Stellen Sie sich vor, ein Nachbar erleidet plötzlich einen Herzinfarkt – sie rufen den Notarzt. Als der eintrifft, kann er zwar Ersthilfemaßnahmen durchführen, wichtige Information fehlen ihm aber: Wer ist der Hausarzt des Patienten, wie heißen die Angehörigen und wo wohnen die überhaupt? Muss der Nachbar regelmäßig Medikamente zu sich nehmen? Fragen, die die Ersthelfer nicht beantworten können. Die entsprechenden Informationen sind zwar irgendwo in der Wohnung – nur wo? Wichtige Informationen, die unter Umständen Leben retten können.

Hilfe aus der Dose

Um für solchen Szenarien vorzusorgen, gibt es die sogenannte Notfalldose, oder auch Notfallbox genannt. "Im Grunde sollte jeder eine Notfalldose besitzen, nicht nur chronisch Kranke oder Leute, die regelmäßig Medikamente zu sich nehmen. Denn ein Notfall kann in jedem Alter eintreffen", erklärt Gernot Strohm, Vorsitzender des Kreisseniorenrats Waldshut. „Alle wichtigen Informationen der Notfallpatienten, die für das rasche Handeln der Lebensretter notwendig sind, können auf dem Vordruck notiert und in der Dose verstaut werden“, erklärt Strohm weiter.

„Diese Dose kann im Notfall Leben retten“. Der Vorsitzende des Kreisseniorenrats, Genot Strohm, präsentiert einige der kleinen Dosen, in denen wichtige Informationen für Ersthelfer aufbewahrt werden können.
„Diese Dose kann im Notfall Leben retten“. Der Vorsitzende des Kreisseniorenrats, Genot Strohm, präsentiert einige der kleinen Dosen, in denen wichtige Informationen für Ersthelfer aufbewahrt werden können. | Bild: Gregor Müller

Eine Idee überzeugt

Die Einführung der Notfalldose geht auch auf eine Initiative des Kreisseniorenrats zurück, denn in anderen Teilen Deutschlands ist sie schon länger im Einsatz. Die Idee stieß schnell auf offene Ohren: Der Lions Club Waldshut war von der Aktion überzeugt und hat sich bereit erklärt, sie zu übernehmen und auch finanziell zu unterstützen. Jeder Landkreis oder Land in Deutschland handhabt die Verteilung der Notfalldosen anders. In einigen Regionen, etwa in Triberg, ist sie in Apotheken erhältlich. "Grundsätzlich kann gesagt werden, dass die Bedeutung einer solchen Notfalldose immer mehr erkannt und geschätzt wird", freut sich Strohm.

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Auch der Arzt Stefan Weyhenmeyer, niedergelassener Gastroenterologe in Lauchringen, würdigt die Idee als vorbildlich: "Wenn man bedenkt, wie unkompliziert die Notfalldose funktioniert, kann man dem Kreisseniorenrat nur einen Dank aussprechen, dies auf die Beine gestellt zu haben."

In einer ersten Verteilaktion wurden die Notfalldosen im Oktober vergangenen Jahres über den Kreisseniorenrat an die verschiedenen Gemeinden im Landkreis Waldshut verteilt. Die Exemplare konnten dann bei Interesse bei der Gemeindeverwaltung abgeholt werden. Die Nachfrage war sehr groß – denn die erste Charge war schon Ende 2018 mit 2500 Exemplaren vergriffen. Eine weitere Lieferung mit 1000 Stück, die für jeweils 1,50 Euro vergeben wurden, ist bereits ebenfalls vergriffen.

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"Weitere Bestellungen können jederzeit an mich oder die Vorstandsmitglieder des Kreisseniorenrats gerichtet werden. Wenn ungefähr 250 Anfragen eingegangen sind, können wir eine weitere Charge bestellen", erklärt Gernot Strohm. Einfacher sei es allerdings, so Strohm, wenn die Gemeinden im Landkreis auf den Seniorenrat zukommen würden und weiteres Interesse bekunden würden. "Dann könnten wir die Gemeinden mit den Notfalldosen ausstatten. Interessierte könnten dann die Exemplare an den Rathäusern erhalten, das wäre wesentlich einfacher und auch unkomplizierter."

Was steckt drin?

Und was enthält die Notfalldose nun ganz konkret? Ein von dem Besitzer auszufüllendes Formular und drei Aufkleber. Die Aufkleber kommen zum einen auf die Dose selbst, damit Rettungskräfte erkennen können, dass es sich um eine Notfalldose des Kreisseniorenrats handelt. Die zwei anderen Aufkleber werden an der Eingangstüre der Wohnung (von innen) und am Kühlschrank befestigt. Auch das hat den Zweck, dass Ersthelfer schnell erkennen können, ob der Notfallpatient eine entsprechende Dose besitzt oder nicht.

