Wegen des überraschenden Weggangs von Hochbauamtsleiter Lorenz Wehrle kann eine Reihe städtischer Projekte, die für dieses Jahr bereits vom Gemeinderat beschlossen sind, nicht planmäßig starten. Betroffen sind vor allem Vorhaben an Schulen, unter anderem Erweiterungen, Sanierungen und Brandschutzmaßnahmen. Auf Antrag der Freien Wähler wird jetzt die personelle Fluktuation im Rathaus unter dem seit 20. Oktober 2015 amtierenden Oberbürgermeister Philipp Frank Thema im Gemeinderat. 

In der jüngsten öffentlichen Gemeinderatssitzung informierte Bürgermeister Joachim Baumert darüber, dass Lorenz Wehrle sich beruflich verändert und zum 31. März die Stadtverwaltung Waldshut-Tiengen verlässt. Wegen einer weiteren Vakanz werden im Hochbauamt dann zwei Stellen unbesetzt sein, erklärte Baumert.

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Baumert schilderte die Konsequenzen, die sich aus dem personellen Engpass ergeben. Nach den Worten des Ersten Beigeordneten kann eine Reihe von Projekten, die für dieses Jahr vorgesehen sind, nicht wie geplant starten. Um mehrere Monate verschoben werden muss eine ganze Reihe von Maßnahmen. Die ursprünglich in der ersten Jahreshälfte geplanten Arbeiten am Schulhaus in der Tiengener Schulstraße, in das die Hans-Thoma-Schule nach dem Schultausch mit der Johann-Peter-Hebel-Schule zu Schuljahresbeginn 2020/21 ziehen wird, werden bis Juli zurückgestellt, wie Baumert in der Sitzung sagte.

Ebenfalls verschoben werden der Austausch der Heizung an der Heinrich-Hansjakob-Schule in Waldshut und die EDV-Nachrüstung im Neubau der Waldshuter Robert-Schuman-Realschule. Auch die Erweiterung der Grund- und Werkrealschule in Gurtweil und die Brandschutzmaßnahmen am Pavillon des Klettgau-Gymnasiums in Tiengen verzögern sich.

Der Bürgermeister zählte zudem Projekte auf, die im laufenden Jahr vermutlich gar nicht mehr umgesetzt werden können. So war am Hochrhein-Gymnasium in Waldshut 2020 unter anderem die Erneuerung der Chemie-Fachräume vorgesehen. „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass dies umgesetzt wird“, sagte Baumert. Auswirkungen gibt es auch auf das Klettgau-Gymnasium in Tiengen: Dort könne der Zugang zum Pavillon in diesem Jahr nicht mehr barrierefrei umgebaut werden. Nicht betroffen sind laut Baumert die zur Hälfte abgeschlossene Sanierung des Waldshuter Kornhauses und das Projekt Feuerwehrgerätehaus mit Kindergarten in Waldshut. „Das beginnen wir wie geplant im März“, so der Bürgermeister.

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Seit 2014, als der bisherige Leiter Martin Gruner zum Ersten Beigeordneten der Stadt gewählt wurde (auf Ende Januar 2017 trat er zurück), ist die Situation im städtischen Hochbauamt von Vakanzen geprägt. Der erste Nachfolger verließ das Rathaus noch während der Probezeit, eine danach vom Gemeinderat ausgewählte Architektin trat die Stelle gar nicht erst an. In der Folge blieb die Position zunächst unbesetzt. Und die schließlich zum Januar 2016 eingestellte Annemone Sewarte ging bereits wieder nach eineinhalb Jahren. Und nun verlässt auch der gegenwärtige Hochbauamts-Chef Lorenz Wehrle die Stadtverwaltung. Der Architekt aus Freiburg hatte im Oktober 2017 im Alter von 57 Jahren die Stelle angetreten.

Der Weggang war bereits vor der jüngsten Gemeinderatssitzung durch eine öffentliche Ausschreibung der Stelle bekannt geworden. Stadtrat Harald Würtenberger, Fraktionssprecher der Freien Wähler, nahm die neuerliche Vakanz zum Anlass für einen Antrag an die Stadtverwaltung.

