Ein Ersthelfer wählt die Nummer 112. Ein Notfall. Der Diensthabende auf der Leitstelle nimmt ab. Ab jetzt tickt die Uhr. Das Rennen gegen die Zeit beginnt. Wenn Menschen bei Unfällen in Not geraten und verletzt werden, brauchen sie Hilfe. So schnell wie möglich. Genügend Notärzte, Notfallsanitäter und Fahrzeuge müssen bereit stehen.

Eine möglichst lückenlose Infrastruktur

Laut Rettungsdienstgesetz müssen die qualifizierten Helfer nach Absetzen des Notrufs in zehn bis 15 Minuten am Notfallort sein. Dafür braucht es ein dichtes Netz mit Rettungswachen und Notarztstandorten. Eben eine gute, möglichst lückenlose Infrastruktur.

Wie funktioniert der Rettungsdienst im Landkreis Waldshut? Wie ist es mit der Notarztversorgung? Können die Hilfsfristen eingehalten werden? Wir haben beim Landratsamt und bei Heiko Zimmermann, Leiter des Rettungsdienstes im DRK-Kreisverband Waldshut, nachgefragt.

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Laut Landratsamtssprecher Michael Swientek gibt es im Landkreis sieben Notarztstandorte: In Waldshut (Schmittenau und Klinikum), Stühlingen (Krankenhaus), St. Blasien (Lungenfachklinik), Dettighofen, Bonndorf und Bad Säckingen. „Die sind gutachterlich belegt und orientieren sich am tatsächlich ermittelten Bedarf“, erklärt er.

Über das Straßennetz gut erreichbar

Sie dienen dem so genannten bodengebundenen Rettungsdienst. Die Notarztstandorte seien geographisch so verteilt, dass alle Ortschaften über das Straßennetz gut erreicht werden können. Die Standorte sind rund um die Uhr von Notärzten besetzt. Überdies gebe es sechs leitende Notärzte. „Sie können bei Großschadenslagen zusätzlich alarmiert werden“, beschreibt Swientek.

Rettungswachen überall verteilt

Die zwölf Rettungswachen im Landkreis machen das Netz noch engmaschiger. Sie sind quer über den Kreis verteilt in Waldshut (Klinikum und Schmittenau), Lauchringen, Dettighofen, Stühlingen, Ühlingen, Laufenburg, Bad Säckingen, Görwihl, Wehr, St. Blasien und Bonndorf.

Auf den Internetseiten des DRK-Kreisverbands Waldshut steht: „Das DRK, Kreisverband Waldshut, sichert als größter Leistungsträger neben zwei weiteren Verbänden die Notfallversorgung für rund 200.000 Menschen.“

Drei Player im Rettungsdienstbereich

Rettungsdienstleiter Heiko Zimmermann erklärt: „Im Rettungsdienstbereich Waldshut gibt es drei Player: Die Kreisverbände Waldshut und Säckingen sowie die Rettungsdienst Freiburg gGmbH.“ Sie deckten den kompletten Landkreis ab.

Kooperation mit Schweizer Rettungsdienst

Und: Wo immer eine Notlage herrscht, greife die Kooperation mit dem Schweizer Rettungsdienst. Die Leitstelle verfolge eine Next-Best-Strategie unter Einbindung des Schweizer Rettungsdienstes. Swientek: „Wenn ein Schweizer Einsatzmittel näher am Unfallort ist als ein deutsches, so wird dieses alarmiert. Umgekehrt alarmiert die Schweiz deutsche Rettungsmittel.“

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Dazu gesellen sich in der Luft-, Wasser- und Bergrettung die Bergwacht Schwarzwald, das DLRG und die fünf Hubschrauberstandorte Birrfeld (Kanton Aargau), Zürich, Basel, Villingen-Schwenningen und Freiburg.

All‘ das soll eine schnelle Hilfe für jeden Ort im Landkreis sicherstellen. So die Theorie. Unten im Tal, um es einfach darzustellen, entlang des Rheins um die Städte Waldshut, Bad Säckingen und Laufenburg, ist alles wohl kein Problem. Doch wie sieht es auf dem Land aus?

Die Besonderheiten des Landkreises

Swientek und Zimmermann machen auf die Besonderheiten des Landkreises aufmerksam. „Wir haben einen Flächenlandkreis mit viel Fläche und wenig Menschen“, sagt Zimmermann. „Waldshut bildet mit der Grenze im Süden Halbradien, nie einen Vollradius ab.“

Bezug nehmend auf die schnelle Rettung erklärt Swientek: „Die Topographie und die ländliche Struktur mit dünn besiedelten, weit auseinander liegenden Dörfern stellt an sich schon eine Herausforderung für die Einhaltung der Hilfsfristen dar.“ Schlechtes Wetter könne die Anfahrt zudem beeinflussen. Zeitgleiche Noteinsätze führten dazu, dass weiter entfernte Rettungsmittel angefordert werden müssten. „Auch der Verkehr kann, trotz Blaulicht, zu Verzögerungen führen“, ergänzt Swientek.

Beide sind sich einig: Neben der Hilfsfrist sei für den Notfallpatienten die so genannte „Golden Hour“ entscheidend. Der Patient solle innerhalb einer Stunde in einem Krankenhaus mit der Optimalversorgung ankommen. „Diese Golden Hour wird im Landkreis in rund 95 Prozent der Fälle eingehalten“, versichert Swientek. Zimmermann verleiht dieser Aussage Nachdruck: „Heute ist es viel wichtiger, dass die Rettungskräfte und der Patient in diesem Zeitkorridor in der richtigen Klinik ankommen.“

Bereichsausschuss arbeitet ständig an Verbesserungen

Die optimale Lösung gibt es für den Landkreis wahrscheinlich nicht. Aber der für den Rettungsdienst zuständige Bereichsausschuss des Landkreises arbeite ständig an der Verbesserung der Hilfsfrist und beschließe diesbezüglich Maßnahmen, versichert Swientek.

Laut seinen Ausführungen wurde aktuell zum Beispiel der 24/7 Notarzt vom Standort im Klinikum Waldshut in die Schmittenau verlegt, um die Ausrückzeit, also die Zeit zwischen Alarmierung und Abfahrt mit dem Notarzteinsatzfahrzeug (NEF), zu verbessern. „Das Notarztzimmer befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Fahrzeug, so dass eine Verbesserung erwartet wird“, erklärt der Landratsamtssprecher.

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