Als erster Landkreis in Südbaden gilt der Kreis Waldshut seit Mittwoch offiziell als „corona-frei“. Nachdem der letzte bestätigte Covid-19-Patient am Mittwochmorgen wiederholt negativ auf den Erreger Sars-CoV-2 getestet worden war, gibt es nun keine bestätigten Infektionen mit dem neuartartigen Coronavirus mehr. Allerdings bestehe auch im Kreis Waldshut noch immer die Gefahr, sich zu infizieren, weshalb das Landratsamt an die Bürger appelliert: „Gleichwohl darf diese gute Nachricht nicht zu einer Nachlässigkeit im Umgang mit den Corona-Schutzmaßnahmen führen.“

Vergleichsweise wenig bestätigte Infektionen aber viele Sterbefälle

Am 11. März war der erste Kreisbewohner positiv auf das Virus getestet worden. Insgesamt 311 bekannte Infektionen waren seitdem vom Gesundheitsamt erfasst worden. Damit waren im Kreis Waldshut 19,7 von 10.000 Einwohnern mit Sars-CoV-2 infiziert. Deutlich höher ist diese Zahl im Nachbarkreis Lörrach mit 29,4 Infektionen je 10.000 Einwohnern.

Bild: Schönlein, Ute

Vor diesem Hintergrund besonders auffällig zeigte sich die Entwicklung der Sterbefälle im Zusammenhang mit Covid-19 im Kreis Waldshut: 35 Personen sind verstorben, was einem sogenannten Fall-Verstorbenen-Anteil (abgekürzt CFR,von „case fatality rate“) von 11,2 entspricht.

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Das bedeutet, dass hier rund 11 von 100 postiv auf das Coronavirus getesteten Menschen die Infektion nicht überlebten. Zum Vergleich: Im Nachbarkreis Lörrach liegt diese Zahl mit 57 Verstorbenen und 664 Infektionen bei 8,5.

Was lässt sich über die Teststrategie sagen?

Bis Ende April immer wieder die geringe Zahl der Abstriche im Kreis Waldshut aufgrund der Laborkapazitäten in der Kritik. Hinzu kam, dass der Landkreis die 40 möglichen Tests am Tag bewusst nicht ausschöpfte: „Wir in Waldshut haben, wie mehrfach berichtet, bereits früh priorisiert und schwerpunktmäßig getestet. Das hat sich auch bewährt“, sagte Landratsamtssprecherin Susanna Heim Ende April dazu.

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Im direkten Vergleich mit dem Nachbarkreis Lörrach fällt die niedrige Waldshuter Testquote auf: So lagen von je 10.000 Einwohnern des Landkreises am 7. Mai in Lörrach von 238,3 und in Waldshut nur von 144,1 Personen Abstrichergebnisse vor. Allerdings sind diese Gesamtzahlen der während der Epidemie durchgeführten Tests auf das neuartige Coronavirus unvollständig. Bekannt ist, dass auch im Landkreis Waldshut nur positive Ergebnisse der von Ärzten veranlassten Anstriche überhaupt an das Gesundheitsamt gemeldet wurden.

Werden derzeit noch Menschen auf Sars-Cov-2 getestet?

Die Test-Kapazitäten hatte sich im Mai im Kreis Waldshut dann deutlich verbessert: Diese erweiterten Kapazitäten schlugen sich dementsprechend in den Gesamtzahlen der Covid-19-Abstriche nieder: Waren es zuvor rund 250 Tests pro Woche, stiegt diese Zahl auf bis zu 200 Abstriche am Tag an.

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Hintergrund hierfür sind die derzeit laufenden flächendeckenden Tests von Bewohnern und Mitarbeitern in den 27 Alten- und Pflegeheimen im Landkreis, sowie die neu hinzugekommenen Abstriche bei Menschen ohne Symptomen, die Kontakt zu einem Sars-CoV-2-Infizierten hatten.

Sind die Einwohner des Landkreises nun vor Neuinfektionen sicher?

