Die Brücke über die Bahngleise zwischen Gurtweil und der Bundesstraße 34 ist in einem so desolaten Zustand, dass sie ab sofort für den motorisierten Verkehr gesperrt ist. Fußgänger und Radfahrer dürfen das im Jahr 1863 eröffnete Bauwerk weiter passieren.

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Betroffen von der Sperrung sind vor allem Landwirte. Der Übergang ruht auf Sandsteinen, die größtenteils morsch oder bereits zersetzt sind, wie Theo Merz, Leiter des städtischen Tiefbauamts, bei einem Vor-Ort-Termin erläuterte. Bis zur geplante Inbetriebnahme der Elektrifizierung der Hochrhein-Bahn im Jahr 2027 müsste ein Neubau stehen. Dass es dazu kommt, davon gehen die Techniker aus, da die aktuelle Durchfarhtshöhe für E-Loks um einen Meter zu niedrig ist.

Claudio Helling
Claudio Helling
„Ich bin froh, dass die Nutzung der Brücke derzeit für Fußgänger und Radfahrer weiter möglich ist.“
Claudio Helling, Ortsvorsteher Gurtweil

In der Nacht vom 4. auf 5. Mai hat es eine mehrstündige Bauwerksprüfung gegeben. Das Ergebnis sei ernüchternd, wie Theo Merz feststellt, der an der Prüfung selbst teilnahm. Auf einer Skala von eins bis vier, habe die „einfeldrige Gewölbebrücke“, wie das Bauwerk wegen seiner Konstruktion offiziell heißt, eine 4,0 bekommen. Übersetzt in Schulnoten: eine glatte Sechs.

Die Brücke über die Hochrhein-Bahn zwischen Gurtweil und der B 34 (in Verlängerung der Von-Opel-Straße) muss saniert werden. Über die Gründe informierten Theo Merz, Leiter des städtischen Tiefbauamts, Waldshut-Tiengens OB Philipp Frank und Claudio Helling, Ortsvorsteher von Gurtweil.
Die Brücke über die Hochrhein-Bahn zwischen Gurtweil und der B 34 (in Verlängerung der Von-Opel-Straße) muss saniert werden. Über die Gründe informierten Theo Merz, Leiter des städtischen Tiefbauamts, Waldshut-Tiengens OB Philipp Frank und Claudio Helling, Ortsvorsteher von Gurtweil. | Bild: Oldenburg, Kai

Denn weder die Standsicherheit noch die Verkehrssicherheit und auch nicht die Dauerhaftigkeit des Bauwerk seien mehr gegeben, wie Theo Merz im Beisein von Oberbürgermeister Philipp Frank und Gurtweils Ortsvorsteher Claudio Helling weiter erläuterte.

Vier Sanierungen in vier Jahren

Die Kolpingbrücke in Waldshut hatte bei einer Bauwerksprüfung vor der Sanierung eine 3,3 erhalten.

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Bei der Brücke handelt es sich um die alte (offizielle) Verbindungsstraße zwischen Gurtweil und Tiengen. Nach dem Neubau der parallel verlaufenden L 161 war sie zur Gemeindestraße abgestuft worden. Brücken müssen, so die Aussage von OB Philipp Frank, normalerweise alle fünf Jahre einer Prüfung unterzogen werden.

Philipp Frank
Philipp Frank | Bild: privat, Torsten Boll
„Wir werden jetzt mit der Bahn in Gespräche gehen, um zu sehen, welche Art der Umsetzung möglich ist.“
Philipp Frank, Oberbürgermeister

Bei dem jetzt untersuchten Bauwerk liege die letzte Untersuchung bereits 16 Jahre zurück, sie war also seit gut zehn Jahren überfällig. Wie es mit der 10,20 Meter langen Brücke mit einer Fahrbahnbreite von 5,36 Metern (6,06 Meter Gesamtbreite) konkret weiter geht, hängt auch von der Deutschen Bahn und dem Denkmalschutz ab.

Die Mängelliste

OB Frank: „Wir werden jetzt mit der Bahn in Gespräche gehen, um zu sehen, welche Art der Umsetzung möglich ist.“

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Gurtweils Ortsvorsteher Claudio Helling zeigte sich bei dem Vor-Ort-Termin am Dienstag zufrieden mit dem eingeschlagenen Weg – „auch wenn uns das Thema Brücken in Gurtweil so schnell nicht los lässt“. Helling: „Ich bin froh, dass die Nutzung der Brücke derzeit für Fußgänger und Radfahrer weiter möglich ist.“ Ein nicht unwichtiger Aspekt, ist die Strecke doch ein Teil des Radwegenetzes des Landkreises Waldshut.

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Vier Sanierungen in vier Jahren

In Waldshut-Tiengen stehen alles in allem 30 Brückenbauwerke. In den vergangenen vier Jahren wurden beziehungsweise werden vier von ihnen saniert. Das jüngste Projekt ist die Brücke über die Hochrhein-Bahn zwischen Gurtweil und B 34.

  • Die Kolpingbrücke: Das Bauwerk über die B 34 und die Bahngleise beim Waldshuter Bahnhof wurde in den Jahren 2018 bis 2020 von Grund auf saniert. Die Bauarbeiten dauerten 20 Monate und damit etwa elf Monate länger als ursprünglich geplant. Mit dem Bau der heutigen Kolpingbrücke wurde nach dem Abbruch der alten Eisengitterbrücke im Jahr 1970 begonnen. Für den Verkehr freigegeben wurde sie zwei Jahre später.
  • Die Rohrbücke: Das zentrale Brückenbauwerk in Gurtweil war über viele Jahre Gegenstand der politischen Diskussion in der Doppelstadt, bis der Gemeinderat grünes Licht für die Sanierung gab. 2015 wurde die alte Rohrbrücke, die den Abwasserkanal aus Weilheim überdeckt (daher der Name Rohrbrücke) für Fußgänger gesperrt und später abgerissen und durch eine neue Brücke in Stahlbauweise ersetzt. Diese in einem Werk in Norddeutschland vorgefertigte, 22 Meter lange Stahlbrücke war am 12. März 2019 mit einem Spezialkran in die alten Widerlager eingehoben worden. Die Gesamtkosten in Höhe von 210 000 Euro teilen sich die Stadt (120 000) und der Abwasserzweckverband Klettgau-West (90 000).
  • Die Schlüchtbrücke: Der Abriss der maroden und seit März 2020 für Fußgänger und Radfahrer gesperrten und inzwischen 96 Jahre alten Schlüchtbrücke in Gurtweil ist laut Einschätzung von Experten unumgänglich. Die 28 Meter lange Brücke in der Pater-Jordan-Straße soll in diesem Sommer abgetragen werden und anschließend durch einen Neubau ersetzt werden. Wie dieser aussieht, wird der Gemeinderat voraussichtlich im September beschließen. (kol)