Die Hälfte der Daumen zeigt nach oben, die andere Hälfte nach unten: In einer Klasse der Gewerbeschule Bad Säckingen fällt die Reaktion auf die Maskenpflicht, die seit gestern für Schüler ab der fünften Klasse in Baden-Württemberg gilt, gemischt aus. Die einen halten die Maßnahme für sinnvoll, für die anderen ist sie „nicht zumutbar“. Generell herrscht bei Schülern, Lehrern und Eltern aber Verständnis für die neue Regelung.

Das sagen die Schulleiter

„Ich halte die Maßnahme für sehr positiv. Schließlich geht es ja darum, den Präsenzunterricht an den Schulen so lange wie möglich beziehungsweise im besten Fall durchgehend gewährleisten zu können“, sagt Thomas Gehr, Rektor der Justus-von Liebig-Schule in Waldshut. Bei der Menge an Schülern sei das Tragen der Masken „ein zumutbarer Kompromiss“. Sowohl Schüler als auch Lehrer würden sich an der Justus-von Liebig-Schule sehr diszipliniert an die neue Vorgabe halten. „Aber es ist natürlich sehr anstrengend für alle, die Maske rund um die Uhr zu tragen“, sagt Gehr.

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Ein großes Problem ist allerdings an der Justus-von-Liebig-Schule, die Inklusionsschule ist, dass schwerhörige Schüler, die von den Lippen der Lehrer ablesen, dies nun nicht mehr können. „Wir stehen bereits im Kontakt mit dem Kultusministerium, um eine Lösung hierfür zu finden. Denkbar wären beispielsweise Plexiglasscheiben am Lehrerpult oder auch ein Plastik-Mundschutz. Allerdings wäre das natürlich zu den üblichen Mund-Nasen-Schutz nur ein Kompromiss, weil die Aerosole ja durch das Gewebe der Masken gefiltert werden und ein Plastik-Mundschutz nur eine Art Spuckschutz ist. Aber hier arbeiten wir an einer Lösung“, sagt Thomas Gehr.

„Das Tragen von Masken im Unterricht muss eine Übergangslösung sein und darf nicht zu einem Dauerzustand werden.“
Stefan Ruppaner, Schulleiter der Alemannenschule in Wutöschingen.

Ein Großteil des Schullebens werde dadurch sehr eingeschränkt, vor allem auf emotionaler Ebene. Kinder könnten so beispielsweise nicht mehr sehen, wenn ein Lehrer sie anlächelt. „Außerdem klagen die ersten Schüler auch schon über Kopfschmerzen. Wir plagen die Kinder mit dem Tragen der Masken, das muss allen bewusst sein“, sagt Ruppaner.

In der Robert-Schuman-Realschule Waldshut herrscht seit Montag, 19. Oktober, wie in allen Schulen Baden-Württembergs auch im Unterricht Maskenpflicht.
In der Robert-Schuman-Realschule Waldshut herrscht seit Montag, 19. Oktober, wie in allen Schulen Baden-Württembergs auch im Unterricht Maskenpflicht. | Bild: Realschule

Auffällig sei laut Ruppaner, dass seit Einführung der Maskenpflicht der Anteil der Schüler, die das Fernlernangebot der Schule nutzen, gestiegen ist. „Wir hatten vorher schon einen recht hohen Anteil mit etwa 30 Prozent, jetzt sind es etwa 40 Prozent unserer Schüler, die zu Hause bleiben und dort lernen. Das funktioniert bei uns auch sehr gut, weil jeder Schüler ein iPad hat mit allen Lernprogrammen“, informiert Stefan Ruppaner. „Aber natürlich kann so ein richtiges Schulleben nicht mehr stattfinden.“

