Nach einem von Corona geprägten Schuljahr, dessen zweites Halbjahr vorwiegend in den eigenen vier Wänden stattfand und erst zum Schluss in eine Art Schulbesuch im Ausnahmezustand überging, sehnen sich Schüler und Eltern wieder nach etwas Normalität im Schulalltag. Doch noch herrscht in vielen Bereichen Ungewissheit: Wie soll es denn nun weitergehen? Wir haben nachgefragt.

Wird es wieder einen Regelbetrieb im neuen Schuljahr geben?

„Unser Ziel ist, ab Herbst an allen Schulen im Land wieder einen Regelschulbetrieb für alle Schüler zu ermöglichen“, sagt Benedikt Reinhard, Pressesprecher vom Kultusministerium Baden-Württemberg. „An die Stelle des Abstandsgebots treten Gruppen in fester Zusammensetzung“, informiert er.

Das heißt: Wo immer möglich, sollte sich der Unterricht auf die reguläre Klasse oder die Lerngruppe beschränken. So könnten bei Ansteckungen die Infektionsketten nachvollzogen und unterbrochen werden. Das Gesundheitsamt müsse dann im Zweifel nur eine Klasse zeitweise schließen, und nicht die komplette Schule.

Was verändert sich in den Landkreisen Waldshut und Lörrach konkret?

Der Leiter des Staatlichen Schulamts Lörrach, Hans-Joachim Friedemann, strahlt im Gespräch mit dem SÜDKURIER Zuversicht aus: „Ich erwarte, dass wir vorbereitet sind: Hygienekonzepte, Bewusstsein füreinander, Alltagsmasken tragen auf den Wegen in die Schulen und dann, wenn Abstand nicht möglich ist oder wenn einzelne, besonders vulnerable Personen geschützt werden müssen, damit sie am Unterricht teilnehmen können“, sagt er. Das gelte gleichermaßen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Denn das mache eine solidarische Gemeinschaft aus.

Digitaler Unterricht wird am Hochrhein-Gymnasium in Waldshut bereits groß geschrieben. Über QR-Codes können Schüler daran teilnehmen.
Digitaler Unterricht wird am Hochrhein-Gymnasium in Waldshut bereits groß geschrieben. Über QR-Codes können Schüler daran teilnehmen. | Bild: Duygu-D'Souza, Susann

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Wie geht es im neuen Schuljahr inhaltlich weiter?

„Zu Beginn des neuen Schuljahrs liegt der Fokus auf dem Wiederholen und Vertiefen von Inhalten“, schreibt Benedikt Reinhard vom Kultusministerium. Damit Schulen hierfür die notwendige Zeit haben, entschied das Kultusministerium, dass nur das Kerncurriculum des Bildungsplans, das auf drei Viertel der Unterrichtszeit ausgelegt ist, verpflichtend für den Unterricht im neuen Schuljahr ist. Das Kerncurriculum ist die Summe der verbindlichen Inhalte der baden-württembergischen Bildungsstandards.

Das sogenannte Schulcurriculum, das die Schulen normalerweise für Schwerpunktsetzungen im restlichen Viertel der Unterrichtszeit nutzen, ist im kommenden Schuljahr nicht verpflichtend.

Dr. Hans-Joachim Friedemann, Leiter des Schulamtes Lörrach
Dr. Hans-Joachim Friedemann, Leiter des Schulamtes Lörrach | Bild: privat

Die Lehrkräfte in den einzelnen Klassen werden laut Friedemann die Lernstände beobachten und einschätzen. Gerade in den Basiskompetenzen der Fächer Deutsch und Mathematik sei es wichtig, individuell und differenziert mit Förderung reagieren zu können.

Auf den Basiskompetenzen aufbauend werde dann auch der Erwerb des neuen Fachwissens wieder an Fahrt aufnehmen. „Das macht das Lernen interessant, weil es die Schüler ganzheitlich herausfordert: Spannendes, neues Wissen entdecken, kreative Problemlösungen auch in Gruppensituationen finden und die Lernergebnisse präsentieren.“

Werden wieder alle Schulfächer unterrichtet?

