„Die zweite Welle ist da, sie rollt und sie ist heftig“, so beschreibt Corinna Schweizer, die für das Gesundheitsamt zuständige Dezernentin des Landratsamts, die derzeitige Pandemie-Situation. Bislang sei der Landkreis Waldshut hinsichtlich der steigenden Fallzahlen im Vergleich zu anderen Regionen eher glimpflich davon gekommen, allerdings entwickelt sich auch hier die Lage dynamisch und „das Infekionsgeschehen wird zunehmend diffus“, wie Schweizer betont.

Diffus, das bedeutet, das immer öfter unklar bleibt, bei wem sich Infizierte angesteckt haben und die Nachverfolgung von Infektionsketten – ein existenzielles Vorgehen bei der Eindämmung – immer schwieriger wird.

7-Tage-Inzidenz übersteigt Grenzwert

Am Donnerstag, 22. Oktober, übersteigt die 7-Tage-Inzidenz im Kreis Waldshut den ersten Grenzwert von 35 und liegt bei 38,1. Dies allein habe allerdings noch keine kreisweiten Einschränkungen zur Folge, denn „durch die neue Coronaverordnung wurden Maßnahmen bereits umgesetzt, die zuvor nach dem ‚Landeskonzept zum Umgang mit einer zweiten Sars-CoV-2-Infektionswelle‘ örtlich vorgesehen waren, dazu gehört zum Beispiel die Ausweitung der Maskenpflicht auf den öffentlichen Raum, die Begrenzung von Ansammlungen und privaten Veranstaltungen auf zehn Personen“, wie Landratamtssprecherin Susanna Heim auf Anfrage des SÜDKURIER erläutert.

Weitere Beschränkungen und Maßnahmen in einzelnen Bereichen, seien aber im Zuständigkeitsbereich der Städte und Gemeinden lokal möglich. Erst bei Überschreitung des Wertes von 50 bei der 7-Tage-Inzidenz falle die Zuständigkeit dem Landratsamt/Gesundheitsamt zu, das dann entsprechend der jeweiligen Situation weitere Maßnahmen ergreift – denkbar wären hier beispielsweise Absagen von Veranstaltungen, oder eine Ausweitung der Maskenpflicht.

Nachverfolgung von Kontakten wird schwieriger

„Noch kann das Gesundheitsamt die Kontaktpersonen Infizierter ermitteln und die Kontakte nachverfolgen, aber der Aufwand für die Mitarbeiter ist immens“, so die Dezernatsleiterin. Profitieren würde das Amt vor allem aus den Erfahrungen des Frühjahrs und den damals entwickelten Strukturen. Jetzt im Herbst komme die Schwierigkeit hinzu, dass die Zahlen der individuellen Kontaktpersonen in den vergangenen Wochen stark gestiegen sind, wie Schweizer anhand eines Schaubilds den Mitgliedern des Kreistagsausschusses für Gesundheit, Pflege und Soziales zeigte.

Der Verwaltungsstab unter Leitung von Caren-Denise Sigg habe indes vor 14 Tagen seine Arbeit wieder hochgefahren, wie Susanna Heim erklärt. Der Verwaltungsstab setzt sich aus Mitarbeitern des Landratsamtes zusammen, die dann von ihren eigentlichen Aufgaben ganz oder teilweise entbunden werden. Der Führungsstab, bestehend aus DRK, Feuerwehr, THW und DLRG, arbeitet mit dem Verwaltungsstab zusammen.

Corona-Fälle an zehn Schulen und Kindergärten

Im Rückblick auf die Entwicklungen der vergangenen Wochen ging Dezernentin Schweizer auf verschiedene Schwerpunkte ein: An zehn Schulen und Kindergärten im Landkreis seien bislang elf Sars-CoV-2-Infektionen aufgetreten, sowohl bei Kindern als auch bei Lehrkräften und Betreuungspersonen. Hier wurde für die direkten Kontaktpersonen – in einem Fall mehr als 80 – häusliche Quarantäne angeordnet. Hier habe es bis Mitte Oktober keine Folgeinfektionen gegeben. Auch die Ergebnisse der Reihentestungen in 22 Pflegeheimen im Landkreis stellte Schweizer vor: Erfreulicherweise hätten nur sechs Infektionen nachgeweisen werden können und das Virus habe sich in diesen Einrichtungen nicht weiter ausgebreitet, ebenso wie bei den Testungen von 229 Menschen in den Asylunterkünften.

Das Fazit der Dezernentin zu diesen Ergebnissen: „Die Schutzmaßnahmen sind sinnvoll und wirken.“ Darum sei es wichtig, sie weiterhin penibel einzuhalten, wie auch Landrat Kistler betonte.

Auf die Frage der Räte nach den Verläufen der Krankheit, erklärte Kistler, dass die Situation im Klinikum Hochrhein in Waldshut derzeit noch entspannt sei, und sich die Zahl der Covid-19-Patienten dort bislang auf wenige Fälle beschränke. Wie sich die Lage aber in den kommenden Wochen entwickeln wird, sei derzeit nicht abschätzbar. Besorgt über die derzeitige Lage zeigten sich auch Landrat Martin Kistler und die Kreisräte, die die Gelegenheit nutzten, den Mitarbeitern des Gesundheitsamts und der Verwaltung für ihre Arbeit zu danken.

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