Es sind entscheidende Aufgaben, um die die Weiterverbreitung des neuartigen Coronavirus Sars-Cov-2 zu verhindern: In den Gesundheitsämtern der Landkreise erfolgt unter anderem die Koordination von Testungen, die Begleitung von Erkrankten in Isolation und Menschen in Quarantäne, die Meldung der regionalen Infektionszahlen an übergeordnete Stellen, und die teils an Detektivarbeit erinnernde Ermittlung von Kontaktpersonen mit Ansteckungsrisiko.

Dies sind nur einige Beispiele für die Aufgaben, denen auch das Gesundheitsamt im Kreis Waldshut nachkommt. Das Team um Amtsleiter Jürgen Thoß im Zuständigkeitsbereich von Dezernentin Corinna Schweizer gibt einen Einblick, was in den vergangenen Monaten geleistet wurde und welche Aufgaben auch angesichts rückläufiger bis hin zu stagnierenden Infektionszahlen im Landkreis Waldshut anstehen.

„Wir arbeiteten in dieser Zeit sieben Tage in der Woche. Es war nicht möglich, das Amt zu schließen.“
Amtsleiter Thoß über die Situation von März bis Juni.

2938 Überstunden kamen bis Anfang Juni allein bei den 26 Mitarbeitern des Gesundheitsamts zusammen. Doch alleine wäre die Flut an Aufgaben nicht zu bewältigen gewesen: „Wir bekamen in dieser Zeit Unterstützung aus anderen Abteilungen des Landratsamts“, erklärt Amtsleiter Thoß.

Am 27. Mai galt der Landkreis Waldshut als erster in Südbaden erstmals als „corona-frei“, es gab also keine bestätigten aktiven Sars-CoV-2-Infektionen mehr.

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Einen Monat später, am 26. Juni, ist dies wieder der Fall. Damit einher geht etwas mehr Ruhe im Amt und Zeit, eine Zwischenfazit zu ziehen.

Aufgaben des Corona-Teams

Im Waldshuter Landratsamt wurde zu Beginn der Pandemie ein Coronateam gebildet, wie Michael Erhardt erläutert. Er ist Mediziner im Gesundheitsamt und stand in den vergangenen Monaten an „vorderster Front“. Die 26 Mitarbeiter des Gesundheitsamts mit Unterstützung von vier weiteren Kräften bildeten das Kernteam.

Den Mitarbeitern des Gesundheitsamts Waldshut kommt bei der Eindämmung der Corona-Pandemie eine besonders wichtige Rolle zu: Unter anderem ermitteln und kontaktieren sie Kontaktpersonen von Menschen, bei denen das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 nachgewiesen wurde. Von links: Mediziner Dr. Michael Ehrhardt vom Gesundheitsamt, Dezernatsleiterin Dr. Corinna Schweizer und Amtsleiter Dr. Jürgen Thoß.
Den Mitarbeitern des Gesundheitsamts Waldshut kommt bei der Eindämmung der Corona-Pandemie eine besonders wichtige Rolle zu: Unter anderem ermitteln und kontaktieren sie Kontaktpersonen von Menschen, bei denen das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 nachgewiesen wurde. Von links: Mediziner Dr. Michael Ehrhardt vom Gesundheitsamt, Dezernatsleiterin Dr. Corinna Schweizer und Amtsleiter Dr. Jürgen Thoß. | Bild: Olheide, Monika

Bei Ihnen laufen die Fäden zusammen: Ärzte und Labore melden Fälle, die in der Coronazentrale gesichtet, kategorisiert und weitergemeldet werden. Bei bestätigten Infektionen wird eine Akte angelegt und es folgen Erstgespräch, Dateneingabe, Fragebögen nach den Kontaktpersonen und – wenn kein Krankenhausaufenthalt nötig ist – die Anordnung der häuslichen Quarantäne. Mit den Infizierten wie auch den Kontaktpersonen gilt es darüber hinaus in Kontakt zu bleiben, die Gesundheitsüberwachung und Testungen zu koordinieren, sowie Befunde zu übermitteln. Zusätzlich war und ist die Behörde mit vielen Bürgern direkt im Gespräch, die keine Infektion hatten und auch nicht als Kontaktpersonen galten.