Dieses Formular ist in jeder Notfalldose enthalten. Wer ist Ansprechpartner im Notfall? Wer ist der Hausarzt des Notfallpatienten? Leidet der Betroffene an irgendwelchen Krankheiten? Informationen, die im Notfall für Erstretter schnell zugänglich sein müssen.
Dieses Formular ist in jeder Notfalldose enthalten. Wer ist Ansprechpartner im Notfall? Wer ist der Hausarzt des Notfallpatienten? Leidet der Betroffene an irgendwelchen Krankheiten? Informationen, die im Notfall für Erstretter schnell zugänglich sein müssen. | Bild: Müller, Gregor

Das Formular in der Dose muss erst einmal mit den persönlichen Daten der Person versehen werden, also Name, Anschrift, Geburtsdatum und so weiter. Wichtiger sind dann die medizinisch relevanten Angaben: Wer ist der Hausarzt? Welches Krankenhaus bevorzugt man im Notfall? Erhält die Person Pflegedienst und wenn ja, von wem? Schließlich muss auch angegeben werden, ob man an Medikamente gegen bestimmte Krankheiten einnimmt, wie etwa Diabetes, Asthma oder Epilepsie.

"Die Dosen sollten im Kühlschrank aufbewahrt werden", erklärt Gernot Strohm. "Denn er ist in der Regel leicht zugänglich und praktisch jeder besitzt einen." Ein Aufkleber, der ebenfalls in den Notfalldosen enthalten ist, weist Notfallretter darauf hin.
"Die Dosen sollten im Kühlschrank aufbewahrt werden", erklärt Gernot Strohm. "Denn er ist in der Regel leicht zugänglich und praktisch jeder besitzt einen." Ein Aufkleber, der ebenfalls in den Notfalldosen enthalten ist, weist Notfallretter darauf hin. | Bild: Müller, Gregor

Zahlen sprechen für sich

Momentan gibt es laut Strohm rund 34 000 Senioren – also Menschen, die älter als 65 Jahre sind – im Landkreis Waldshut. "Wenn man bedenkt, dass jetzt, nach so kurzer Zeit, schon rund zehn Prozent die Notfalldose nutzen, ist das doch sehr motivierend", erklärt der Kreisseniorenrats-Vorsitzende stolz. Doch der Kreisseniorenrat will es nicht dabei belassen und will auf jeden Fall noch mehr Exemplare verteilen.

Denn wenn man bedenkt, dass die Menschen immer älter werden und doch im Alter oft zu Hause leben wollen, ist diese kleine Hilfe im Kühlschrank doch äußerst hilfreich – und kann im Zweifel Leben retten, wenn es bei Ersthilfemaßnahmen um Sekunden gehen muss.

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Hauptversammlung mit Vortrag: Am 13. März, 14.30 Uhr, hält der Kreisseniorenrat seine Hauptversammlung im Informationszentrum der Sparkasse Hochrhein in Waldshut. Der Demografiebeauftragte des Landes Baden-Württemberg, Thaddäus Kunzmann, wird in diesem Rahmen einen Vortrag rund um die Altersverteilung in der Bevölkerung halten und Ausblick geben auf zukünftige Entwicklungen.

Das Wichtigste zur Notfalldose

  • Was steckt dahinter? Die Grundidee , die hinter der Notfalldose steckt, ist, Ersthelfern im Notfall möglichst schnell medizinische Informationen zu einem Patienten zu vermitteln: Welche Medikamente braucht der Patient? Bestehen Allergien, auf die geachtet werden müssen? Wo wohnen die nächsten Verwandten? Der Grund ist, dass sich etwa bei Schlaganfällen Betroffene oft nicht mehr ausreichend mitteilen können.
  • Was steckt drin? Der Inhalt einer Notfalldose ist überschaubar: Ein Formular, dass von dem Betroffenen möglichst vollständig ausgefüllt werden muss und zwei Aufkleber. Die Aufkleber dienen den Rettungskräften zum schnellen Auffinden der Notfalldose. Einer wird an der Eingangstüre innen befestigt, der andere am Kühlschrank. So können Ersthelfer schnell erkennen, ob der Patient eine Notfalldose besitzt. Im Formular werden wichtige persönliche und medizinische Informationen abgefragt. Außerdem werden hier auch Name und Adresse des Hausarztes, wie auch der nächsten Verwandten vermerkt.
  • Wo erhalte ich die Notfalldose? Die Dose kann über den Kreisseniorenrat erworben werden. Kontakte sind: Vorsitzender Gernot Strohm, Telefon 07753/97 81 18, E-Mail (vorsitz@ksr-wt.de). Stellvertretender Vorsitzender Alfred R. Laffter, Telefon 07754/75 83, E-Mail (stv1@ksr-wt.de). Stellvertretender Vorsitzender Akademie 55plus Wolfram Kremp, Telefon 07755/910 30, E-Mail (stv2@ksr-wt.de).