Die von der Stadtverwaltung vorgeschlagene Rampe als barrierefreier Zugang zum neuen Bürgerbüro im Tiengener Rathaus ist vom Tisch. Der Gemeinderat lehnte diese in seiner jüngsten Sitzung mit großer Mehrheit ab. Stattdessen sprach sich das Gremium für einen Außenaufzug auf der Rückseite des Gebäudes aus. 17 Stadträte stimmten für diese Variante, sieben dagegen, zwei enthielten sich.

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Vor der Abstimmung und bevor Hochbauamtsleiter Lorenz Wehrle fünf Varianten eines barrierefreien Zugangs zum umgebauten Bürgerbüro erläuterte, appellierte Oberbürgermeister Philipp Frank an die Stadträte, fair zu diskutieren. „Der Verwaltung ist nicht entgangen, dass der Vorschlag mit der Rampe von vielen als hässlich empfunden wird“, sagte der OB in der Gemeinderatssitzung, zu der sich zahlreiche Zuschauer im evangelischen Gemeindesaal in Tiengen eingefunden hatten.

Diese fünf Varianten stellte die Verwaltung vor

„Jede Variante hat ihren Charme und ihre Nachteile“, fügte Philipp Frank hinzu. Gleichwohl sei die Verwaltung zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Rampe in der Fußgängerzone in Verbindung mit einem Innenlift zum Sitzungssaal im ersten Obergeschoss die „verträglichste Lösung ist“, so der OB. Sie sei unter anderem die einzige der vorgestellten Varianten, die Menschen mit Einschränkungen – sei es durch Rollstühle, Rollatoren oder Kinderwagen – nicht auf einen Hinter- oder Nebeneingang verweise.

In den vergangenen Wochen war die Rampe vor allem in Tiengen kontrovers diskutiert worden. Die Bürgerinitiative Pro Aufzug, die sich nach der vorherigen Gemeinderatssitzung gebildet hatte, sammelte innerhalb von 19 Tagen 1344 Unterschriften gegen die Rampe. CDU-Stadtrat Maximilian Wagner präsentierte die Liste in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

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Bei der anschließenden Diskussion zeigte sich eine klare Haltung gegen den Vorschlag der Verwaltung. „Diese Rampe darf es nicht geben“, sagte die Freie-Wähler-Stadträtin Adelheid Kummle, und ihr SPD-Kollege Gerhard Vollmer drückte es ähnlich aus: „Eine Rampe hat in einer historischen Altstadt nichts zu suchen.“ Die Grünen-Stadträtin Claudia Linke forderte für die Rathausmitarbeiter eine Außentreppe mit Lift, wie sie beim Waldshuter Kornhaus vorgesehen ist. „Ich habe das Gefühl, dass mit zweierlei Maß gemessen wird“, sagte sie. OB Frank entgegnete: „Dies ist für mich keine Frage zwischen Waldshut und Tiengen.“

An der Rückseite des Tiengener Rathauses wird ein Außenaufzug errichtet. Dies hat der Gemeinderat Waldshut-Tiengen entschieden.
An der Rückseite des Tiengener Rathauses wird ein Außenaufzug errichtet. Dies hat der Gemeinderat Waldshut-Tiengen entschieden. | Bild: Susann Duygu-D'Souza

Einzig die Grünen-Stadträtin Petra Thyen und ihr CDU-Kollege Christian Maier sprachen sich ausdrücklich für die Rampe aus. Petra Thyen arbeitet bei der Caritas mit Menschen mit Behinderung. „Sie wollen sich gleichberechtigt fühlen“, lautet ihre Erfahrung. Christian Maier, der kein Problem mit der Optik der Rampe habe, sagte: „Ich sehe bei allen Varianten, die hinten ins Haus führen, keine Praxistauglichkeit.“

Da sich im Ratsrund keine Mehrheit für die Rampe abzeichnete, stellte CDU-Stadtrat Philipp Studinger den Antrag, über die Variante abzustimmen, die einen Außenaufzug in der Weihergasse vorsieht, statt über die Rampe. Seine Fraktionskollegin Nathalie Rindt fügte hinzu: „Ich finde es wichtig, dass wir heute zu einer Lösung kommen.“ Mit 17 Ja- und sieben Nein-Stimmen fiel die Abstimmung zugunsten des Außenaufzugs aus. Dieser könne jedoch erst 2021 realisiert werden, da im Haushalt 2020 keine Mittel dafür eingestellt sind, hieß es vonseiten der Verwaltung.

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