Die Stundenpläne werden laut Kultusministerium regulär gestaltet. Alle Fächer, auch Sport und Musik, finden wieder statt – lediglich Singen und Musizieren mit Blasinstrumenten in geschlossenen Räumen sei noch ausgeschlossen. Auch dabei arbeite man an einer Öffnung.

Was passiert mit den Abschlussprüfungen?

Die zentralen Abschlussprüfungen im Jahr 2021 wurden verschoben, damit die Schüler mehr Zeit für Wiederholung und Prüfungsvorbereitung im Unterricht haben. Gleichzeitig erhalten die Schulen damit von vorneherein einen Puffer. Je nach Schulart werden die Prüfungen um drei bis vier Wochen verschoben.

Termine für die Abschlussprüfungen 2021

Gilt eine Maskenpflicht an Schulen?

Vom neuen Schuljahr an gilt an den weiterführenden Schulen ab Klasse fünf und an beruflichen Schulen die Pflicht, außerhalb des Unterrichts eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen – auf dem Schulgelände und im Schulgebäude, etwa auf den Fluren, auf dem Schulhof und auf Toiletten. Das Land stellt den Lehrkräften Mund-Nasen-Schutz zur Verfügung.

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Wie wird mit Risikogruppen umgegangen?

„Es besteht keine Verpflichtung, am Präsenzunterricht teilzunehmen“, erklärt Schulamtsleiter Hans-Joachim Friedemann in Bezug auf die Risikogruppen. „Der Risikostatus wird mit ärztlichem Attest ausgewiesen.“ Bei den Lehrkräften rechnet das Land mit rund sechs Prozent, die nicht am Unterricht teilnehmen.

Risikogruppen und Krankheit

Was wird anders sein bei einem erneuten Lockdown gegenüber dem Ersten?

Der Landkreis Waldshut spricht bereits von einer zweiten Welle. Friedemann sagt dazu: „Mir ist unklar, woran der Landkreis Kriterien für eine zweite Welle bemisst“ und beruhigt: „Wir sind nicht mehr auf dem Wissensstand von März.“ Der Schulamtsleiter rechne mit einer Grippewelle im Herbst, dann müssten die Schulen für alle erkrankten Kinder, die wegen Abwesenheit länger Schulzeit verpassen würden auf einen Mix aus Präsenz- und Fernlernangeboten vorbereitet sein.

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„Wir erwarten nicht, dass es zu kompletten Schließungen kommt, wenn sich alle an die Regeln halten“. Für Infektionsfälle ständen die Schulleitungen in enger Abstimmung mit den Gesundheitsämtern. „Wir wünschen uns, die gegenseitige Rücksichtnahme, auch für die Eindämmung von Grippeinfekten“, so der Schulamtsleiter. „Dann kommen wir gut über den Herbst und den Winter, da bin ich ganz zuversichtlich.“

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Wären die Schulen in den beiden Landkreisen jetzt besser für Fernunterricht ausgestattet?

Fernunterricht ist laut Kultusministerium geplant für Schüler, die aus gesundheitlichen Gründen die Schule nicht besuchen können oder im Falle von temporären, lokalen Schulschließungen. Durch das Sofortausstattungsprogramm des Digital-Pakts können Schulen im Land rund 300.000 Laptops und Tablets kaufen, die sie an Schüler verleihen können, die zu Hause keine digitale Ausstattung haben.

Auch in den Landkreisen Waldshut und Lörrach haben laut Hans-Joachim Friedemann etliche Kommunen solche Schüler bereits mit Leih-Geräten versorgt. Aber: „Es gibt mit der Netzversorgung Probleme an Orten, an denen kein stabiles Netz aufgebaut ist“, so Friedemann. „Da kann es passieren, dass der Kontakt im Fernlernen immer wieder unterbrochen ist, feste Zeiten können helfen, dieses Problem einzugrenzen.“

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