Die Ferien zu Hause verbringen. Was sich seit Ausbruch der Corona-Pandemie und durch die Debatte um den Klimaschutz zum Trend entwickelt hat, ist in Waldshut-Tiengen bereits seit 40 Jahren Programm. 1981 fand das Betreuungsangebot Fez – kurz für „Ferien zu Hause“ – erstmals in der Doppelstadt statt. Es richtet sich an Kinder zwischen sieben und 13 Jahren, die nicht mit ihren Familien in den Urlaub fahren und dennoch in den Sommerferien etwas erleben möchten. Zum runden Geburtstag, der wegen Corona nicht mit einem großen Fest gefeiert werden kann, hat sich das Kinder- und Jugendreferat einen Kreativwettbewerb für Kinder ausgedacht.

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„Wir hatten große Ideen mit Theateraufführungen und Kinderkonzerten“, berichtet Amtsleiterin Silke Padova im Pressegespräch über die ersten Überlegungen zum 40-jährigen Bestehen von Fez. Doch Corona hat diese Pläne zunichte gemacht. „Wir haben runterreduziert und uns etwas überlegt, was wir auch schön finden“, sagt sie über den Kreativwettbewerb. „Wir laden Kinder ein, ein Geburtstagsgeschenk für Fez zu malen oder basteln“, fügt die Amtsleiterin hinzu. Die eingereichten Kunstwerke werden während der Sommerferien in den Schaufenstern verschiedener Geschäfte in Waldshut-Tiengen ausgestellt. Eine Prämierung soll es nicht geben. „Jedes Kind, das am Wettbewerb teilnimmt, bekommt ein kleines Dankeschön zurück“, betont Silke Padova.

Die Amtsleiterin berichtet im Pressegespräch auch von den Anfängen des Kinderferienprogramms. „Ursprünglich war Fez klein und überschaubar.“ Anfangs sei das Angebot sogar nur für die Söhne und Töchter von Verwaltungsmitarbeitern geplant gewesen. Doch diese Idee habe sich nicht durchgesetzt, und bereits für die erste Ferienfreizeit im Jahr 1981 meldeten sich mehr als doppelt so viele Jungen und Mädchen an, als es die Organisatoren von der Stadtverwaltung ursprünglich geplant hatten.

René Herklotz vom Kinder- und Jugendreferat der Stadt Waldshut-Tiengen und Amtsleiterin Silke Padova haben trotz Corona ein abwechslungsreiches Kinderferienprogramm auf die Beine gestellt. Darüber und über das 40-jährige Bestehen der Aktion „Fez – Ferien zu Hause“ freut sich auch Oberbürgermeister Philipp Frank (von links).
René Herklotz vom Kinder- und Jugendreferat der Stadt Waldshut-Tiengen und Amtsleiterin Silke Padova haben trotz Corona ein abwechslungsreiches Kinderferienprogramm auf die Beine gestellt. Darüber und über das 40-jährige Bestehen der Aktion „Fez – Ferien zu Hause“ freut sich auch Oberbürgermeister Philipp Frank (von links). | Bild: Juliane Schlichter

Inzwischen hat sich die zweiwöchige Veranstaltung mit der Kinderspielstadt Fezitty als Abschluss zur Erfolgsgeschichte entwickelt. „Beim letzten Fez im Jahr 2019 waren fast 200 Kinder und rund 60 Anbieter dabei“, berichtet Silke Padova stolz. Die Gastgeber, darunter zahlreiche Vereine aus Waldshut-Tiengen, machen es möglich, dass die jungen Teilnehmer in den Sommerferien ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Programm erleben.

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Auf die Frage nach den beliebtesten Fez-Veranstaltungen nennt René Herklotz, zuständig für die offene Kinder- und Jugendarbeit, die Programmpunkte Bouldern, Schnitzen, Minigolf und Tennis. Herklotz ist in diesem Jahr erstmals verantwortlich für die Fez-Aktion. „Wir haben ein buntes Programm für die Kinder“, erklärt er im Pressegespräch. Der Mitarbeiter des Kinder- und Jugendreferats geht davon aus, dass etwa die Hälfte der sonst üblichen Angebote realisiert werden kann. Im vergangenen Jahr war Fez aufgrund der Corona-Krise ganz ausgefallen. Als Alternative hatte das Kinder- und Jugendreferat die Aktion „Sommer in WT“ auf die Beine gestellt.

Corona schränkt die Fez-Macher auch in diesem Jahr ein. So könne beispielsweise das beliebte Bubble Soccer des SV Eschbach, bei dem sich die Teilnehmer über ihren Oberkörper aufblasbare und transparente Kugeln stülpen und damit Fußball spielen, aus Hygienegründen nicht durchgeführt werden. „Kleine Flächen wie Tennisschläger kann man hingegen leicht desinfizieren“, erklärt René Herklotz. „Wir sind vorbereitet“, sagt er über das Fez-Programm, das am 23. August beginnen soll. Ein entsprechendes Hygienekonzept sei festgelegt. Mit der Feuerwehr sei das Team im Gespräch wegen Corona-Schnelltests.

Auch die Kunst des Schachspiels, vermittelt durch die Schachgemeinschaft Waldshut-Tiengen (links Vorsitzender Gregor Müller) stand in den vergangenen Jahren bei der Ferienfreizeit auf dem Programm. (Archivbild)
Auch die Kunst des Schachspiels, vermittelt durch die Schachgemeinschaft Waldshut-Tiengen (links Vorsitzender Gregor Müller) stand in den vergangenen Jahren bei der Ferienfreizeit auf dem Programm. (Archivbild) | Bild: Schachgemeinschaft Waldshut-Tiengen

Statt der Kinderspielstadt Fezitty endet das Fez-Programm in der letzten Ferienwoche mit einem fünftägigen Theaterworkshop, bei dem die Kinder spielerisch Englisch lernen können. „Fezitty lebt von einer großen Kinderanzahl“, erklärt Silke Padova die Programmänderung. Wegen der coronabedingten Teilnahmebeschränkung und weil die Stadthalle Tiengen noch als Kreisimpfzentrum genutzt wird, habe man die Kinderspielstadt jedoch für dieses Jahr abgesagt.

Oberbürgermeister Philipp Frank äußert sich im Pressegespräch glücklich darüber, „unter diesen unsicheren Bedingungen ein buntes Programm auf die Beine stellen zu können“. Sein Dank gilt dem Team des Kinder- und Jugendreferats. Mit Blick auf den runden Geburtstag von Fez sagt das Stadtoberhaupt: „Wir feiern das Jubiläum – trotz oder gerade wegen Corona.“

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