Die Corona-Verordnung Schule des Kultusministeriums sieht unter anderem vor

Erika Breiling, Rektorin der Rudolf-Eberle-Schule in Bad Säckingen, und ihr Kollege Carsten Schnell, Rektor der Hauswirtschaftsschule Bad Säckingen, sind froh, echten Unterricht machen zu können und nicht auf Online- und Fernunterricht zurückgreifen zu müssen. „Denn dabei würden viele verlieren“, sagt Schnell. Problematisch sehen beide Rektoren die zusätzlichen Organisations- und Kontrollaufgaben, die die Schulen zu erfüllen hätten. Seit Monaten seien sie „personell und kräftemäßig am Anschlag und keine Woche mit normaler Arbeitszeit hingekommen“. Die Organisation unter Corona-Bedingungen sei aufwendig und kompliziert und verlange viele administrative Tätigkeiten.

Das sagen die Schüler

Wie anstrengend es ist, den Mundschutz den gesamten Schultag zu tragen, weiß Marla Beil, die die Kaufmännischen Schulen in Waldshut besucht und im kommenden Jahr ihren Abschluss machen will. „Unsere Schule war zwar die erste, die als gutes Vorbild vorangegangen ist und schon seit Freitag die Maskenpflicht im Unterricht eingeführt hat, aber viele Schüler fühlen sich dadurch eher gestört. Auch ich finde, dass die Masken im Unterricht störend sind, da man schlecht Luft bekommt.“

Marla Beil, Schülerin an den Kaufmännischen Schulen in Waldshut.
Marla Beil, Schülerin an den Kaufmännischen Schulen in Waldshut. | Bild: privat

Die Stühlingerin sagt weiter: „Ein Problem der Masken ist auch, dass man die Lehrer und anderen Mitschüler kaum versteht und auch nicht richtig nachdenken kann, zumindest am Ende des Unterrichtstages. Aber was sein muss, muss eben sein. Und wenn diese Maßnahme uns nun vor einer Infizierung mit dem Coronavirus schützt und die Ausbreitung eindämmen kann, dann werden wir auch das meistern.“

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Schülerin Luana Görtz besucht ebenfalls die Kaufmännischen Schulen in Waldshut. „Ich fand den Tag okay und hatte kein Problem damit, eine Maske zu tragen.“ Es habe ja einen guten Grund. Sie versteht, dass sie die Masken tragen müssen, weil der Abstand im Klassenzimmer einfach nicht gewährleistet werden kann und Corona eine ernst zunehmende Krankheit sei.

Luana Görtz, Schülerin an den Kaufmännsichen Schulen in Waldshut
Luana Görtz, Schülerin an den Kaufmännsichen Schulen in Waldshut | Bild: privat

„Ich habe vor allem die Hoffnung, dass ich durch die Hygienemaßnahmen in der Schule meinen Hobbys wie Musizieren und Turnen weiterhin nachgehen kann.“ Viele ihrer Mitschüler würden sich beschweren, dass sie Kopfschmerzen hätten oder ihnen schlecht werde. Das Problem hatte sie nicht. Sie habe heute sogar eine Klassenarbeit geschrieben und sich dabei nicht anders gefühlt als sonst. Das, was sie gestört hat, war dagegen das fast durchgängige Lüften. Es sei dadurch ziemlich kalt im Klassenzimmer gewesen.

Das sagen die Eltern

„Ich als Mutter sehe die Maskenpflicht nicht so tragisch“, sagt Tanja Frank, Mutter von zwei Kindern aus Waldshut-Tiengen. Das Maskentragen sei eher lästig, vor allem für ihren großer Sohn, der Brillenträger ist. „Aber wenn es hilft, dann muss es sein. So sehen es auch die Kinder. Pragmatisch“, fügt sie hinzu. „Als Mama glaube ich persönlich nicht, dass es das Maskentragen sitzend am Platz besser macht“, sagt Celina Geiger, Elternbeiratsvorsitzende der Gemeinschaftsschule Rheinfelden. Aus ihrer Sicht sei es wichtig, regelmäßig zu lüften, das Immunsystem zu stärken und bei kleinsten Infekten zu Hause zu bleiben.

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