Mit einer gemeinsamen öffentlichen Gemeinderatssitzung wollen die Städte Wehr, Bad Säckingen und die Gemeinde Schwörstadt am kommenden Donnerstag die Einigkeit in der Region in der Autobahn-Frage dokumentieren. Doch bevor es dazu kommt, meldet sich die Bürgerinitiative „Pro Bergtrasse“ in Wehr-Brennet zu Wort und kritisiert die Arbeit der Planungsgesellschaft Deges, die im Sommer eine Taltrasse als Vorzugsvariante vorgestellt hat, die sie in ein Planfeststellungsverfahren führen will. „Wir vermissen einen Variantenvergleich“, so BI-Sprecher Georg Wunderle, der als Bewohner der Hard-Siedlung schon 50 Jahre mit der Autobahnplanung vertraut ist. Bei den Planern habe er nach einem Vergleich gefragt und zur Antwort bekommen, dieser liege erst im Frühjahr 2022 vor. Wunderle zeigt sich erstaunt, dass die Deges eine Vorzugsvariante festlegt, ohne sie nach den wichtigsten Kriterien mit anderen Varianten verglichen zu haben. „Das ist nicht seriös. Ich vermute, da wurde politischer Druck erzeugt“, so Wunderle.

Seit der öffentlichen Vorstellung der Vorzugsvariante im Juli hat sich Wunderle mit seinen Mitstreitern aus Brennet (insbesondere aus Hard-Siedlung und Weckertsmatt) intensiv mit der Deges-Trasse beschäftigt. Und nicht nur das: „Wir haben selbst einen Vorschlag entwickelt, wie die amtliche Bergtrasse weiterentwickelt werden könnte, damit sie umweltverträglicher, anwohnerverträglicher und vor allem kostengünstiger realisiert werden kann“, so Wunderle. Der Deges wurden die Ideen übermittelt, aber „wir haben noch nicht mal eine Reaktion bekommen.“

Vorschläge für Alternative

Die Idee der Bürgerinitiative: Das FFH-Gebiet beim Humbel soll untertunnelt und damit geschont werden. Dadurch liege die mögliche Brücke über Öflingen rund zehn Meter tiefer – nämlich nur 50 statt 60 Meter – und sie wird auch erheblich kürzer. Dies spare Geld und wirke sich auch auf die Öflinger Wohngebiete nicht so stark aus, wie die ursprünglich geplante 600 Meter lange Talbrücke. Die Deges-Trasse durchquere hingegen das Vogelschutzgebiet an der Wehra-Mündung. „Das Naturschutzgebiet und Naherholungsgebiet an Wehra und Rhein ist in meinen Augen wertvoller als eine Magerwiese auf dem Dinkelberg“, meint Georg Wunderle.

Bei einer Planung und Realisierung der Deges-Talvariante fürchtet Wunderle eine Kostenexplosion, die bei einer Kosten-Nutzen-Analyse letztlich zum K.O.-Kriterium werde. „Dann wird wieder eine Umgehungsstraße diskutiert“, so Wunderles Befürchtung. Mit gemischten Gefühlen blicken er und seine Mitstreiter zudem nach Berlin, wo nach der Bundestagswahl nun die Regierungsbildung beginnt. Für die Hochrhein-Autobahn könnten nun entscheidende Weichen gestellt werden: „Ich bin gespannt, was in einem Koalitionsvertrag stehen wird“, so Wunderle.

Der Verlauf der Deges-Trasse

Die von der „Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH“ (Deges) vorgestellten Vorzugsvariante des A98-Abschnitts zwischen Schwörstadt und Murg ist eine Weiterentwcklung der Konsens-Trasse. Sie führt nördlich an Schwörstadt vorbei und schwenkt beim Lachengraben ins Tal. Dort verläuft sie zunächst parallel zu Bundesstraße und Bahnlinie. Bei der Wehramündung wird sie über eine elf Meter hohe und 1140 Meter lange Talbrücke geführt und durchquert das Gewerbegebiet Nagelfluh zwischen Kläranlage und der Firma Rota Yokogawa – sozusagen auf Steltzen. Kurz hinter dieser Firma schwenkt sie nach Norden und überquert Bahnlinie und B34. Östlich des Wohngebiets Weckertsmatt befindet sich die Anschlussstelle Wallbach. Anschließend wird die Autobahn in den 2700 Meter langen Röthekopf-Tunnel geführt, der nördlich des Bergsees verläuft.

Bild: Luftbild: Erich Meyer, Grafik: Müller, Cornelia

Die Trasse im Gemeinderat

Die Gemeinderäte aus Wehr, Bad Säckingen und Schwörstadt terffen sich am kommenden Donnerstag, 30. September, um 19 Uhr, in der Wehrer Stadthalle, um sich mit der Vorzugsvariante der Deges zu beschäftigen. Die Sitzung ist öffentlich, für Besucher und Räte gelten die Vorgaben der Corona-Verordnung.

Die Bürgerinitiative

Rund 100 Anwohner aus Hardsiedlung, Weckertsmatt und anderen Gebieten Wehrs haben sich laut Georg Wunderle vor rund 15 Jahren zu einer „Bürgerinitiative Pro Bergtrasse“ formiert. Wieviele Mitglieder die Initiative heute noch hat, konnte Wunderle nicht sagen.Nach Jahren der Ruhe will die BI nun wieder aktiv werden. Dazu hat sie sich auch schon eine Internet-Adresse gesichert. Wenn es zu einem Planfeststellungsverfahren kommt, will die BI ihre Einwendungen in das Verfahren einbringen.

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