Gelände geplante Kindergarten mit 37 Plätzen für Über-Dreijährige und 15 für die U-3-Betreuung könnte hier Abhilfe schaffen. Doch während der Gemeinderat sowohl der geplanten Größe des Kindergartens mit drei Gruppen mit großer Mehrheit (20 Ja-Stimmen, eine Enthaltung) zustimmte, und dem Vincentiusverein mit ebenso großer Mehrheit die Trägerschaft übertrug, stimmte das Gremium letztlich mit 13 gegen sieben Stimmen bei einer Enthaltung dafür, die Kindergartenplanung in den Wettbewerb einzubinden.

Dabei hatte Stadtbaumeisterin Margit Ulrich dargestellt, dass es nach einer Voruntersuchung im Grunde nur einen praktikablen Standort für die Kita gebe, nämlich südlich des Krankenhaus-Gebäudes. Diese Fläche böte nicht nur genügend Platz für den geplanten Kindergarten, dessen Baukosten mit gut drei Millionen Euro veranschlagt werden. „Es gibt auch Erweiterungspotential“, so Ulrich. Insofern könnten dann auch Plätze für Kinder von auswärtigen Campus-Mitarbeitern zur Verfügung gestellt werden, falls Bedarf besteht. Auf Akzeptanz stieße das Vorhaben auch bei den Anwohnern.

Knackpunkte wären allerdings, dass der bestehende Fußweg von Süden her als Zugang zum Campus verlegt werden und bestehende Bäume gefällt und neue gepflanzt werden müssten. Doch ungeachtet dessen ist eine Bebauungsplanänderung notwendig, um im Bereich Kurgebiet einen Kindergarten bauen zu dürfen.

„Keine Schnellschüsse“

Eben dies sorgte im Gemeinderat für eine lebhafte Diskussion. Statt etwas übers Knie zu brechen, sprach sich die Mehrheit dafür aus, die Kindergarten-Standortfrage in die erste Phase des städtebaulichen Wettbewerbs einzubeziehen, mit dem das Kurgebiet neu strukturiert werden soll (siehe nebenstehenden Beitrag). Im September könnte somit eine Entscheidung vorliegen und in die Detailplanung eingestiegen werden, wie Frank van Veen (SPD) vorrechnete: „Da ein Bebauungsplan-Änderungsverfahren viel Zeit in Anspruch nimmt, könnte mit einem Bau ohnehin frühestens im Herbst begonnen werden.“ Eine nennenswerte Verzögerung sei also durch den Wettbewerb nicht zu erwarten.

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Diese Ansicht stieß fraktionsübergreifend auf Zustimmung. Ruth Cremer-Ricken (Grüne) konstatierte: „Wir planen auf dem Campus-Gelände Investitionen in Höhe von 40 Millionen Euro. Bei einem solchen Mammutprojekt muss eine Gesamtschau zugrunde gelegt werden.“ Dies auch nicht zuletzt deshalb, weil der Investitionsbedarf bei der Kinderbetreuung auch in den nächsten Jahren anhalten werde. Insofern müsse gut gehaushaltet und gegebenenfalls auch Übergangslösungen zur Erweiterung bestehender Einrichtungen geprüft werden, um den ärgsten Nachfragedruck abzufangen.

Auch Clemens Pfeiffer (CDU) warnte davor, nun mit einer übereilten Standortentscheidung mögliche weitere Synergien zu den anderen Campus-Einrichtungen zu verbauen: „Wir wollen hier etwas aus einem Guss schaffen, das auch lange Bestand hat.“

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Bau umfasst drei Gruppen

Wie Margit Ulrich darstellte, bleibe das Preis-Niveau übrigens ungeachtet der Größe der Einrichtung gleich. Drei Millionen Euro seien demnach der Grundpreis für einen dreigruppigen Kindergarten. Eine Erweiterung schlage mit 500.000 Euro pro Gruppe zu Buche. Eine deutlich größere Einrichtung als die jetzt geplante zu bauen, bringe also keine finanziellen Vorteile.

Indes riet Bürgermeister Alexander Guhl schon aufgrund des erhöhten Personalbedarfs davon ab, größer als drei Gruppen zu bauen. Die Kindergartenplanung mit dem städtebaulichen Wettbewerb zu verknüpfen, wertete Guhl zwar als machbar. Allerdings sieht er durchaus massive Verzögerungen durch dieses Vorgehen, denn andernfalls hätte wohl bereits im Juni mit dem Bau des Kindergartens begonnen werden können. Außerdem gehe er davon aus, dass am Ende kein anderer Standort herauskommen werde. Die enge Verbindung zum Gesundheitscampus sieht er derweil schon dadurch gewährleistet, dass der Kindergartenträger Vincentiusverein bekanntlich auch Träger des geplanten Seniorenheims und Mitgesellschafter der Rehaklinik ist, die ebenfalls auf den Campus ziehen wird.

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Der städtebauliche Wettbewerb

Bei dem Wettbewerb handelt es sich um ein Verfahren, das die Überplanung des Bad Säckinger Kurgebiets erleichtern soll, wie Thomas Thiele, Architekt und Experte für Wettbewerbsverfahren, erklärt. Das Campus-Areal samt umliegendem Kurgebiet sei geradezu prädestiniert für einen Wettbewerb: „Es handelt sich um ein städtebaulich äußerst anspruchsvolles Gebiet, bei dem noch dazu umfangreiche naturschutzrechtliche Belange berücksichtigt werden müssen.“ Hinzu kommen vielseitige Anforderungen an die geplanten Gebäude, die Infrastruktur, aber auch Zeitdruck und ein enger finanzieller Spielraum. „Ein Wettbewerb ist die einzige Möglichkeit, 30 Lösungsvorschläge für die bestehende Problematik zu erhalten, wobei am Ende nur fünf bezahlt werden müssten“, so Thiele. Denn nur die Preisträger erhalten ein Honorar. Veranschlagt sind Gesamtkosten von 100 000 Euro.

Der Planungswettbewerb soll in zwei Stufen stattfinden: Phase eins ist „Ideenwettbewerb Gesundheitscampus“ und als Realisierungswettbewerb für das Seniorenzentrum. Die Vorbereitung soll dabei bis Mai dauern, schon im Juni könnten die ersten Vorschläge eingehen. Im September, so die Planung, würde auf dieser Basis Phase zwei gestartet. Zum Jahresende könnte dann der Wettbewerb beendet sein. Die konkrete Gebäudeplanung soll daran anknüpfen. Baubeginn für das Seniorenheim wäre dann im Lauf der nächsten zwei Jahre. (msb)

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