Sieben Tage nach der Tour de France startet am Freitag, 3. Juli, ein ganz anderes Radereignis – das Stadtradeln in den Landkreisen Waldshut und Lörrach. Bei dieser den Organisatoren zufolge „weltgrößten Fahrradkampagne“ geht es nicht um sportliche Höchstleistungen. Ziel ist es, möglichst viele Menschen dazu zu bringen, beim Weg zur Arbeit, zum Einkauf oder zu anderen Anlässen drei Wochen lang öfter mal das Rad statt des Autos zu benutzen. So soll für den Klimaschutz und die verstärkte Förderung des Radverkehrs geworben und der ein oder andere Teilnehmer fürs Radeln begeistert werden.

Diese Städte und Gemeinden machen mit

Beim Stadtradeln treten die Teilnehmer nicht nur für mehr Klimaschutz in die Pedale, sie vertreten auch eine Gemeinde – vorausgesetzt, diese macht beim Stadtradeln mit. Im Landkreis Waldshut sind dieses Jahr so viele Kommunen wie noch nie am Start. Elf Städte und Gemeinden beteiligen sich, neun davon zum ersten Mal: Albbruck, Dogern, Grafenhausen, Lauchringen, Laufenburg, Lottstetten, Murg, Waldshut-Tiengen und Wehr. Für Küssaberg ist es nach 2020 die zweite Teilnahme. Als elfte Kommune beteiligt sich Bad Säckingen bereits seit 2017, geht dieses Jahr aber erst am 5. September in die dreiwöchige Wertung. Zeitgleich mit dem Landkreis Waldshut hingegen starten ebenfalls am 3. Juli acht Kommunen im Landkreis Lörrach mit der Aktion: Binzen, Eimeldingen, Kandern, Lörrach, Schliengen, Schopfheim, Schwörstadt und Steinen.

Menschen, die in diesen Orten wohnen, arbeiten, einem Verein angehören oder eine Schule besuchen, können sich auf der Stadtradeln-Homepage registrieren, mit Nachbarn, Freunden, Vereinsmitgliedern, Arbeitskollegen oder Klassenkameraden ein Team bilden, sich einem bestehenden Team anschließen oder als Einzelfahrer antreten. Alle zwischen dem 3. bis 23. Juli geradelten Kilometer können sie dann auf der Homepage stadtradeln.de eintragen oder direkt über die Stadtradeln-App erfassen lassen.

Am Montagabend hatten sich aus dem Landkreis Waldshut bisher knapp 640 Radler und 145 Teams registriert. In Laufenburg zum Beispiel waren es 49 Radler und neun Teams – als größtes das der Stadtverwaltung mit 16 gemeldeten Teilnehmern, daneben Betriebsteams der Höganäs, der Royalin und des E-Biker sowie mehrere Stadtteil-Teams. In Waldshut-Tiengen waren es am Montagabend 109 Radler und 19 Teams, in Lauchringen 100 und 25, in Wehr 78 und 13.

Eine spezielle Kategorie gibt es für Gemeinde-, Stadt- und Kreisräte. Denn das Stadtradeln will Kommunalpolitiker dazu bringen, sich selbst aufs Velo zu setzen, um so zu erfahren, wo Radwege ausgebaut und sicherer gemacht werden müssten. Unter den Mandatsträgern der einzelnen Kommunen ist die Bereitschaft, sich in den Sattel zu schwingen, bisher aber sehr unterschiedlich entwickelt. In Murg hatten bis Montagabend acht von 18 Gemeinderäten ihre Teilnahme erklärt, in Grafenhausen hingegen unter 14 kein einziger. Von Radmuffeln scheint auch der Albbrucker Gemeinderat dominiert zu sein, wo bis Montag nur eines von 27 Mitgliedern sich eingeschrieben hatte, in Waldshut-Tiengen waren es nur vier von ebenfalls 27. Anders in Dogern, wo sich zum selben Zeitpunkt sieben der 13 Gemeinderäte fürs Stadtradeln angemeldet hatten und Laufenburg mit sieben von 18 Stadträten.

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Für die Teilnahme wirbt auch der Waldshuter Landrat Martin Kistler: „Ich freue mich, dass unser Landkreis erstmals beim Stadtradeln mitmacht. Damit möchten wir ein starkes Zeichen für mehr Radförderung, Klimaschutz und Lebensqualität setzen.“ Um möglichst viele Menschen zum Mitradeln zu animieren, hat sich der Landkreis die Fotoaktion „RadelFuchs“ ausgedacht. Im Aktionszeitraum 3. bis 23. Juli veröffentlicht der Landkreis auf seiner Homepage (www.landkreis-waldshut.de/aktuelles/stadtradeln-2021/) täglich ein Foto des Plüsch-Füchsleins. Wer zu wissen glaubt, wo er sich befindet, kann einen von zehn „Genusskörble“ mit Produkten aus der Region gewinnen.

Auch im Kreis Lörrach locken Preise für die Stadtradler. Wer mit dem Rad mindestens fünf Rathäuser der teilnehmenden Gemeinden ansteuert und dort mit einem frei zugänglichen Gemeindestempel eine Teilnahmekarte selbst abstempelt und diese bis zum 30. Juli beim Landratsamt oder einem der Rathäuser einwirft, nimmt an der Verlosung teil. Jede Gemeinde stiftet hierfür einen Preis. Zu gewinnen gibt es unter anderem Jubiläumsweine von ansässigen Winzern, eine Zehnerkarte für das Freibad Schwörstadt sowie Gutscheine, zum Beispiel für einen Restaurantbesuch. Ab voraussichtlich Montag, 5. Juli, werden die Stempelkarten bei den jeweiligen Gemeinden und im Landratsamt Lörrach ausliegen.

In Südwürttemberg wird am meisten geradelt

Vergangenes Jahr machten deutschlandweit 545.988 Teilnehmer aus 1482 Kommunen beim Stadtradeln mit – so viele wie noch nie seit Bestehen der Aktion 2008. Zusammen legten sie über 115 Millionen Kilometer auf dem Velo zurück und sparten damit im Vergleich zur Autofahrt knapp 17.000 Tonnen CO2 ein. Am fleißigsten wurde 2020 in Südwürttemberg für den Ausbau der Fahrradwege und den Klimaschutz gestrampelt. Bei den Gemeinden unter 10.000 Einwohnern schaffte Altshausen (Kreis Ravensburg) die meisten Fahrradkilometer, bei den Gemeinden zwischen 10.000 und 49.999 Einwohnern war es Tuttlingen. In Küssaberg hatten vergangenes Jahr 222 Teilnehmer 36.499 Kilometer geradelt, in Bad Säckingen 413 Teilnehmer 63.696 Kilometer.

Die Trompeterstadt beteiligt sich schon seit 2017 am Stadtradeln, das dieses Jahr dort aber erst am 5. September beginnt. „Wir haben dafür entschieden, weil wir 2020 wegen Corona das Stadtradeln in den Herbst verschieben mussten. Damals mussten wir unsere gesamte Werbeaktion einstampfen“, erklärt der Bad Säckinger Umweltbeauftragte Ralf Däubler. Sicherheitshalber sei deshalb dieses Jahr gleich der spätere Termin gewählt worden.