Was ist Ihr persönliches Fazit der Fridays for Future-Kundgebung am vergangenen Freitag in Waldshut mit über 700 Teilnehmern?

Ich bin auf jeden Fall mega zufrieden, was die Anzahl der Teilnehmer angeht. Es kamen mehr als doppelt so viele wie erwartet. Selbst die 300 Angemeldeten schienen uns zuerst zu hoch angesetzt. Es war schön, zu sehen, dass Familien mit drei Generationen kamen. Außerdem waren einige Umweltorganisationen und der Eulenhof aus Dogern da, der uns mit Obst und Gemüse versorgte. Alle Teilnehmer waren sehr friedlich, und es war ein reibungsloser Ablauf. Wir hatten auch viele Ordner, die für die Sicherheit sorgten.

Kreativ zeigten sich die 700 Demonstranten beim zweiten Waldshuter Klimastreik bei der Gestaltung ihrer Plakate.
Kreativ zeigten sich die 700 Demonstranten beim zweiten Waldshuter Klimastreik bei der Gestaltung ihrer Plakate. | Bild: Peter Rosa

Wie haben Sie die Ordner organisiert?

Wir fragten im Freundeskreis und in der Familie nach. Die Ordner mussten über 18 Jahre alt sein. Sie sorgten dafür, dass die Teilnehmer der Kundgebung die Fußgängerzone und Straßen freihielten.

Welche Schlüsse zieht die Fridays for Future-Gruppe Waldshut-Tiengen aus dem Erfolg der letzten Demonstration?

Da so viele Leute kamen und wir einige Neue hinzugewinnen konnten, die bei uns mitwirken wollen, möchten wir in nächster Zeit mehrere Streiks organisieren.

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Wird es dann auch wieder Demos innerhalb der Schulzeit geben?

Ja, denn das ist der eigentliche Sinn von Fridays for Future. Nur dann haben wir die nötige Aufmerksamkeit. Nur ist nicht klar, ob schon der nächste Streik wieder während der Schulzeit sein wird oder einer der darauffolgenden Streiks.

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Was halten Sie von dem neuen Klimapaket der Bundesregierung?

Ich bin bodenlos schockiert. 1,4 Millionen Menschen gingen am Freitag in Deutschland auf die Straße und dann so etwas. Die CO2-Steuer ist viel zu niedrig und kommt in drei Jahren viel zu spät, weil die Zeit einfach extrem drängt. Und die Pendlerpauschale hebt diese Steuer dann fast wieder auf.

Sie setzen sich für Klimaschutz ein. Doch was tun Sie selbst dafür?

Oh, das ist eine ganze Liste. Ich ernähre mich seit über einem Jahr vegetarisch. Und ich kaufe hauptsächlich regional und saisonal ein, etwa beim Bauernmarkt um die Ecke, zu dem ich mit dem Fahrrad fahre. Überhaupt versuche ich, nur öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Durch den schlecht ausgebauten Nahverkehr kann ich aber leider nicht zu meiner FSJ-Stelle mit dem Bus fahren und muss das Auto nehmen. Ich nutze so wenig Plastikverpackungen wie möglich. Außerdem meide ich Markenprodukte, die unter klimakatastrophalen und menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt werden.

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In den sozialen Medien gibt es viel Gegenwind für die demonstrierende Jugend. Sie nutze ja selbst Handys und wolle mit dem Flieger zur Abschlussfahrt, heißt es dort. Was sagen Sie zu solchen Meinungen?

Für mich geht das völlig an einer sachlichen Debatte vorbei. Es gibt keine Argumente, die beweisen, dass wir etwas falsch machen. Wenn der Generation über uns, die uns erzogen hat, das jetzt nicht gefällt, dann ist sie selbst schuld. Ein Großteil der Demo-Teilnehmer hat etwas in ihrem Leben umgestellt. Das ist ein Prozess, das geht nicht von heute auf morgen. Wir gehen auf die Straße, weil wir wollen, dass die Politik was unternimmt, was wiederum das Verhalten aller Menschen ändert. So etwas muss von oben kommen. Um es von unten zu delegieren, haben wir keine Zeit mehr.

Wie viel Zeit haben wir denn noch?

Wenn wir bei dem momentanen Treibhausgasausstoß bleiben, noch acht bis neun Jahre. Dann gibt es kein Zurück mehr. Denn dann können wir den Auswirkungen des Klimawandels nicht mehr entgegenwirken. Jetzt können wir es noch, aber nur radikal. Jetzt sollten wir die Radikalität hinnehmen, bevor wir in die Brutalität übergehen müssen.

Gut 700 Demonstranten beteiligten sich am Waldshuter Friday for Future. Jung und Alt demonstrierten bei diesem Mal gemeinsam für das Klima.
Gut 700 Demonstranten beteiligten sich am Waldshuter Friday for Future. Jung und Alt demonstrierten bei diesem Mal gemeinsam für das Klima. | Bild: Peter Rosa

Auf der ganzen Welt gehen die Jugendlichen auf die Straße und beschäftigen sich sehr stark mit dem Thema Klimawandel. Woher kommt diese neue Ideologie?

Das Positive ist, dass die meisten von uns in der Pubertät sind. Da wollen wir nichts genauso machen, wie es unsere Eltern getan haben. Das Thema ist außerdem wahnsinnig präsent in den Medien mit Sätzen wie: „Jetzt wird euch eure Zukunft geklaut.“ Das macht uns mobil.

Haben Sie denn Angst vor der Zukunft?

Absolut. Ich demonstriere aus absoluter Sorge heraus, ob meine Kinder überhaupt noch eine Chance auf diesem Planeten haben werden und, was mit meiner Zukunft ist.

Der 19-jährige Jan Amann aus Weilheim-Remetschwiel setzt sich bei Demos für den Klimaschutz ein. Hier bei der ersten Klimademo im März in Waldshut.
Der 19-jährige Jan Amann aus Weilheim-Remetschwiel setzt sich bei Demos für den Klimaschutz ein. Hier bei der ersten Klimademo im März in Waldshut. | Bild: Moritz Eckert

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