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Weil beim Personal der Stadt ein „reger Wechsel“ zu verzeichnen sei, soll die Verwaltung eine Liste aller Mitarbeiter vorlegen, die seit dem 1. November 2015 „vorzeitig“ das Rathaus verlassen haben. Zum 20. Oktober 2015 hatte Oberbürgermeister Philipp Frank sein Amt angetreten. Laut dem Antrag der Freien Wähler sollen auch, soweit bekannt, die Gründe für den Weggang von Beschäftigten genannt werden.

Für den Antrag der Freie-Wähler-Fraktion war entsprechend der Gemeindeordnung keine Abstimmung erforderlich. OB Frank sagte zu, die erbetenen Unterlagen innerhalb der nächsten zwei Sitzungen vorzulegen. Zum Thema der Fluktuation selbst nahm der Rathaus-Chef in der Sitzung nicht Stellung.

 

Vorzeitige Weggänge bei der Stadt

Auf Antrag der Freie-Wähler-Fraktion wird die Personalfluktuation bei der Stadt Waldshut-Tiengen seit Amtsantritt von Oberbürgermeister Philipp Frank untersucht. Betroffen sind vor allem, aber nicht nur Führungspositionen. Die nachstehende Liste umfasst markante Beispiele.

  • Martin Gruner, Erster Beigeordneter (Bürgermeister mit Sitz im Rathaus Tiengen) und davor Hochbauamtsleiter in Waldshut-Tiengen, verließ nach anhaltendem Konflikt mit Oberbürgermeister Philipp Frank Ende Januar 2017 das Rathaus und ging in die Privatwirtschaft. Gruner war seit 2002, als er von Berlin an den Hochrhein kam, bei der Stadt Waldshut Tiengen tätig.
  • Uwe Kopf, Tiefbauamtsleiter ab Frühjahr 2015, verließ im Oktober 2016 die Stadtverwaltung Waldshut-Tiengen, wo er seit 1994 beschäftigt war, und wechselte als Straßenbauleiter zum Rathaus Singen. Mittlerweile ist er Leiter des Tiefbauamts Konstanz.
  • Margit Ulrich, frühere Stadtplanerin in Waldshut-Tiengen, wechselte zum 1. Oktober 2018 als Stadtbaumeisterin ins Rathaus Bad Säckingen. Sie hatte ab 1993 bei der Stadt Waldshut-Tiengen gearbeitet, ab 2001 als Stadtplanerin, ab 2014 zusätzlich als Leiterin des Baurechtsamts.
  • Harald Pietz, Ordnungsamtsleiter ab Frühjahr 2015 als Nachfolger des in Ruhestand gehenden Lothar Georg Baltes, verließ das Rathaus zum Frühjahr 2018.
  • Hartmut Schölch, Kulturamtsleiter der Stadt Waldshut-Tiengen ab 2001, wechselte zum Juli 2018 in die gleiche Position zur Stadt Salzgitter.
  • Horst Schmidle, ehemaliger Geschäftsführer der Stadtwerke Waldshut-Tiengen, ging auf eigenen Wunsch im Alter von 63 Jahren in den Vorruhestand und hat seine Tätigkeit bei der kommunalen GmbH zum 1. Januar 2020 beendet. Seit 2007 war er Geschäftsführer der Stadtwerke, bei denen er seine Tätigkeit im Jahr 1983 als Leiter des Rechnungswesens begann.
  • Annemone Sewarte, Hochbauamtsleiterin ab Januar 2016 und bis dahin an der Universität Duisburg-Essen leitend im Dezernat Gebäudemanagement tätig, verließ das Rathaus zum 31. Juli 2017. Danach war die Stelle vorübergehend unbesetzt.
  • Lorenz Wehrle, Hochbauamtsleiter ab Oktober 2017 und bis dahin selbstständiger Architekt in Freiburg, verlässt zum 31. März dieses Jahres die Stadtverwaltung.
Roland Gerard

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