Viele Fragen am Telefon

Denn mit dem Coronavirus gingen viele Fragen einher. Das Gesundheitsamt hatte seit März eine extra Telefonhotline (07751/86-5151) geschaltet, bei der Bürger Antworten rund um das Virus und die Schutzmaßnahmen bekamen. Bedarf gab es reichlich. Zusätzlich zum Coronateam waren 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Abteilungen des Landratsamts an den Telefonen.

„Die Themen der Fragesteller änderten sich im Laufe der Zeit“, so Thoß. Ging es zunächst vor allem um medizinische Aspekte, kamen nach und nach Fragen zu den gesetzlichen Vorgaben, der Wirtschaft und den Lockerungen hinzu. Tausende Anrufe gingen ein. „Uns war und ist es wichtig, die Bürger und ihre Fragen ernst zu nehmen und verlässliche Antworten zu geben“, sagt der Amtsleiter. Er spricht von „hohem logistischen Aufwand, diesem Bedarf gerecht geworden zu sein“.

Schwierige Recherche

Immer wieder fiel auf, dass sich die gemeldeten Infektionszahlen veränderten. Thoß hat dafür eine Erklärung: „In Einzelfällen war zunächst unklar, welchem Landkreis ein Infizierter zuzurechnen ist.“ So sei beispielsweise in einem Fall bei der Krankenkasse noch eine alte Adresse hinterlegt gewesen, wonach der Patient zunächst als Waldshuter Kreisbewohner galt, obwohl er bereits umgezogen war. So etwas zu korrigieren sei ein großer Aufwand, beschreibt auch Dezernatsleiterin Schweizer. Schwierigkeiten bereiteten auch Namensänderungen und nicht selten seien keine aktuellen Telefonnummern hinterlegt gewesen. „Das ist dann zum Teil wirklich Detektivarbeit“, beschreibt Ehrhardt.

Ebenso verhält es sich bei den Kontaktpersonen. Längst nicht bei allen sind Daten bekannt. „Und immer wieder gab es Fälle, in denen Erkrankte noch Tage später weitere Personen nachmelden, die dann wiederum von uns kontaktiert werden müssen“, erklärt Thoß.

Nur wenige missachten Quarantäne

Mit wie vielen Menschen das Amt in den vergangenen drei Monaten in Kontakt stand, vermag bei der Behörde niemand zu beziffern. Gerade in der Anfangsphase kam es zu Überlastungen der Telefonanlage, so oft wurde der Kontakt gesucht. Sicher ist aber, dass bis Anfang Juni rund 2000 Menschen im Landkreis in Quarantäne geschickt worden waren.

Doch mit der Kontaktaufnahme und der Verordnung der Quarantäne war es nicht getan. Denn die Menschen müssen regelmäßig kontaktiert und nach ihrem Gesundheitszustand befragt werden. Einige Einzelfälle habe es gegeben, in denen die Quarantäne gebrochen worden wäre, aber: „Ganz überwiegend haben sich die Menschen im Kreis an die angeordnete Quarantäne gehalten“, zieht Thoß positive Bilanz.

Kritik an Corona-Tests

Auch Kritik an der Behörde wurde in den vergangenen Monaten immer wieder geäußert – direkt oder auch über Umwege, beispielsweise in den sozialen Medien. „Die Situation war und ist natürlich für uns alle neu, für die Bürger ebenso wie für unser Team“, gibt Thoß zu bedenken.

Vor allem die Zahl und das Vorgehen bei den Abstrichen beschäftigte die Menschen. „Wird genug getestet?“ lautete eine vielfach formulierte Frage. Gesundheitsamtsleiter Thoß erklärt dazu: „Wir haben uns immer an die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts gehalten.“ Doch diese hatten sich gerade in der Anfangszeit sehr oft geändert. Zunächst galt es lediglich Menschen mit Symptomen zu testen, die in Risikogebieten waren, etwas später dann die gefährdeten Personen mit Symptomen und seit 12. Mai alle Menschen, die Symptome eine Atemwegserkrankung haben, sowie alle, die einer Risikogruppe angehören.

