„Als Schüler fand ich die Atomkraft faszinierend“, sagt Bernd Friebe. Erste Zweifel an der Technologie, die mittels Kernspaltung Energie erzeugt, kamen dem späteren Physik- und Mathematiklehrer am Wirtschaftsgymnasium Waldshut jedoch als Student in Freiburg. „Als bei Wyhl am Kaiserstuhl ein Kernkraftwerk gebaut werden sollte, dachte ich: Das ist nicht das Richtige“, erzählt der heute 72-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung.

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Zu wenig beherrschbar sei die Technologie und die Suche nach einem geeigneten Endlager auch für hochradioaktiven Atommüll im deutsch-schweizerischen Grenzgebiet bis heute nicht abgeschlossen, gibt der ehemalige Kreisrat der Grünen zu bedenken.

Damals und heute

Als der junge Pädagoge 1976 an den Hochrhein versetzt wurde, gab es im schweizerischen Leibstadt in Sichtweite zu Waldshut und Dogern noch keinen Kühlturm, dessen Wasserdampfwolke schon von Weitem sichtbar in den Himmel aufsteigt. Widerstand gegen das geplante Atomkraftwerk hatte sich jedoch bereits nach Bekanntwerden der Pläne Mitte der 1960er-Jahre geregt.

Bernd Friebe im Jahr 1978 mit Bart und Kinderrucksack bei einer Demonstration gegen das Kernkraftwerk Leibstadt. Trotz zahlreicher Proteste ging die Anlage gegenüber von Dogern und Waldshut 1984 in Betrieb.
Bernd Friebe im Jahr 1978 mit Bart und Kinderrucksack bei einer Demonstration gegen das Kernkraftwerk Leibstadt. Trotz zahlreicher Proteste ging die Anlage gegenüber von Dogern und Waldshut 1984 in Betrieb. | Bild: privat

Bernd Friebe schloss sich der Bürgerinitiative (BI) gegen Atomkraftwerke und Umweltgefährdung Hochrhein (BAU) an. Die Gruppe demonstrierte in Waldshut, Baden, Leibstadt und Bern gegen das AKW-Projekt, organisierte Veranstaltungen und gab Pressemitteilungen heraus. „Wir haben das damals Übliche gemacht. Twitter und WhatsApp gab es ja noch nicht“, erzählt Friebe, wie die Mitglieder der BI versuchten, auf ihr Anliegen aufmerksam machten.

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„Den Erfolg sehen Sie“, sagt der gebürtige Schleswig-Holsteiner trocken. Anders als am Kaiserstuhl, wo die Kernkraftwerks-Pläne in Wyhl auf Initiative einer Anti-Atomkraft-Bewegung gestoppt wurden, ging die Anlage in Leibstadt trotz langjähriger Proteste diesseits und jenseits des Rheins 1984 in Dauerbetrieb. „Die Enttäuschung war groß“, erinnert sich Bernd Friebe.

Das Kernkraftwerk Leibstadt ging nach mehrjähriger Planungs- und Bauzeit Ende 1984 in Betrieb. Das Foto zeigt den Baufortschritt im Jahr 1981. Im Hintergrund sind der Rhein und die Stadt Waldshut zu sehen.
Das Kernkraftwerk Leibstadt ging nach mehrjähriger Planungs- und Bauzeit Ende 1984 in Betrieb. Das Foto zeigt den Baufortschritt im Jahr 1981. Im Hintergrund sind der Rhein und die Stadt Waldshut zu sehen. | Bild: Kernkraftwerk Leibstadt

Obwohl die Bürgerinitiative ihr eigentliches Ziel, das AKW Leibstadt zu verhindern, nicht erreicht habe, zeigt er sich rückblickend stolz auf einige Teilerfolge: „Wir haben erkämpft, dass die deutsche Seite ein Einspruchsrecht vor einem Schweizer Gericht bekam, und wir haben dazu beigetragen, dass das Thema Gefährdung durch AKWs nicht vergessen wird.“

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Zudem war aus der Bürgerinitiative gegen Atomkraftwerke und Umweltgefährdung der Ortsverband Waldshut-Tiengen von Bündnis 90/Die Grünen hervorgegangen. Im Gemeinderat der Doppelstadt bilden die Grünen mittlerweile die zweitstärkste Fraktion.

Bernd Friebe heute. Der pensionierte Lehrer engagiert sich bei der mit der Endlagersuche befassten Regionalkonferenz Nördlich Lägern.
Bernd Friebe heute. Der pensionierte Lehrer engagiert sich bei der mit der Endlagersuche befassten Regionalkonferenz Nördlich Lägern. | Bild: Juliane Schlichter

Vor wenigen Jahren stellte die BI ihre Arbeit ein. Bernd Friebe engagiert sich weiterhin als Vertreter des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) bei der mit der Schweizer Endlagersuche befassten Regionalkonferenz Nördlich Lägern. „Mich beschäftigt die Frage nach dem Tiefenlager“, sagt der 72-Jährige gegenüber dieser Zeitung, auch wenn dieses voraussichtlich nicht mehr zu seinen Lebzeiten realisiert werde.

„Die jungen Leute sind gefragt“, richtet der Pensionär einen „moralischen Appell“ an die Jugend, sich zu engagieren. In der Fridays-for-Future-Bewegung, bei der vor der Corona-Krise überwiegend Schüler gegen den Klimawandel auf die Straße gingen, sieht Bernd Friebe einen „Hoffnungsschimmer“.

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