„Abschalten! Abschalten!“ lautete die Forderung von Protestierenden, die sich Samstagmittag vor dem Waldshuter Rathaus versammelt hatten. Gerichtet war diese Forderung an das Schweizer Kernkraftwerk Beznau.

Anlass war das 50-jährigen Jubiläum seiner Inbetriebnahme. Die von der Bürgerinitiative „Zukunft ohne Atom“ und dem BUND-Ortsverband Waldshut organisierte Kundgebung hatte den Titel „50 Jahre Beznau I – ein erschreckendes Jubiläum“.

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Rund 100 Menschen nahmen an der Aktion teil. Viele von ihnen hatten Fahnen, Spruchbanner und Plakate mitgebracht. Das Motto lautete „Beznau den Marsch blasen“. Besonders Bernd „Blondie“ Wallaschek, Musiker und Grünen-Kreisschatzmeister, hatte sich dieses zu Herzen genommen.

Bernd „Blondie“ Wallaschek warnte in einer Rede vor den Risiken eines katastrophalen Störfalls. Gemeinsam mit Ehefrau Iris gab der Musiker eine Gesangseinlage.
Bernd „Blondie“ Wallaschek warnte in einer Rede vor den Risiken eines katastrophalen Störfalls. Gemeinsam mit Ehefrau Iris gab der Musiker eine Gesangseinlage. | Bild: Peter Rosa

Auf seiner Posaune spielte er von der Rathaustreppe aus seine ganz besondere Version von „Zum Geburtstag (besonders) viel Glück“. Zur Freude und Qual der Anwesenden achtete er genau darauf, nicht eine Note zu treffen. Auch das Publikum durfte sich später am Marschblasen versuchen. Mehrere weitere Instrumente standen bereit.

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Für die Bürgerinitiative steckt hinter dem launigen und musikalischen Charakter der Aktion bitterer Ernst. „Viele der Störfälle hätten zu einer nuklearen Katastrophe anwachsen können“, warnte Wallaschek in einer Rede.

Bernd Wallaschek warnte in einer Rede vor den Risiken eines katastrophalen Störfalls.
Bernd Wallaschek warnte in einer Rede vor den Risiken eines katastrophalen Störfalls. | Bild: Peter Rosa

Später führten Monika Herrmann-Schiel, Sprecherin der BI und Klaus Schiel eine Szene auf, die an eine störfallbedingte Evakuierung angelehnt war. Unter Sirenengeheul versuchten sie verzweifelt und in aller Eile, ihre Koffer zu packen.

Monika Herrmann-Schiel und Klaus Schiel gaben eine Performance, die die Panik bei der Evakuierung nach einem Störfall thematisierte.
Monika Herrmann-Schiel und Klaus Schiel gaben eine Performance, die die Panik bei der Evakuierung nach einem Störfall thematisierte. | Bild: Peter Rosa

„Wir wären froh, wenn wir dieses beängstigende Jubiläum nicht begehen müssten“, so Herrmann-Schiel. Besondere Kritik richten sie und ihre Mitstreiter an die Schweizer Behörden. Diese würden die potenzielle Gefahr herunterspielen und mögliche Auswirkungen unterschätzen.

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Ähnliche Kritik kam auch aus dem Nachbarland. Der Schweizer Atomkraftgegner Heini Glauser aus Windisch im Aargau sprach in seinem Grußwort von einem Zustand, der nicht mehr haltbar ist. „Wir schaffen es nicht, uns an unsere eigenen Gesetze zu halten“, mahnte er.

Der Schweizer Atomkraftgegner Heini Glauser kritisierte die Schweizer Behörden.
Der Schweizer Atomkraftgegner Heini Glauser kritisierte die Schweizer Behörden. | Bild: Peter Rosa

Applaus erhielt er für seine Forderung nach internationaler Anstrengung: „Nur wenn der Druck grenzüberschreitend steigt“ könne man etwas erreichen. Die Teilnehmer der Aktion forderten zwischendurch immer wieder „Abschalten!“ Zahlreiche Passanten blieben stehen, um sich die Aktion anzuschauen. Nach rund 90 Minuten endete die Kundgebung friedlich.