So begründet Thoß, dass es zu Situationen kam, in denen Menschen nicht auf das Virus getestet worden wären, zwei Tage später aber – unter neuen Voraussetzungen – doch die Kriterien erfüllt hätten. Dies habe zum Teil für Unmut gesorgt, den auch das Team des Gesundheitsamts nachvollziehen kann.

Begrenzte Möglichkeiten

Transportwege, Engpässe bei Reagenzien in den Laboren, Ausfälle von Maschinen zur Auswertung, von Laboren rationiert zugeteilte Abstrichröhrchen, drei bis vier Tage Wartezeit auf Testergebnisse: Gerade im März und April habe der Landkreis mit zahlreichen Problematiken zu tun gehabt, die die Möglichkeiten für Corona-Abstriche beschränkten. „Wir hätten mehr getestet, wenn es möglich gewesen wäre“, sagt der Amtsleiter Anfang Juni.

Allerdings: „Es war uns wichtig, gerade am Anfang zielgerichtet zu testen und ein schnelleres Ergebnis zu bekommen. Dazu mussten wir priorisieren um zu verhindern, dass Proben nicht mehr ausgewertet werden können, oder die Ergebnisse erst viel später vorliegen“, so Thoß. Darum seien weniger Menschen, aber gezielter getestet worden, wie er sagt. Mittlerweile habe sich die Situation entspannt und die Labore hätten mehr Kapazitäten.

Corona-Tests: Eine Einschätzung

„Aus medizinischer Sicht ist es wichtig zu beachten, dass ein Test auf das Virus nur in einem bestimmten Zeitfenster wirklich sinnvoll ist“, hebt Ehrhardt hervor. So sei beispielsweise der Test nach dem Kontakt mit einem Infizierten erst nach fünf Tagen zu empfehlen. Der Mediziner weist darauf hin, dass ein Test immer nur eine „Momentaufnahme“ ist: „Das Ergebnis sagt bei negativem Ergebnis aus, dass zum Zeitpunkt des Abstrichs keine Viren in diesem Teil der Schleimhaut nachweisbar sind.“ Ob sich das zwischenzeitlich geändert hat, ist unklar, ebenso wie die Frage, ob nicht doch eine Infektion vorliegt und nur der Zeitpunkt des Abstrichs für den Nachweis falsch war.

In der Anfangsphase der Pandemie waren die Corona-Abstriche überweigend von Ärzten des Gesundheitsamts übernommen worden. Von 5. März bis 2. April erfolgten die Abstriche in den meisten Fällen vor Ort oder in den speziell eingerichteten Drive-In-Stationen, wo die Personen mit Verdacht auf eine Infektion mit dem Auto einbestellt wurden.

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Mitte März sei dann die Kassenärztliche Vereinigung bei den Tests mit involviert gewesen und die Abstriche wurden nach und nach von niedergelassenen Ärzten übernommen. Doch noch immer ist das Gesundheitsamt in das Corona-Testgeschehen involviert: Denn die Koordinierung, Durchführung und Auswertung von Reihentestungen, beispielsweise in Pflegeheimen, beschäftigen die Mitarbeiter weiterhin.

Hinsichtlich der Tests auf Antikörper sind sich die Experten des Gesundheitsamts sicher: „Derzeit erscheint es nicht sinnvoll, dies zu tun, da die verfügbaren Tests noch recht unsicher sind und sich die Frage nach der Interpretation dieser Ergebnisse stellt“, so Amtsleiter Thoß. Denn unsicher sei nach wie vor, ob der Nachweis von Antikörpern tatsächlich eine Immunität bedeute, wie lange diese anhält und welche Aussagekraft ein entsprechendes Ergebnis habe.

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