Schnelle Hilfe rettet Leben. Wenn sich Menschen bei einem Unfall schwer verletzen, kommen Notfallsanitäter und Notarzt, versorgen den Verletzten und bringen ihn zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus. So der Plan.

Kein Verletzter bleibt liegen

Was aber passiert, wenn im Moment des Unglücks keine Fahrzeuge und Besatzungen zur Verfügung stehen? An der Schweizer Grenze, am Hochrhein, ist es kein Problem.

Seit Jahren besteht eine enge Zusammenarbeit der deutschen und schweizerischen Rettungsdienste. Sollte es zu einem Engpass kommen, können die Schweizer Hilfskräfte mit ihren Einsatzwagen einspringen. Und umgekehrt. Keiner bleibt liegen.

Die Rettungskette springt an

Jeder kennt das Szenario, wenn die Rettungskette anspringt. Im Notfall wird in Deutschland die internationale Notrufnummer 112 gewählt. Die Lage am Unfallort wird geschildert. Die zuständige Leitstelle schickt das medizinische Fachpersonal mit ihren Fahrzeugen los. Die Experten sprechen von „Rettungsmittel„.

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„Wenn Rettungsmittel zur Verfügung stehen, ist alles in Ordnung. Wenn nicht, informiert die deutsche die Schweizer Leitstelle„, schildert Heiko Zimmermann, Rettungsdienstleiter des DRK-Kreisverbands Waldshut, den Ablauf in der Grenzregion. Bei einem Notfall auf Schweizer Boden hilft umgekehrt der deutsche Rettungsdienst aus. Hier läuft alles über die Nummer 144 und über die Einsatzzentralen in Zürich und Aargau.

„Next-Best-Strategie“ in der Schweiz

Jean Mezghini, Leiter des Rettungsdienstes im Spital Bülach, macht auf eine Besonderheit im Kanton Zürich aufmerksam: „Wir verfolgen eine Next-Best-Strategie. Das heißt, bei einem Notfall kommt das nächst gelegene Rettungsmittel zum Einsatz.“

In vielen Fällen würden die Einsatzkräfte von deutschen Standorten über die Grenze geschickt, wenn grenznah Patienten in der Schweiz in Not sind, weil er näher dran liegt. Mezghini: „Auch Stühlingen liegt zum Beispiel näher an manchen Orten im Kanton Schaffhausen als die Schweizer Standorte.“

Schnelle Rettung aus der Luft

Auch eine schnelle Rettung aus der Luft ist garantiert. Laut Zimmermann gebe es auf deutscher und Schweizer Seite fünf Hubschrauberstandorte: In der Schweiz sind es Birrfeld im Kanton Aargau, Zürich und Basel, Villingen-Schwenningen und Freiburg auf der deutschen Seite.

Im Ernstfall ins nächste Krankenhaus

Die Crew vor Ort entscheide, in welches Krankenhaus der Verletzte gebracht wird. Dabei sei nicht garantiert, dass er in sein Heimatspital gebracht werde. Das hänge vom medizinischen Zustand des Patienten ab. Im Ernstfall, wenn‘s schnell gehen muss, wird das nächstliegende Krankenhaus angesteuert.

Nadelöhr Rheinbrücke kein Problem

Die Einsatzkräfte kommen schnell auf die andere Seite der Grenze. Auch über die Rheinbrücke in Waldshut gebe es laut Zimmermann wenige bis keine Probleme. „Wir wissen, dass die Rheinbrücke ein Nadelöhr ist. Aber im Notfall wird der Zoll verständigt, die Zöllner sorgen dafür, dass die Verkehrsströme abfließen, und die Rettungsfahrzeuge durchkommen“, beschreibt er.

112 im Schweizer Netz führt zur Schweizer Polizei

Probleme könne es einzig beim Wählen der Notrufnummer geben. Zimmermann: „Wenn man im Schweizer Netz ist, und die 112 wählt, landet man in der Schweiz bei der Polizei. Die fragt nach der polizeilichen und medizinischen Lage und verbindet mit der zuständigen deutschen Leitstelle.“

Reibungsloser Austausch bei der Koordination

Mezghini und Zimmermann arbeiten schon seit Jahren zusammen. Aus ihrer Sicht läuft die grenzüberschreitende Rettung sehr gut. „Es ist auf jeden Fall eine Verbessrung für den Notfallpatienten auf jeder Seite des Rheins„, sagen die beiden. Auch von der technischen Seite gebe es keine Probleme. „Wir sind EDV-technisch länderübergreifend sehr gut vernetzt. Der Austausch ist tipptopp, es gibt kaum Verzögerungen“, erklärt Patrick Frey, Leiter der integrierten Leitstelle (ILS) in Waldshut.

Zahlen verdeutlichen, wie wichtig die Zusammenarbeit der Rettungsdienste beider Seiten entlang der Hochrheinschiene ist. Mezghini berichtet von 25 Einsätzen seiner Rettungskräfte in den Klettgau und an den Hochrhein in diesem Jahr.

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Die Kollegen im Kreis Waldshut sind laut Zimmermann von Januar bis dato entlang der ganzen Hochrheinschiene, von Schaffhausen bis Schwörstadt, etwa 70 Mal unterstützend und länderübergreifend in der Schweiz in Notfall- und Notarzteinsätzen tätig gewesen.

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