Nein, das Risiko ist nach wie vor gegeben. Das Landratsamt Waldshut weist darauf hin, dass die Zahlen des Gesundheitsamts ausschließlich bestätigte Infektionen umfassen. Sehr wahrscheinlich gibt es aber eine nicht zu unterschätzende Dunkelziffer an Personen, die trotz einer Infektion mit Sars-CoV-2 keine Symptome zeigen und die Infektion unerkannt bleibt. Zwar sei davon auszugehen, dass auch diese Zahl in den vergangenen Wochen gesunken sei, die Menschen sollten dennoch weiterhin vorsichtig sein und die Anstandsregeln einhalten.

Bild: Bernhardt, Alexander

Landratsamtssprecherin Susanna Heim betonte am Mittwoch jedoch trotz der aktuellen Freude über die Genesung aller am Coronavirus Erkrankten im Kreis: „Dass es ab heute keine bestätigten Fälle mehr im Landkreis gibt, heißt aber leider noch lange nicht, dass es keine unerkannten Fälle gibt.“ Es herrsche nach wie vor ein Restrisiko, sich zu infizieren auch, wenn dieses gering sei.

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Sie appelliert weiterhin an die Einhaltung der Hygienemaßnahmen. „Die erfreuliche Entwicklung, lässt sich nur durch die Disziplin und Bereitschaft aller, dies zu beachten, aufrecht erhalten.“

 

Die Entwicklung in anderen Kreisen

Da auf Nachfrage nicht alle Landratsämter für die vergangenen Tage Auskunft über alle Aspekte wie etwa die Zahl der aktuell Infizierten geben können, oder nicht für jeden Tag Zahlen liefern, unterscheidet sich die Ausführlichkeit der Informationen von Landkreis zu Landkreis.

  • Landkreis Konstanz: Zwischen dem 13. Mai und dem 26. Mai wurden im Landkreis Konstanz sieben Neuinfektionen gemeldet. Da gleichzeitig jedoch viele Erkrankte genesen sind, ging die Zahl der aktuell Infizierten jedoch stetig zurück. Am 27. Mai belief sich die Zahl der damals noch aktiv Erkrankten auf 26.
  • Schwarzwald-Baar-Kreis: Zwischen dem 23. und dem 26. Mai wurden im hier keine Neuinfektionen mehr gemeldet. Allerdings kamen am 27. Mai drei neue Fälle hinzu. Aktuell sind 42 Personen erkrankt.
  • Bodenseekreis: Am 25. und 26. Mai gab es im Bodenseekreis keine aktuell Infizierten. Jedoch wurde am 27. Mai eine neue infizierte Person gemeldet.
  • Kreis Sigmaringen: Zwischen dem 13. Mai und dem 26. Mai wurden hier insgesamt 3 neue Fälle gemeldet. Da jedoch gleichzeitig viele Menschen genesen sind, waren am 26. Mai noch acht Personen infiziert.
  • Kreis Ravensburg: Keine neuen Infektionen gab es hier zwischen dem 15. und dem 26. Mai. Die Zahl der aktuell Infizierten sank am 26. Mai auf 53.
  • Kreis Lörrach: Die Zahl der aktuell Infizierten sank im Landkreis Lörrach zuletzt stetig. Am 27. Mai betrug die Anzahl der aktuell Infizierten noch 18, noch eine Woche zuvor waren es 78 gewesen. Sei dem 19. Mai sind keine neuen Infektionen gemeldet worden.
  • Kreis Breisgau-Hochschwarzwald: Zwischen dem 24. und dem 26. Mai wurden keine neuen Infektionen gemeldet. Allerdings kam am 27. Mai ein neuer Fall dazu, sodass bis zu diesem Tag insgesamt 1147 im Kreis als infiziert gemeldet wurden.
  • Zollernalbkreis: Die meisten bekannten aktuellen Infektionen im Verbreitungsgebiet gibt es im Zollernalbkreis. Insgesamt waren dort bis zum 27. Mai 1193 Personen infiziert gemeldet worden – eine mehr als noch am Vortag. Aktuell infiziert waren an jenem Tag durch Genesungen noch 172.
  • Kreis Tuttlingen: Bis zum 27. Mai wurden hier insgesamt 500 Menschen als infiziert gemeldet – davon waren aktuell 29 Personen erkrankt. (lam)

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